BioBio-Bauern30 Jahre Wwoof Österreich: Interview mit Martina Heuberger

30 Jahre Wwoof Österreich: Interview mit Martina Heuberger

Wwoof
Wwooferin Leni und Bäuerin Heidi beim gemeinsamen Kräuter sammeln.
Quelle: Natalie Honetz

LANDWIRT: Was muss ein Betrieb erfüllen, um Wwoofer aufnehmen zu können?

Martina HEUBERGER: Ein Kriterium, um ein Wwoofer-Betrieb zu werden, ist die biologische Wirtschaftsweise. Der Hof muss aber nicht Mitglied eines Verbandes sein, sondern kann auch Selbstversorgerhof sein. Wwoof möchte den Leuten einen Einblick in die biologische Wirtschaftsweise geben. Die Betriebe müssen offen sein, weil man fremde Leute auf seinen Hof lässt. Die Wwoofer sind aus Gastfreundschaft, Essen und Wohnen eingeladen. Die Wohnsituation selbst kann ganz unterschiedlich sein – vom Heustadl bis zur eigenen Wohneinheit. Jede mithelfende Person entscheidet selbst, ob das für sie passt oder nicht. Die Unterkunft wird auf der Website angegeben und sollte vorab besprochen werden.

Martina Heuberger ging früher selbst wwoofen. Seit mittlerweile 15 Jahre ist sie für die Leitung von Wwoof Österreich zuständig.
Quelle: Martina Heuberger

Was soll der Wwoofer, der auf den Betrieb kommt, erfüllen?

Ein Interesse an der Landwirtschaft ist die Basis. Die Bereitschaft, wirklich aktiv am Betrieb mitzuhelfen, sowie eine gewisse Offenheit, Flexibilität und Toleranz der Hoffamilie gegenüber. Jeder Hof ist ein Mikrokosmos und man kommt in den Familien- und Hofalltag und ist voll dabei im Geschehen. Das Beste ist, wenn die Hofleute ihr Wissen weitergeben wollen und die Wwoofer wirklich daran interessiert sind. Es ist keine Art des billigen Urlaubs, da geht die Rechnung nicht auf.

Wie alt ist sind eure Mitglieder im Schnitt?

Den typischen Wwoofer gibt es nicht. Wir sind kein spezielles Jugendprogramm, es gibt also keine Altersobergrenze bei uns. Wir haben viele junge Leute dabei, die in Ausbildung sind und Ferien haben. Aber wwoofen kann man zum Beispiel auch als Familie mit Kindern. Wir haben Menschen, die mitten im Beruf sind und sich gezielt eine Urlaubswoche zum Wwoofen als Ausgleich zum Büroalltag nehmen. Wir haben aber auch immer mehr Senioren mit dabei, die noch fit sind und etwas Sinnvolles tun möchten oder manches noch aus der Kindheit kennen.

Wwoof Österreich

  • seit 1996 in Österreich (1971 in England von Sue Coppard gegründet)
  • etwa 300 Mitgliedsbetriebe in ganz Österreich, müssen nicht biozertifiziert sein, aber biologisch wirtschaften, also keine Spritz- und Düngemittel einsetzen
  • etwa 700 bis 800 Wwoofer hauptsächlich aus Österreich und Deutschland, aber auch aus anderen Teilen der ganzen Welt

Wie kann man Mitglied werden?

Der erste Schritt ist, dass man sich auf unserer Website registriert und die Kontaktdaten ausfüllt. Wwoof Österreich ist als Verein organisiert, es fällt also ein Mitgliedsbeitrag an. Dieser gilt für 12 Monate ab dem Zeitpunkt des Beitritts und liegt bei 25 Euro. Das berechtigt einen dazu, Höfe zu kontaktieren und Höfe zu besuchen. Nach einem Jahr erlischt die Mitgliedschaft automatisch, man muss nicht kündigen. Einen Monat davor bekommt man ein Erinnerungsmail. Wenn man den Beitrag wieder einzahlt, bleibt man Mitglied.

Wie schaut es mit der Versicherung aus?

In der Wwoof-Mitgliedschaft ist keine Versicherung enthalten. Jeder versichert sich selbst mit der normalen Krankenversicherung. Ideal ist auch eine Unfallversicherung vor allem für Leute, die vom Ausland zu uns kommen, oder wenn man selbst ins Ausland wwoofen gehen möchte.

Manchmal entstehen beim Wwoofen Freundschaften fürs Leben. Wwooferin Leni ist schon zum zweiten Mal auf dem Betrieb von Bäuerin Heidi.
Quelle: Natalie Honetz

Wie läuft die Kontaktaufnahme ab?

Das Wwoofen ist kein durchorganisiertes Programm und wir schauen, dass die Bürokratie möglichst gering gehalten wird. Die Reise wird eigenverantwortlich vom Wwoofer organisiert. Es wird auch niemand auf einen Betrieb zugeteilt, so kann jeder Wwoofer selbst entscheiden, wo er hinmöchte und was ihn interessiert. Die Abstimmung und Findung zwischen Wwoofer und Wwoofer-Betrieb erfolgt nicht über die Organisation, sondern direkt per E-Mail oder telefonisch. Somit hat man alle Freiheiten und kann die Reise in Absprache mit den Hofleuten hinsichtlich Zeitraum und Tätigkeiten so gestalten, wie man selbst möchte.

Wwoof Deutschland

Beim Verein Wwoof Deutschland liegt der Mitgliedschafts­beitrag bei 35 Euro für Einzelpersonen und 55 Euro bei einer Tandemmitgliedschaft.

Sind Wwoofer Arbeitskräfte?

Nein. Beim Wwoofen liegt der Fokus auf dem Lernen und dem gegenseitigen Austausch miteinander. Dabei geht es nicht nur ums Wissen, sondern auch um die Kultur, Sprache, Stadt-Land etc. Bei uns geht es um das Mithelfen und die Tätigkeiten am Betrieb. Als Wwoofer verdient man kein Geld. Die Höfe sollten das auch nicht so sehen, dass man sich durchs Wwoofen eine billige Hilfskraft auf den Betrieb holen kann. Genauso wenig wie wwoofen nur billig reisen ist. Man kann toll reisen mit Wwoof, aber es ist nur ein Aspekt des Ganzen und nicht der Hauptaspekt, da müsste man eher andere Plattformen wählen.

Martina Heuberger hörte vor 28 Jahren erstmals von Wwoof. Bis sie selbst wwoofen ging, vergingen nochmal 10 Jahre. Seit 15 Jahren ist sie bei Wwoof Österreich und mittlerweile für die Leitung des Vereins zuständig.

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