BioBio-LebenAlt und Jung – passt das zusammen?

Alt und Jung – passt das zusammen?

Quelle: Agrarfoto

Wer an einen Bauernhof denkt, erwartet sich die perfekte Idylle. Neben freilaufenden Tieren und gepflegten Höfen gehört der Familienbetrieb, in dem Alt und Jung Hand in Hand arbeiten, zum gewünschten Bild der Landwirtschaft.

Trügerische Idylle

Tatsächlich ist die, stets greifbare, ältere Generation eine unverzichtbare Stütze bei Arbeitsspitzen und bei der Kinderbetreuung. Immer jemanden zu haben, der einspringt, wenn Not am Mann ist, nimmt den Druck vom Einzelnen: Die Oma kocht, während die Jungen die anstehende Arbeit verrichten. Der Opa hilft tatkräftig mit, wo Not am Mann ist. Die Jungen kümmern sich dafür später um die Eltern und Schwiegereltern, wenn diese an ihrem Lebensabend einmal Hilfe im Alltag brauchen. Morgens, mittags und abends versammelt sich die Familie an einen Tisch, wo gemeinsam gegessen, gelacht und über den Tag gesprochen wird.

Dass das enge Zusammenarbeiten und -wohnen aber keineswegs immer dermaßen idyllisch abläuft, wissen viele Bauernfamilien aus eigener Erfahrung. In der Realität heißt es oft: „Immer mischt sich die Oma in die Erziehung ein!“ – „Deine Freundin will mehr Freizeit – das kann nicht gutgehen, suche dir besser eine andere.“ – „Immer hältst du zu deinen Eltern!“ – „Wenn du den Stall abreißen willst, bekommst du den Betrieb sicher nicht.“ – „Ich interessiere mich dafür, was die Jungen machen. Sie sehen das aber als Kontrolle und Einmischung.“

Berichten Sie uns über Ihre Erfahrungen!

In welchen Situationen gibt es häufig Konflikte zwischen Jung und Alt? Wie meistern Sie die Herausforderungen im täglichen engen Zusammenleben und -arbeiten mit Ihren Eltern, Schwiegereltern, Kindern (auch: außerfamiliären Hofübergebern/-nehmern)? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen, damit auch andere von Ihren Lösungen profitieren können:

Generationskonflikte

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Konflikte haben zwei Seiten

Ein Erfahrungsbericht einer jungen Bäuerin: „Mein Mann versucht, seinen Eltern immer alles recht zu machen und arbeitet sich ab, in der Hoffnung, Anerkennung zu ernten. Lob bekommt er aber nie, stattdessen wird nur genörgelt, was wir alles falsch machen – auch, weil wir manches anders machen wollen. Um jede auch noch so kleine Veränderung muss man streiten, das zehrt an den Nerven. Obwohl mein Mann total überarbeitet ist, wird geschimpft, wenn wir mal für ein paar Tage wegfahren wollen. Dann heißt es, wir hätten wohl zu viel Geld und ich wäre nicht die Richtige für ihren Sohn, weil ich zu viel Freizeit fordern würde. Dabei macht mir die Mitarbeit auf dem Hof eigentlich viel Spaß. So aber verdirbt man uns langsam nicht nur unser Familienleben, sondern vor allem auch die Freude an der Landwirtschaft.“

Aber nicht nur die Jungen fühlen sich unverstanden, auch die Gegenseite findet, es mangele am gegenseitigen Respekt. Der Hofübergeber etwa hadert damit, dass es nicht mehr so weitergeht, wie es immer war: „Mein Sohn möchte den ganzen Betrieb umkrempeln, das Milchvieh rausschmeißen und stattdessen Rindfleisch selber vermarkten. Er wird überrascht sein, wieviel Arbeit er damit haben wird. Arbeit, die er alleine machen muss, weil von seiner Freundin kann er sich nicht viel erwarten. Die ist gleich überlastet. Noch dazu möchte er auf Bio umsteigen, dabei hat er davon ja keine Ahnung. Die Nachbarn werden sich über uns lustig machen, wenn auf den Feldern das Unkraut sprießt. In Urlaub fahren wollen sie auch, das war für uns immer undenkbar, die Arbeit ist immer an erster Stelle gestanden. Ich verstehe nicht, warum die Jungen heute unbedingt alles anders machen müssen. So, als ob das, was wir aufgebaut haben, nichts wert wäre.“

Wenn Schwiegermutter und Schwiegertochter sich uneinig sind, sitzt der Mann oft zwischen den Stühlen – die Partnerin fordert Solidarität, die Mutter Dankbarkeit.
Quelle: Shutterstock.com/Motortion Films

Wenn sich das Leben ändert

Schwierige Situationen treten oft erst auf, wenn sich die Lebenssituation ändert, etwa wenn (Enkel-) Kinder geboren werden, die Hofübergabe bevorsteht oder die Pflege von Familienangehörigen ins Spiel kommt. Sind dann die Nerven durch die tägliche Arbeit ohnehin angespannt, eskaliert die Lage leicht. Gegenseitiges Verständnis und Respekt für den anderen gelingt dann nur, wenn man offen miteinander reden kann, sich auch wirklich vom Gegenüber gehört fühlt und die eigenen Bedürfnisse nicht als Hirngespinst, Hysterie oder Unzufriedenheit abgetan werden.

Dass sich Generationenkonflikte bei den Problemen von Landwirten an vorderer Stelle einreihen, zeigen die Anfragen an die bäuerlichen Sorgentelefone. Die Spanne reicht von genereller Unzufriedenheit, Trennungen (von Familienmitgliedern oder vom Betrieb) bis hin zum Suizid.

Ständige Diskussionen zwischen den Generationen zehren auf Dauer an den Nerven. Auch wenn es langfristig die Probleme nicht löst, kann es schon ein wenig helfen, zumindest zu versuchen, sich in den anderen hineinzuversetzen. Und zu wissen: Auch anderen Familien geht es ähnlich!
Quelle: Agrarfoto

Generell sind die besten Ansprechpartner bei Konflikten die Familienmitglieder. Jedoch kann es vorkommen, dass Gespräche abgeblockt werden. Kommen Sie alleine nicht weiter, können Mediatoren zur Schlichtung herangezogen werden.

In vielen Fällen hilft es schon, sich mit Leidensgenossen auszutauschen, zu wissen: Ich bin mit meinen Bedürfnissen und Sorgen nicht allein, anderen geht es ähnlich. Gemeinsam nach Lösungen zu suchen, zu hören, wie andere herausfordernde familiäre Situationen gemeistert haben, kann schon Druck von den eigenen Schultern nehmen. Und auch darüber nachzudenken: Wie sieht die Gegenseite die Situation? Kann ich vielleicht versuchen, den anderen zumindest ansatzweise zu verstehen?