LandlebenErnährung6 von 10 Schnitzeln kommen aus dem Ausland

6 von 10 Schnitzeln kommen aus dem Ausland

61 % des angebotenen Schweinefleisches kommen aus Spanien und anderen Ländern, nur 39 % aus Österreich.
Quelle: Lapa Smile/shutterstock.com

Schweinefleisch ist die mit Abstand beliebteste Fleischsorte in Österreich. Doch es ist nicht immer Österreich drinnen, wenn man in der heimischen Gastronomie Speisen mit Schweinefleisch bestellt. Das beweist der jüngste Store-Check, den die Schweinevermarktungsgemeinschaft Styriabrid von November 2025 bis Jänner 2026 im Gastrogroßhandel durchgeführt hat. 61 % des angebotenen Schweinefleisches kommen aus Spanien und anderen Ländern, nur 39 % aus Österreich. Der Anteil von Qualitätsschweinefleisch mit dem lückenlos nachvollziehbarem AMA-Gütesiegel liegt bei nur mageren 20 %.

Verpflichtende Herkunftskennzeichnung wichtig

Die Auslobung der regionalen Qualität ist im Interesse von Konsumenten und Bauern. Für die Gastronomie wünschen sich 72 % der Österreicher, dass die Herkunft in den Speisekarten angeben wird. Bauernbund-Spitzenkandidat Andreas Steinegger fordert die verpflichtende EU-weite Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und für verarbeitete Fleischprodukte wie Wurst, Schinken und Co endlich umzusetzen: „Für Bauern, Schlachthöfe und Zerlegebetriebe ist die 100-prozentige Kennzeichnung gängige Praxis. Bei den nachfolgenden Akteuren in der Lebensmittel-Wertschöpfungskette tut sich die große Lücke auf, die zu schließen ist.“ Die verpflichtende Herkunftskennzeichnung ist auch eine zentrale Forderung im Mercosur-Schutzprogramm, das Steinegger zum Schutz der Bauern und Konsumenten auf den Tisch gelegt hat. Hier geht es auch um Konsumentenschutz. Warum? Laut Europäischer Arzneimittelagentur (EMA) haben die spanischen Schweinehalter einen sehr hohen präventiven Antibiotikaeinsatz im Vergleich zu Österreich.

Billigimporte drücken Schweinepreise

Die massiven Billigstimporte, vor allem aus Spanien, setzen die heimischen Schweinebauern massiv unter Druck. Die Erzeugerpreise fallen seit Wochen. „Im Moment zahlen die Schweinebauern sogar drauf, wenn sie in den Stall gehen und ihre Tiere füttern. Das ist für die Familienbetriebe untragbar und wirtschaftlich nicht verkraftbar“, betont der Bauernbund-Spitzenkandidat Steinegger. Um den Markt langfristig zu stabilisieren, fordert Steinegger: Einen wesentlich höheren Anteil an österreichischem Schweinefleisch im Gastrogroßhandel und in der fleischverarbeitenden Industrie – durch eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Steinegger-Tipp an die Bevölkerung: Fragt im Gasthaus nach, woher das Fleisch im Schnitzel kommt.

Spanien: Wettbewerbsvorteile auf Kosten der Umwelt

Spanien als Schweinegigant Europas genießt massive Wettbewerbsvorteile auf Kosten der Umwelt. Ohne flächengebundener Tierhaltung produziert das Land viel billiger und erzeugt fast 200 % des Eigenverbrauchs an Schweinefleisch, ohne Rücksicht auf Umweltstandards zu nehmen. Die Tierzahlen sind in Spanien nicht – wie in Österreich – an die landwirtschaftliche Fläche gebunden. „EU-weit müssen die gleichen Standards für alle gelten“, fordert Steinegger.
Zudem appelliert er an alle Beteiligten in der Wertschöpfungskette, den Bauern wirtschaftlich vertretbare Preise zuzugestehen, damit sie ihre Betriebe fortführen können und die junge Generation eine Perspektive in der Landwirtschaft hat.

Hohe Tierwohlstandards

Josef Kaiser ist Obmann der österreichischen Erzeugergemeinschaft Styriabrid.
Quelle: zVg

„Spanisches Schweinefleisch auf den heimischen Tellern geht auf Kosten unserer Bauern“, unterstreicht Josef Kaiser, Obmann der Schweineerzeugergemeinschaft Styriabrid. Gerade die österreichischen Schweinebetriebe sind kleinstrukturierte Familienbetriebe und produzieren mit hohen Standards. Viele davon sind im AMA-Gütesiegel-Programm. Kaiser dazu: „Wir bekennen uns zu den beschlossenen hohen Tierwohlstandards und sind bereits im Begriff, diese auch umzusetzen. Aber wir können uns nicht weiterentwickeln, wenn immer mehr ausländisches Fleisch zu Schleuderpreisen und anonymisiert auf den Tellern landet.“ Positiv hebt Kaiser die jüngsten Bekenntnisse zu heimischem Fleisch einzelner Lebensmittelhändler hervor, die sich auch der Gastrogroßhandel zum Vorbild nehmen sollte

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Warenkorb

Der Warenkorb ist leer.
Gesamt: 0,00