Schafe und Ziegen2026: Das Internationale Jahr der Weidewirtschaft

2026: Das Internationale Jahr der Weidewirtschaft

Claire Guyat zieht mit 800 Merino-Schafen ganzjährig durch die französische Var-Region.
Quelle: Guyat

Mehr als die Hälfte der Landmasse auf der Erde besteht aus Weideland, also natürlicher Vegetation, die von Nutztieren und Wildtieren beweidet wird. Deshalb stellt Weideland das größte Ökosystem der Welt dar. Konkret handelt es sich beim Internationalen Jahr der Weidelandschaft und Hirten um ein Projekt, das von 102 Ländern und 400 Organisationen unterstützt wird. Dabei sind beispielsweise auch der Verein für Hirtenkultur aus Österreich und der Bundesverband Berufsschäfer aus Deutschland. Bei der Auftaktveranstaltung in Paris sprachen einige Akteure der französischen Weidewirtschaft darüber, was sie sich von dem Projekt erhoffen.

Es sind weltweit Aktionen geplant, um Weidelandschaften und Hirtenwissen sichtbarer zu machen. Dazu gehören Festivals, Workshops, internationale Konferenzen, Bildungsprogramme für nachhaltige Weidewirtschaft sowie die Förderung traditioneller Hirtenpfade und die Stärkung von Gemeinschaften, die diese Kultur leben. Es wird gefordert, mobile Weidewirtschaft als immaterielles Kulturerbe anzuerkennen, Hirtenrechte gesetzlich zu stärken, Weideland gegen Verbauung zu schützen und traditionelle Praktiken in Agrar- und Umweltpolitik zu integrieren.

 

Weidewirtschaft in Frankreich

  • 2,2 Mio. ha Weideland, das schwer maschinell zu bearbeiten ist, was 5 % des nationalen Gebiets entspricht.
  • Alpine Weiden, Sommerweiden und Grünlandflächen bieten 60.000 landwirtschaftlichen Betrieben die Grundlage für ihre Bewirtschaftung. Dies entspricht 18 % aller französischen Nutztierbetriebe, die Pflanzenfresser (Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde) halten. Von diesen Betrieben sind 35.000 Weidebetriebe, deren Futterfläche überwiegend aus Grünland besteht. Sie stellen 11 % des französischen Pflanzenfresserbestands (1,5 Mio. Nutztiere) dar.

Schäferin ohne Land und Stall: Transhumanz in der Var-Region

Claire Guyat, Administratorin des französischen Weidewirtschaftsverbandes (AFP), führt ihre 800 Merinoschafe das ganze Jahr über auf der Transhumanz, sie zieht also jahreszeitlich mit ihrem Vieh zwischen verschiedenen Weidegebieten hin und her.

Du hast die Transhumanz als Haltungsform für deine Schafe gewählt. Was heißt das?

Das mediterrane Klima der Var-Region ermöglicht es mir, ohne Bauernhof zu leben und meine Herde das ganze Jahr über auf der Transhumanz zu führen. Im Winter bleiben die Schafe in der Ebene, in einem Umkreis von 20 bis 25 Kilometern um Sillans-la-Cascade, wo ich mit meinen drei Kindern lebe. Ich treibe die Schafe jeden Tag an einen anderen Ort, was viel Fahrerei bedeutet.

Die Herde grast oft in Weinbergen. Dies hilft den Winzern, ihre Parzellen zu pflegen. Vom späten Frühling bis Oktober oder November werden die Schafe in den Nationalpark Mercantour getrieben. Dort folgen sie dem Graswachstum bis in Höhen von über 2.000 Metern. Ich übernachte derweil in einem Wohnwagen oder in Hirtenhütten.

Was sind die größten Herausforderungen bei dieser Art der Viehhaltung?

Die größte Herausforderung besteht darin, Weideflächen für die Schafe zu finden und diese Jahr für Jahr instand zu halten. Das ist in der Praxis kompliziert, wenn man das Land nicht besitzt. Die meisten Vereinbarungen mit Landbesitzern werden mündlich getroffen.

Zu dieser mühsamen Aufgabe, ständig nach Weideland zu suchen, kommen die unberechenbaren Wetterbedingungen und bürokratische Hürden – etwa mit der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) – hinzu.

Welche Einkommensquellen hast du durch deine Herde?

Die Lämmer werden mit einem Lebendgewicht von etwa 35 Kilo verkauft, insbesondere um Ostern und muslimische Feiertage. 80 Prozent der Rohwolle werden an einen Händler verkauft, die restlichen 20 Prozent über Mérilainos, einen Züchterverband, der sich der Entwicklung und Förderung von Arles-Merinowolle widmet. Seit 2014 verarbeitet dieser Verband jährlich rund drei Tonnen Wolle von etwa 20 Herden zu Garn, Unterwolle, Kammgarn und anderen Produkten.

Was soll im Internationalen Jahr der Weidelandschaft und Hirten erreicht werden?

Unser Hauptanliegen ist es, die Methoden der Weidewirtschaft hervorzuheben und den internationalen Austausch zu fördern, um mit einer globalen Allianz unsere Interessen zu vertreten und unsere Wirtschaftsweise abzusichern.

Was dieser Artikel noch bereit hält:

  • Weideland als größtes Ökosystem der Welt
  • Bildungsprojekt „Was wäre, wenn ich Schäfer (Hirte) werden würde?“
  • Herausforderungen der Weidewirtschaft: Klima, Biodiversität, Raubtiere
  • Forschung in mediterranen Gebieten und Symposium in Montpellier
  • CORAM und der Erhalt lokaler Gebirgsrassen und der Transhumanz
  • Weltweit geplante Aktionen und Forderungen für Hirtenrechte

 

Interessante Aussagen der Akteure der französischen Weidewirtschaft und was in diesem Jahr in Österreich passieren soll, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe! Hier gratis Probeheft oder Abo bestellen!

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