Erst vor Kurzem ist die rund 700 Tiere zählende Schafherde auf die Alp Muot Selvas aufgestiegen, um dort die letzte Woche des Alpsommers zu verbringen. Zum Schutz vor Wolfsangriffen wurde ein Zaun errichtet – offenbar jedoch mit begrenztem Erfolg. Der jüngste Vorfall im Fextal, bei dem ein Wolf Schafe riss, hat auch Gian Suter, Präsident des Bauernverbands Oberengadin in Samedan, aufhorchen lassen.
Grenzen des Herdenschutzes
Obwohl er sich nicht grundsätzlich gegen die Anwesenheit des Wolfs ausspricht, sieht Suter in der aktuellen Situation deutliche Grenzen beim Schutz der Nutztiere. Der Bauernverband akzeptiere den Wolf grundsätzlich, doch die steigende Anzahl an Tieren bereite zunehmend Sorgen. Besonders kritisch sei, dass die traditionelle Bewirtschaftung der Alpen gefährdet sei, falls sich die Landwirte gezwungen sähen, wegen der Wolfsgefahr auf den Alpauftrieb zu verzichten. Suter warnt insbesondere vor Angriffen auf Großvieh, da diese besonders gravierende Folgen hätten – zumal im Tal mehr Groß- als Kleinvieh gehalten werde. Ein weiteres Problem stelle die ständige Anpassung der Schutzkonzepte dar. Dass sich die Strategien gegen den Wolf jährlich ändern, erschwere eine verlässliche Planung. Zudem gebe es im Fextal Weideflächen, die aufgrund ihrer topografischen Lage nicht effektiv gesichert werden könnten, so Suter.
Behörden unter Druck
Nachdem der Wildhüter die getöteten Schafe entdeckt hatte, wurde umgehend das Amt für Jagd und Fischerei informiert. Laut dem Amt sei derzeit unklar, ob ein einzelner oder mehrere Wölfe für den Angriff verantwortlich seien. Fest steht jedoch: Die Tiere wurden trotz Schutzmaßnahmen gerissen – obwohl der Alpmeister sich offenbar an das kantonale Schutzkonzept hielt. Adrian Arquint, Co-Leiter des Bündner Amts für Jagd und Fischerei, beschreibt den Herdenschutz als „sehr dynamischen Prozess“, der bislang noch nicht vollständig greife. Trotzdem habe es in den vergangenen zwei Jahren Fortschritte gegeben. Man setze weiterhin auf die Kombination verschiedener Schutzmassnahmen, doch es brauche mehr Erfahrung und kontinuierliche Anpassungen. Der jüngste Vorfall im Fextal erhöht den Druck auf das Amt für Jagd und Fischerei. Im Verlauf der Woche will die Behörde darüber informieren, wie es in Graubünden mit dem Schutz der Nutztiere vor dem Wolf weitergehen soll.
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