UncategorizedBäuerinnen: Sichtbarkeit zum Weltfrauentag

Bäuerinnen: Sichtbarkeit zum Weltfrauentag

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Bäuerinnen haben eine unverzichtbare Rolle auf den Höfen.
Quelle: LANDWIRT

Die Gleichstellung von Frauen und Männern hat in Europa in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht, doch bis zur tatsächlichen Chancengleichheit ist es weiterhin ein langer Weg. Der EU-Gleichstellungsindex lag 2025 bei 63,4 Punkten und ist seit 2015 um 7,4 Punkte gestiegen. Österreich erreichte 61,2 Punkte und verbesserte sich im selben Zeitraum um 7,7 Punkte.

Für Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger zeigt diese Entwicklung zwar Fortschritte, jedoch keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit. Gleichstellung sei ein langfristiger Prozess, der konsequente politische Maßnahmen und ein gesellschaftliches Umdenken erfordere.

Verlässliche Rahmenbedingungen schaffen

Entscheidend sei nicht nur die formale Gleichstellung, sondern die Möglichkeit für Frauen, ihr Potenzial tatsächlich zu entfalten. Dafür brauche es gleiche Chancen und verlässliche Rahmenbedingungen. Besonders deutlich werde dies in der Land- und Forstwirtschaft, wo Bäuerinnen zentrale Leistungsträgerinnen sind. Ihr Beitrag zur Ernährungssicherheit, zur wirtschaftlichen Stabilität ländlicher Regionen und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt werde jedoch häufig unterschätzt.

In Österreich wird mittlerweile mehr als jeder dritte landwirtschaftliche Betrieb von einer Frau geführt. Die Aufgaben der Bäuerinnen reichen von der landwirtschaftlichen Produktion über Betriebsführung und Verarbeitung bis hin zu Vermarktung und Wissensweitergabe über Lebensmittelqualität. Gleichzeitig tragen Frauen einen erheblichen Anteil an unbezahlter Arbeit: Während Männer durchschnittlich rund 2,5 Stunden täglich dafür aufwenden, leisten Frauen unter 65 Jahren im Schnitt 4,3 Stunden.

Österreich liegt mit einem Anteil von 36 % an Betriebsführerinnen an der Spitze.
Quelle: NTÖ

Nachteile für Bäuerinnen

Trotz ihrer zentralen Rolle bestehen weiterhin strukturelle Nachteile für Bäuerinnen. Ein besonders deutliches Beispiel ist die Pensionslücke: Bäuerinnen erhielten 2023 durchschnittlich 34 Prozent weniger Pension als ihre männlichen Kollegen. Ursache sind unter anderem geringere Beitragszahlungen und kürzere Versicherungszeiten.
Neumann-Hartberger sieht daher politischen Handlungsbedarf. Die Geschlechterperspektive müsse systematisch in politische Entscheidungen einbezogen werden. In der Gemeinsamen Agrarpolitik etwa könnten Fördermodelle oder Investitionsprogramme so gestaltet werden, dass Frauen leichter Zugang zu Mitteln für Diversifizierung und betriebliche Entwicklung erhalten.

Frauen wirtschaften nachhaltiger

Statt formaler Bekenntnisse zu Gender-Mainstreaming brauche es konkrete, messbare Maßnahmen in Budgets und Programmen.
Studien der Europäischen Investitionsbank zeigen zudem, dass Unternehmerinnen häufig nachhaltiger wirtschaften: Sie gelten als weniger risikobereit, bedienen Kredite zuverlässiger und investieren verstärkt in Qualifizierung sowie in Umwelt-, Sozial- und Governance-Standards. Eine stärkere Beteiligung von Frauen an wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen könne daher positive Effekte für Wirtschaft, Regionen und Demokratie bringen.

Internationales Jahr der Bäuerinnen

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält das Thema durch eine internationale Initiative: Die Vereinten Nationen haben 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerin erklärt. Ziel ist es, die Leistungen von Frauen in der Landwirtschaft weltweit sichtbar zu machen und ihre Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft stärker hervorzuheben.
In Österreich wird das Themenjahr unter anderem mit Projekten zur Sichtbarkeit von Bäuerinnen begleitet. Im Rahmen der Initiative „Stalleinblicke“ präsentieren tierhaltende Betriebsführerinnen ihre Höfe und ihre Arbeit auf Social-Media-Plattformen. Dabei berichten sie über ihren Alltag, ihre Motivation und ihre Verantwortung für Tierwohl und hochwertige Lebensmittelproduktion.

Der Weltfrauentag dient damit nicht nur als Anlass für Anerkennung, sondern auch als Hinweis auf bestehenden Handlungsbedarf. Starke und selbstbestimmte Bäuerinnen gelten als entscheidender Faktor für stabile Betriebe, innovative Regionen und eine nachhaltige Landwirtschaft. Ohne ihren Beitrag wäre das agrarische System in Österreich nicht denkbar.

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