Der Verlust an Biodiversität zählt zu den großen Krisen unserer Zeit. Diese Diagnose betrifft Ökosysteme, wildlebende Tiere und Pflanzen ebenso wie Kulturpflanzen, zu denen auch Obstsorten gehören. Ein neuer Zustandsbericht von 17 Obstsammlungen belegt eine massive Gefährdung der heimischen Obstvielfalt. Von insgesamt 2.506 dokumentierten Sorten sind 1.859 existenzbedroht oder stark gefährdet. Nur 24 Prozent gelten als ausreichend abgesichert, da sie in mehreren Sammlungen erhalten werden. Besonders kritisch sind Sorten, die nur an einem einzigen Standort existieren.

Vielfalt beim Äpfel am größten
Am stärksten vertreten ist der Apfel mit 1.578 Sorten, von denen fast die Hälfte nur einmal gesichert ist. Von den 564 Birnensorten muss ein gutes Drittel als existenzbedroht eingestuft werden. Bei den Zwetschken sind über 50 Prozent nur einfach abgesichert. Bei Kirschen und Marillen gilt überhaupt nur jeweils eine einzige Sorte als gut abgesichert, bei den Pfirsichen sind ausnahmslos alle dokumentierten Sorten als stark gefährdet oder existenzbedroht eingestuft. Für weitere Obstarten wie Walnuss, Haselnuss, Edelkastanie, Quitte oder Mispel fehlen vielfach grundlegende Daten.
Maßnahmen zur Sicherung
Nur lebende Bäume können ein Sorte erhalten. Der Bericht identifiziert zentrale Maßnahmen:
- bessere Absicherung durch mehrere Standorte
- Klärung von Sortennamen
- stärkere finanzielle Unterstützung der Sammlungen
- Schließung von Erfassungslücken und verbesserte Koordination zwischen Institutionen
Auch wirtschaftlich ist die Vielfalt relevant, etwa für Streuobst in der Saftproduktion. Gleichzeitig fehlt es gerade bei Most- und Wirtschaftsobst an systematischer Erfassung und Verjüngung alter Bestände. Viele Sorten existieren nur noch als alte Einzelbäume.
Die Obstsammlungen warnen vor irreversiblen Verlusten. Ohne nationale Strategie, stabile Finanzierung und koordinierte Maßnahmen droht ein dauerhafter Verlust genetischer Vielfalt. Stirbt der letzte Baum einer Sorte, ist sie endgültig verschwunden.
Zum Bericht und zu den beteiligten Sammlungen: www.obstmonitoring.at

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