Die wirtschaftliche Situation vieler Ackerbaubetriebe in Oberösterreich bleibt angespannt. Darauf verwiesen Vertreter der Landwirtschaftskammer Oberösterreich (LK OÖ) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Linz. Steigende Betriebsmittelkosten, regulatorische Vorgaben auf EU-Ebene sowie internationale Marktbedingungen würden die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zunehmend beeinflussen. Gleichzeitig sehen die Interessenvertreter Chancen in den Bereichen Eiweißpflanzen, regionale Wertschöpfung und Bioenergie.
Nach Angaben der Landwirtschaftskammer bewirtschaften rund 5.000 Betriebe in Oberösterreich Ackerflächen. In den vergangenen 15 Jahren habe die Zahl der auf Marktfruchtproduktion spezialisierten Betriebe um rund 20 Prozent zugenommen. Hintergrund sei unter anderem der Rückgang der Tierhaltung in traditionell veredelungsorientierten Regionen des Bundeslandes.
Steigende Kosten belasten Betriebe
Besonders stark würden derzeit die Kosten für Düngemittel, Energie und Pflanzenschutzmittel steigen. Die Erlöse für Getreide und Ölsaaten orientierten sich hingegen weiterhin an internationalen Agrarmärkten. Dadurch habe sich die wirtschaftliche Situation vieler Marktfruchtbetriebe verschärft. Nach Angaben der LK OÖ seien die Mehrkosten bei intensiven Kulturen wie Weizen oder Mais zuletzt um bis zu 150 Euro pro Hektar gestiegen.
Gleichzeitig zählt Oberösterreich laut Landwirtschaftskammer zu den ertragsstärksten Ackerbauregionen Österreichs. Bei Kulturen wie Winterweizen, Wintergerste, Roggen, Körnermais und Sojabohnen würden regelmäßig hohe Durchschnittserträge erzielt.
Diskussion um EU-Klimazölle auf Düngemittel
Ein Schwerpunkt der Pressekonferenz war der europäische CO₂-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM), der künftig auch für Düngemittel relevant wird. Die Landwirtschaftskammer sieht darin zusätzliche Belastungen für die Landwirtschaft, da die höheren Kosten nach ihrer Einschätzung nicht über höhere Produktpreise ausgeglichen werden können. Sie spricht sich deshalb für eine Aussetzung der Regelung im Düngemittelbereich aus, solange für landwirtschaftliche Produkte keine vergleichbaren Schutzmechanismen bestehen.
Pflanzenschutz und neue Züchtungsmethoden
Die Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln bezeichnet die LK OÖ als wesentliche Voraussetzung für die Produktionssicherheit. Kritisch beurteilt werden lange Zulassungsverfahren und Unterschiede bei der Umsetzung innerhalb der Europäischen Union. Die Kammer fordert eine Vereinfachung und Beschleunigung der Genehmigungsverfahren.
Positiv bewertet werden neue genomische Techniken in der Pflanzenzüchtung. Diese könnten nach Einschätzung der Landwirtschaftskammer dazu beitragen, Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit, Krankheiten und klimatischen Veränderungen zu machen sowie den Einsatz von Betriebsmitteln zu reduzieren.
Potenziale bei Eiweißpflanzen und regionaler Verarbeitung
Als Wachstumsbereich sieht die Landwirtschaftskammer den heimischen Sojaanbau. Mit mehr als 22.000 Hektar Anbaufläche zählt Soja zu den bedeutenden Ackerkulturen Oberösterreichs. Die Organisation spricht sich für einen weiteren Ausbau der Verarbeitungsstrukturen für Soja, Ackerbohnen und Körnererbsen aus.
Kritisch bewertet wird eine auf EU-Ebene diskutierte Einstufung von europäischem Sojaöl als Hochrisiko-Rohstoff für indirekte Landnutzungsänderungen im Rahmen der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie. Die Landwirtschaftskammer sieht darin mögliche Nachteile für die europäische Eiweißproduktion und Sojaverarbeitung.
Höhere Biokraftstoffquoten gefordert
Weitere Chancen für den Ackerbau sieht die LK OÖ im Bereich der Bioenergie. Eine Anhebung der Biodieselbeimischung von derzeit maximal sieben Prozent auf zehn Prozent könnte nach Einschätzung der Kammer zusätzliche Absatzmöglichkeiten für heimische Kulturen wie Raps, Sonnenblumen, Soja, Getreide und Zuckerrüben schaffen. Gleichzeitig würden damit Klimaschutzziele und die Versorgungssicherheit unterstützt.
Debatte über künftige EU-Agrarpolitik
Mit Blick auf die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028 fordert die Landwirtschaftskammer ausreichende finanzielle Mittel sowie stärkere Investitionsförderungen. Unterstützt werden sollten insbesondere Investitionen in Digitalisierung, Präzisionslandwirtschaft, moderne Pflanzenschutztechnik und wassersparende Produktionsverfahren. Die Kammer verweist darauf, dass 86 Prozent der oberösterreichischen Landwirtschaftsbetriebe freiwillig am Agrarumweltprogramm ÖPUL teilnehmen.
Außenhandel und Wettbewerbsbedingungen
Im Bereich des internationalen Agrarhandels fordert die Landwirtschaftskammer einen wirksamen Schutz sensibler Agrarmärkte. Als Beispiel nennt sie die Auswirkungen der Marktöffnung gegenüber der Ukraine zwischen 2022 und 2025, die nach Einschätzung der Organisation zu zusätzlichem Druck auf europäische Agrarmärkte geführt habe. Gleichzeitig spricht sich die LK OÖ für vergleichbare Produktionsstandards bei importierten Agrarprodukten aus.
Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich sieht die zukünftige Entwicklung des heimischen Ackerbaus maßgeblich von den politischen Rahmenbedingungen auf europäischer und nationaler Ebene abhängig. Neben Maßnahmen zur Senkung der Produktionskosten seien aus Sicht der Organisation Investitionen, neue Absatzmöglichkeiten und stabile Marktbedingungen entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe.

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