RindMutterkuhAubrac-Rinder in Oberösterreich züchten

Aubrac-Rinder in Oberösterreich züchten

Seit 17 Jahren züchtet Familie Hofer Aubrac-Rinder.
Quelle: Edegger

Viele kleine Schweißperlen stehen Josef Hofer an diesem schwülen Sommertag auf der Stirn, als er flotten Schrittes zur Weide seiner 20 Aubrac-Rinder geht. „Da ich meine Tiere einen Großteil des Jahres draußen halte, ist eine Kontrolle der Tränke an so einem heißen Tag Pflicht“, erklärt der Landwirt, während er über den Zaun steigt. „Gott sei Dank rinnt bei den meisten meiner Koppeln ein Bach durch, und so muss ich den Tieren nur bei einem Teilstück Wasser per Traktor liefern. Ich habe nur wenig Humusauflage und nicht die besten Flächen, aber man sollte zufrieden sein, mit dem was man hat“, ergänzt Josef Hofer, während er die Hände in das kühle Wasser der Tränke taucht.

Rasender Erfolg

Josef Hofer hat die meisten Flächen um seinen Hof verteilt und so ist die Herde fast das ganze Jahr auf der Weide. Um die Flächen möglichst wirtschaftlich zu nutzen, betreibt der Landwirt Kurzrasenweide. „Dieses Weidesystem ist nicht ganz einfach und es bedarf Erfahrung. Aber wenn man einmal den Dreh raushat, belohnt einen dieses Weidesystem mit einer guten Tageszunahme. Außerdem ist die Weide das billigste Grundfutter“, sagt der Bio-Bauer. Gerade bei der Mutterkuhhaltung ist Kosteneinsparung wichtig. „Ich muss aber ergänzen, dass bei uns der Niederschlag immer passt. Darauf sollte man achten und bei Bedarf die Flächengröße anpassen“, erklärt Hofer. Der Ampfer ist seit der Kurzrasenweide kein Thema mehr. Was sofort auffällt, wenn man an den Koppeln von Josef Hofer vorbeigeht: Die Zaunpfähle sind ungewöhnlich dick. „Ich habe als Pflöcke alte Eisenbahnschwellen benutzt. Die sind zwar beim Zaunbau etwas unhandlich, jedoch halten sie ewig und unterm Strich macht das weniger Arbeit“, erklärt Hofer schmunzelnd.

Die Herde ist fast das ganze Jahr auf der Weide.
Quelle: Edegger

Geringe Ansprüche

Langsam wird es lauter. Durch gelegentliches Muhen kündigt die Herde von Josef Hofer ihr Kommen an. Wenige Zeit später haben sich alle Tiere rund um den Landwirt versammelt. „Meine Tiere sind neugierig und wissen genau, wenn ich vorbeikomme, habe ich meistens einen kleinen Snack mit Mineralstoff dabei, den lassen sie sich natürlich nicht entgehen“, erklärt der Oberösterreicher und streichelt den Kopf einer seiner Kühe. Hofer fügt hinzu: „Aubrac ist eine ausgesprochen angenehme Mutterkuhrasse.“ Vom Gemüt her sind die Tiere ruhig, der Umgang mit ihnen ist einfach. „Aber nicht nur das Wesen dieser Rinder hat mir gefallen. Auch ihre Anspruchslosigkeit, ihre problemlosen Abkalbungen und ihre gute Futterverwertung. Dadurch sind sie auch für die Almhaltung prädestiniert. Außer einer Mineralstoffergänzung bekommen die Tiere im Sommer nur Grundfutter. Meine Rinder machen aus wenig noch sehr viel. Auch die Fleischqualität unserer Tiere kann sich durchaus sehen lassen“, ergänzt Hofer. Einmal im Jahr, zu Weihnachten, wird ein Tier direktvermarktet.

In viele Länder vermarkten

„Ich bin oft unterwegs und durch meine Reisen auf die Aubrac-Rinder gestoßen“, erzählt Josef Hofer, während er die Weide wieder verlässt und Richtung Hof marschiert. Der Landwirt stieß aber nicht, wie man vermuten mag, in deren Heimat Frankreich auf die Rinder. Nein, er sah die Tiere das erste Mal in Hamburg. „Ich bin zu ihnen hin und hab mir gedacht: ‚Das sind schöne Tiere, die will ich auch‘“, erinnert sich der Züchter. Schon kurze Zeit später holten sich die Hofers das erste Tier aus Luxemburg. „Das war damals der einfachste Weg, denn die Luxemburger können alle gut Deutsch. Mittlerweile sind 17 Jahre vergangen und ich bin von dieser Rasse noch immer begeistert“, erinnert sich der 53-Jährige. Inzwischen ist Josef Hofer mit seinen Zuchttieren selbst international unterwegs. Der Oberösterreicher konnte bereits Tiere nach Armenien, Tschechien, Deutschland und Kroatien verkaufen. „Wir sind eine tolle kleine Gruppe an Züchtern in Österreich. Aubrac erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Wir haben regen Kontakt miteinander und halten sogar Züchtertreffen ab“, erklärt der Landwirt und geht weiter in den Stall.

Flexibler Stall

Josef Hofer nimmt die Gabel und gibt den Tieren im Stall etwas Futter. Dabei erzählt er: „Grundsätzlich sind die Tiere im Sommer draußen, aber diese zwei Kalbinnen werden bald verkauft, deshalb sind sie im Stall.“ Der Stall war früher ein Milchviehstall, den Hofer für die Mutterkühe adaptierte. Vom Stall geht der Oberösterreicher weiter in die Maschinenhalle. Er zeigt auf die Löcher im Boden und sagt: „Dort, wo derzeit die Strohballen lagern und die Landmaschinen stehen, stelle ich im Herbst wieder die Aufstallung auf.“ So kann die Halle doppelt genutzt und auf den sich verändernden Tierbestand flexibel reagiert werden.

Zusätzlich Pferde

Familie Hofer hält aber nicht nur Rinder am Hof. Elf Einstellplätze für Pferde bieten die Oberösterreicher an. Natürlich haben die Hofers auch ein eigenes Pferd am Hof. Darauf ist Tochter Leonie besonders stolz. Josef Hofer erklärt: „Die Haltung von Kühen und Pferden ergänzt sich hervorragend, denn die schlechteren Futterpartien bekommen die Pferde. Auch bei der Weidehaltung kann ich zuerst die Pferde in die Koppel geben und die Kühe übernehmen dann den Nachputz.“ Josef Hofer geht aus dem Stall und steigt auf seinen Traktor. Ein voller Wassertank ist hinten am Traktor angebracht. Diesen bringt der Landwirt zur nächsten Koppel und stellt ihn am Eck ab. Der Landwirt bereitet die Koppel für seine Rinder vor. Morgen schon sollen die Tiere die Weide wechseln und frisches Futter und Wasser vorfinden.

 

Der Betrieb

Josef (53) und Renate (43) Hofer

Kinder Lukas (16) und Leonie (17)

4211 Alberndorf

16 ha Grünland (davon 9 ha Weide)

9 ha Acker

18 ha Wald

20 Aubrac-Rinder (12 Mutterkühe samt Nachzucht)

1 Deckstier

11 Einstellplätze für Pferde

Buchtipp

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Landkalender 2026

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