AckerbauAlternative Antriebe und Drohnen im Fokus

Alternative Antriebe und Drohnen im Fokus

Erschienen in: LANDWIRT 06/2026

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Elektroantriebe bei Standardtraktoren - Fendt e107 Vario.
Der Fendt e107 Vario mit batterieelektrischem Antrieb steht seit dem Spätherbst 2025 im LANDWIRT Praxistest.
Quelle: Paar

Josef Mayer, Geschäftsführer für Forschung und Entwicklung bei AGCO/Fendt, zeichnete das Bild einer Branche zwischen Effizienzdruck, Nachhaltigkeitsanforderungen und volatilen Märkten. Alternative Antriebe seien ein zentraler Hebel, um Produktivität und Klimaschutz zu verbinden – allerdings ohne Patentlösung.
Wer sich für batterieelektrische Traktoren interessiert, findet dazu auch mehr Details zum vollelektrischen Fendt e107 Vario.

  • Batterieelektrische Antriebe punkten mit hohem Wirkungsgrad und niedrigen Energiekosten. Herausforderungen bleiben jedoch Maschinengewicht, Bauraum und Ladezeiten. Realistisch erscheint der Einsatz zunächst in kleinen und mittleren Leistungsklassen.
  • Wasserstoff ermöglicht ein schnelles Tanken, erfordert aber eine besondere Infrastruktur und konstruktive Anpassungen an den Fahrzeugen.
  • Gasförmige Energieträger wie Methan besitzen Potenzial, sind jedoch stark systemabhängig.
  • HVO, Pflanzenöl und E-Fuels bieten eine hohe Energiedichte und sind ohne oder mit nur minimalen Anpassungen kurzfristig nutzbar, bleiben jedoch hinsichtlich Gesamtwirkungsgrad und Emissionsbilanz umstritten.

Henning Eckel (KTBL) verwies auf den jährlichen Kraftstoffbedarf von rund 2,1 Mrd. l in der Land- und Forstwirtschaft – dieser müsse bis 2045 klimaneutral ersetzt werden. Elektrifizierung gilt als zentraler Baustein, flüssige Kraftstoffe bleiben jedoch auf absehbare Zeit unverzichtbar.

Referenten der DLG/VDI-Tagung "Landtechnik für Profis" im Fendt Forum in Markoberdorf.
Die Referenten diskutierten auf dem Podium mit den Zuhörern: Stefan Kiefer, Stefan Thurner, Mortimer von Rümker, Dr. Josef Mayer und Harald Kramer.
Quelle: Pawelzik

Aus Sicht der Lohnunternehmen hob Hartmut Matthes, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Lohnunternehmer Deutschlands, die praktischen Herausforderungen heraus: Unterschiedliche Lade- und Betankungszeiten erschweren die Einsatzplanung. Die Parallelität mehrerer Antriebssysteme erhöht den Investitionsbedarf, den Infrastrukturaufwand und die Serviceanforderungen. Ein radikaler Systemansatz kam von Nexat: Das dieselelektrische Trägerfahrzeug mit großen Spurweiten setzt auf maximale Bodenschonung und ist für alternative Antriebe vorbereitet.

Drohnentechnik im Pflanzenbau effizient nutzen

Im Pflanzenbau gewinnen Drohnen zunehmend an Bedeutung. Bernhard Bauer von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf zeigte, dass Drohnen als Sensorplattformen bereits etabliert sind – insbesondere bei kleinen Schlägen, schwierigen Randstrukturen oder nassen Böden. Die Applikation von Pflanzenschutzmitteln per Sprühdrohne ist in der EU derzeit nicht zugelassen, technische Fragen wie Abdrift, Tropfengröße und Bestandesdurchdringung werden in der Branche intensiv diskutiert.

Praxisberichte aus der Schweiz (Agroscope) zeigen, dass sich Sprühdrohnen seit 2019 besonders im Steillagen-Weinbau bewähren. Vorteile sind eine geringere körperliche Belastung, reduzierte Abdrift und weniger Sprühnebel.
Zur rechtlichen und praktischen Einordnung passt auch dieser Beitrag zum Pflanzenschutz mit der Drohne.

Düngen mit Drohnen und teilflächenspezifischer Technik

Anders im Bereich Düngung: Hier sind Drohnen bereits im Einsatz. Mit Arbeitsbreiten von 6 m und teilflächenspezifischer Düngetechnik ermöglichen sie gezielte Spätgaben, etwa im Mais. Defizite bestehen noch bei Verteilgenauigkeit und Grenzstreuen, allerdings wird eine schnelle Weiterentwicklung erwartet.

So sehen es die Praktiker

Kommentar von Johannes Paar, LANDWIRT Redakteur

Die Fachtagung in Marktoberdorf hat gezeigt: Elektrifizierung, alternative Kraftstoffe und Drohnen sind technisch längst Realität. Doch zwischen Innovation und breitem Praxiseinsatz liegen Infrastruktur, Regulierung und Wirtschaftlichkeit.
Batterieelektrische Antriebe überzeugen mit hohem Wirkungsgrad, kämpfen aber mit Gewicht, Ladezeiten und Netzanschluss am Hof. Wasserstoff ist schnell getankt, erfordert jedoch enorme Investitionen. HVO und E-Fuels sind kurzfristig nutzbar, bleiben aber in Effizienz- und Emissionsfragen umstritten.
Entscheidend ist nicht, was technisch funktioniert – sondern was sich im Betrieb rechnet. Ähnlich bei Drohnen: als Sensorplattform etabliert, in Spezialkulturen bewährt, doch im Pflanzenschutz hierzulande regulatorisch stark eingeschränkt.

Zugleich stellt sich eine strategische Frage: Übernehmen – wie in der E-Mobilität – asiatische Hersteller das Steuer? Bei Batterien, Elektronik und Drohnentechnik ist die Abhängigkeit bereits spürbar. Tauschen wir die Dieselabhängigkeit gegen eine neue bei Speicher- und Softwaretechnologie?
Bei aller Zukunftsdebatte gerät ein naheliegender Hebel fast in den Hintergrund. Fabian Wohlfahrt von Claas zeigte: Optimierte Bereifung, richtiger Reifendruck und angepasste Ballastierung sparen bis zu 15 % Energie – unabhängig vom Antrieb. Ohne neue Infrastruktur, ohne politische Vorgaben, ohne geopolitische Abhängigkeit.

Der technologische Fortschritt ist für die Landwirtschaft wichtig. Doch echte Effizienz beginnt oft im Detail. Und dort sitzt der Landwirt selbst am Steuer.

Regulierung, Spot-Spraying und Wirtschaftlichkeit

In Deutschland und Österreich bremsen derzeit regulatorische Vorgaben. Effizienzpotenziale im Pflanzenschutz liegen hier aktuell stärker in optimierter Befülllogistik, geschlossenen Transfersystemen und präziser Gestängeführung. Autonome Systeme und Spot-Spraying-Verfahren eröffnen zusätzliche Zukunftsperspektiven.

Langfristig skizzieren die Referenten einen Ackerbau mit deutlich weniger Fahrgassen – Drohnen könnten dabei eine zentrale Rolle als Sensor- und Applikationssystem übernehmen. Bei aller Zukunftsdebatte gerät ein naheliegender Hebel fast in den Hintergrund: Fabian Wohlfahrt von Claas zeigte, dass optimierte Bereifung, richtiger Reifendruck und angepasste Ballastierung bis zu 15 % Energie sparen – unabhängig vom Antrieb.
Dazu finden Sie mehr zum Zusammenspiel von Reifen und Ballastierung.

Der technologische Fortschritt ist für die Landwirtschaft wichtig. Doch echte Effizienz beginnt oft im Detail. Und dort sitzt der Landwirt selbst am Steuer.

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