6 neue Rapssorten

Quelle: Böck

Die Ernte von Winterraps war zu Redaktionsschluss Mitte Juli im Weinviertel und dem nördlichen Burgenland zum größten Teil bereits abgeschlossen. Ungenügende Niederschläge im Herbst, ein erhebliches Auftreten von Erdflöhen nach dem Auflaufen sowie eine gleichfalls trockene und kühle Frühjahrwitterung führten zu unterdurchschnittlichen Erträgen von 2.000 bis 2.500 kg/ha. In den oberösterreichischen Anbaulagen war die Rapsernte zur Redaktionsschluss noch im Gange. Erste Daten weisen aber immerhin auf ein – für diese Region – mittleres Ertragsniveau hin. Die österreichische Anbaufläche von Raps blieb in der Saison 2021/22 mit 28.275 ha etwa auf dem vorjährigen, eher bescheidenen Niveau. Zuletzt standen die hohen Rapspreise – die mittlerweile wieder etwas nachgegeben haben – den deutlich gestiegenen Betriebsmittelkosten gegenüber. Vor allem die Preise für Mineraldünger sind gewaltig gestiegen.

Eine Resistenz gegenüber dem Wasserrübenvergilbungsvirus (TuYV) gehört bei den Neuzüchtungen mittlerweile schon zum Standard.
Quelle: Agrarfoto

Variables Aussaatfenster

Trockenwarmes Wetter stellt für den Rapsanbau eine besondere Herausforderung dar. Besonders in Ostösterreich sollten die Landwirte auf eine bodenwasserschonende Bestellung achten. Das Rapsfeld sollte im Zuge der Saatbettvorbereitung und der Aussaat nur einmal abtrocknen müssen. Hier bieten die neuen Rapssorten einen großen Vorteil. Durch ihr breiteres Aussaatfenster können Landwirte eventuell günstige Wettervorhersagen wie Regen zum Aufgang abwarten. Ist der Raps einmal aufgelaufen, so sollten Landwirte das Auftreten des Rapserdflohs regelmäßig kontrollieren. Die Larven des besagten Schädlings dringen über die bodennahen Blattstiele in die junge Pflanze ein und fressen sich im schlimmsten Fall bis zum Vegetationskegel durch. Befallene Pflanzen reagieren mit dem Austrieb der seitlichen Adventivknospen. Ein verspäteter, ungleichmäßiger Blühverlauf und Ertragseinbußen sind die Folge. Die Kontrolle des Insektenbefalls ist bis in den November hinein fortzuführen, das zeigen die Erfahrungen aus 2021.

Genügend Schwefel

Für den Raps ist eine ausreichende Schwefelversorgung besonders wichtig. Sie verbessert auch die Wirkung der Stickstoffversorgung. Im Frühjahr, zu Vegetationsbeginn, wird laut den Richtlinien für die sachgerechte Düngung eine Schwefeldüngung von rund 30, besser aber 50 kg Schwefel je Hektar empfohlen. Übersieht man diesen Bedarf, sind Mangelerscheinungen und Mindererträge von bis zu 1.000 kg je Hektar keine Seltenheit. Typisch für Schwefelmangel sind die violetten Verfärbungen an Trieben und Blättern, fahlgelbe Blütenblätter und in weiterer Folge verkümmerte Schoten. Die Symptome des Mangels treten in der Regel erst so spät auf, dass eine Korrekturdüngung nicht mehr sinnvoll ist. Das Wasserrübenvergilbungsvirus (Turnip yellow virus, TuYV) hat sich mittlerweile über alle Anbaugebiete verbreitet. Es wird durch Blattläuse – vor allem die Grüne Pfirsichblattlaus – übertragen. Verzögerte Pflanzenentwicklung und ein beeinträchtigter Ertragsaufbau können den Anbauerfolg vermindern. Die Züchtung hat darauf bereits reagiert und so werden TuYVresistente Sorten angeboten. Alle neuen Sortenkandidaten verfügen laut Züchterangaben nunmehr über diese Resistenz.

Vielfältige Sortenauswahl

In der Tabelle sind die Merkmalsausprägungen der in Österreich aktuell gelisteten Winterrapssorten dargestellt. Eine niedrige Ausprägung (Stufe 1) bedeutet dabei eine sehr niedrige, geringe, frühe oder kurze Ausbildung; eine hohe Ausprägung (Stufe 9) eine sehr hohe, starke, späte oder lange Ausbildung. Die Sorten sind in drei Segmente unterteilt, in Hybridsorten herkömmlichen Wuchstyps, Halbzwerghybriden und Liniensorten. In den Grafiken 1 bis 3 sind die Leistungseigenschaften neuer und aktueller Rapssorten getrennt nach Trockengebiet und Übergangslagen in den einzelnen Segmenten dargestellt. Die je nach Anbaugebiet und Sortiment unterschiedlichen Standardmittel sind die Bezugsbasis für die Relativerträge und bei einem Vergleich über die Sortengruppen hinweg zu beachten.

Neue Hybriden

Bei den Hybridsorten herkömmlichen Wuchstyps gab es 2021 sechs Neuzulassungen: DK Excited, DK Exlevel, LG Antigua, LG Apollonia, LG Auckland und LG Aviron. DK Exlevel zeigt eine langsame bis mittlere Frühjahrsentwicklung. Sie blüht und reift spät. Bei mittlerem Ölgehalt liegt DK Exlevel im Trockengebiet im Korn- und Ölertrag gleichauf mit Ambassador und Architect. Im Feuchtgebiet bleibt sie unter Absolut, Ambassador oder Artemis. Die Sorte ist langwüchsig bei guter Standfestigkeit. Positiv zu vermerken ist die gute Widerstandskraft gegenüber Sclerotinia und Phoma (APS 3). DK Excited ist mittelspät reifend. Sie bestach durch ihr sehr hohes Ertragspotenzial. Zusammen mit dem hohen Ölgehalt übertrifft DK Excited alle früher gelisteten Hybriden in beiden Anbaugebieten sowohl im Korn- als auch im Ölertrag deutlich. Die langwüchsige Sorte mit mittlerer Standfestigkeit wird von Sclerotinia nur sehr gering bis gering befallen (APS 2). Von DK Excited wurden 2021 bereits Vermehrungsflächen angelegt. LG Antigua zeigte bei einer mittleren Frühjahrsentwicklung sowie einer mittelfrühen Blüte- und Reifezeit mittlere Kornerträge. Mit dem hohen Ölgehalt erreicht LG Antigua überdurchschnittliche Ölerträge. Die Sorte ist langwüchsig, aber gut standfest. Weniger günstig ist die mittlere Anfälligkeit gegenüber Sclerotinia. LG Apollonia ist mittelrasch in der Frühjahrentwicklung und mittelspät in der Abreife. Sie überzeugte durch hohe Mehrleistungen im Kornertrag und Ölertrag, die vor allem im Trockengebiet sehr deutlich ausgeprägt waren. Im Feuchtgebiet ist LG Apollonia ertraglich vergleichbar mit Absolut. Artemis blieb sie knapp unterlegen. Die Sorte ist trotz des hohen Wuchses gut standfest und mit der sehr geringen bis geringen Anfälligkeit für Sclerotinia (APS 2) und der geringen Anfälligkeit für Phoma (APS 3) eine gesunde Sorte. LG Auckland mit später Abreife brachte deutlich überdurchschnittliche Korn- und Ölerträge in beiden Anbaugebieten. Gepaart mit dem hohen Ölgehalt liegt LG Auckland im Ölertrag im Spitzenfeld der Neuregistrierungen. Der Hybrid ist langwüchsig und mittel standfest. Die Anfälligkeit für Sclerotinia und Phoma ist gering bis mittel (APS 4) ausgeprägt. Der mittelspät reifende Hybrid LG Aviron wies Vorteile im Korn- und Ölertrag sowohl im Trocken- als auch im Feuchtgebiet auf und ist hier auch Artemis nahezu ebenbürtig. Die Sorte ist langwüchsig und mittel standfest. Zu beachten ist die mittlere Anfälligkeit gegenüber Sclerotinia (APS 5).

Bewährte Hybridsorten

Ludger zeichnet sich mit einem hohen Ölgehalt und einem niedrigen Glucosinolatgehalt durch ihre Qualitätseigenschaften aus. Die Kornerträge liegen im Bereich des Standardmittels. Die langwüchsige Sorte zeigt ansonsten mittlere agronomische Eigenschaften. Die am Markt bereits gut eingeführten Hybriden Absolut und Ambassador bringen in beiden Anbaugebieten mittlere bis leicht überdurchschnittliche Kornerträge. Absolut ist sehr hochwüchsig, die Standfestigkeit ist bei beiden mittelgut. Absolut ist für Sclerotinia gering anfällig. Architect entspricht im Korn- und Ölertrag in beiden Anbauregionen, ist hochwüchsig bei guter Standfestigkeit und ist bei mittlerer Frühjahrsentwicklung mittelspät reifend. Artemis überzeugt in beiden Anbaugebieten mit hohen Kornerträgen und bei dem hohen Ölgehalt auch mit hohen Ölerträgen. Die hochwüchsige Sorte kombiniert eine gute Standfestigkeit mit einer geringen Anfälligkeit gegenüber Krankheiten.

Die Halbzwerge

Die Halbzwerghybriden entwickeln sich im Frühjahr langsam. Ihre Bezeichnung weist auf ihren kompakten Wuchs hin. In Verbindung mit einer ausgezeichneten Standfestigkeit und einer gleichmäßigeren Abreife ergibt sich die gute Mähdruscheignung dieses Wuchstyps. Nach den Ergebnissen der AGES-Versuche ist bei diesem Wuchstyp die Ertragsminderung im Trockengebiet gegenüber dem Feuchtgebiet größer als bei den herkömmlichen Hybriden oder den Liniensorten. Die verzögerte Frühjahrsentwicklung kürzt die Zeitspanne für den Ertragsaufbau ein, was im Falle von anhaltendem Trockenstress während der Kornfüllung zu einem geringeren Ertragsniveau führt. Aus diesem Grund und bei ihrer guten Standfestigkeit empfehlen sich Halbzwerghybride für Regionen mit besserer Wasserversorgung. PX133 erzielt den höchsten Kornertrag in Feuchtlagen, der Glucosinolatgehalt ist sehr niedrig, die Sorte ist allerdings für Sclerotinia und Phoma mittelstark anfällig. PX128 und PX131, beide mittelspät reifend, weisen mittlere Kornund Ölerträge bei einer besseren Standfestigkeit und geringerer Krankheitsanfälligkeit auf.

 Liniensorten: nichts neues

Unter den Liniensorten erzielt die Sorte Jeremy (Listung 2018) in diesem Segment einen hohen Ertrag bei einem mittleren Ölgehalt. Jeremy blüht früh bei einer mittleren Reife. Positiv ist auch der niedrige Glucosinolatgehalt. Randy erreicht mit seinen Korn- und Ölerträgen das Standardmittel nicht ganz. Bei den Halbzwerghybriden und den Liniensorten gab es zuletzt keine Neueintragungen. Für die Sommerzulassung 2022 steht ein Rapshybrid herkömmlichen Wuchstyps für eine etwaige Registrierung an, sofern die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt sind.