AgrarpolitikAntibiotika: EU-Ausschuss fordert strengere Regeln

Antibiotika: EU-Ausschuss fordert strengere Regeln

Geht es nach den Europäischen Grünen, dann sollen Antibiotika künftig nur an einzelne Tiere verabreicht werden dürfen.
Quelle: Agrarfoto.com

Die EU-Kommission überarbeitet derzeit die EU-Tierarzneimittelverordnung und legte deshalb dem Europaparlament einen Kriterienkatalog vor, auf dessen Basis definiert werden soll, welche Antibiotika ausschließlich der Humanmedizin vorbehalten bleiben sollen. Der EU-Umweltausschuss wies den Rechtsakt nun aber zurück und forderte stattdessen die EU-Kommission mehrheitlich zu strengeren Regeln auf. Konkret verlangt man, dass künftig die weitergehenden Kriterien der WHO als Maßstab gelten sollen. Zudem soll die Vergabe von Reserveantibiotika an Gruppen von Tieren grundsätzlich verboten werden, heißt es in der Erklärung des Europäischen Parlaments.

Kriterien zu hoch angesetzt

Als zentraler Kritikpunkt gilt, dass die EU-Kommission den Kriterienkatalog zur Definition der Reserveantibiotika zu hoch angesetzt habe. Dies hätte ermöglicht, dass viele kritische Antibiotika weiterhin auch in der Nutztierhaltung zum Einsatz hätten kommen können. In weiterer Folge wären nur wenige antibiotische Wirkstoffe exklusiv der Humanmedizin zur Verfügung gestanden. Darum legten die Europäischen Grünen mit dem deutschen EU-Abgeordneten Martin Häusling an der Spitze schließlich Veto ein. Häusling bemängelte ferner, dass ein hoher Prozentsatz an Antibiotika in der Nutztierhaltung prophylaktisch in der Gruppentherapie zum Einsatz komme. Das heißt, dass bisweilen auch gesunde Tiere vorsorglich Antibiotika via Tränkanlage erhalten, weil die Absonderung kranker Tiere nur schwer realisierbar ist.

Indes appellierte die österreichische Grüne EU-Abgeordnete Sarah Wiener, den Blick auch auf die Ursachenbehebung zu richten. Man müsse weg von auf “Höchstleistung gezüchteten und dadurch krankheitsanfälligen Tieren, hin zu einer Züchtung und Tierhaltung, die die Tiergesundheit im Fokus hat”, so Wiener. Dass es auch anders gehe, zeige beispielsweise Demeter. Dort sei der Einsatz von Reserveantibiotika vollständig verboten.

Antibiotika im Stall rückläufig

Erst unlängst berichtete die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA), dass der Verbrauch an Antibiotika im EU-Agrarsektor erstmals unter jenem der Humanmedizin liege. Insbesondere der Einsatz von Polymyxinen, wozu auch Colistin zählt, habe sich im Zeitraum 2016–2018 nahezu halbiert. Die EFSA hält fest, dass das Bemühen der EU-Mitgliedstaaten um eine Verringerung des Antibiotikaeinsatzes erfolgreich sei.

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