LandlebenFamilieBin ich noch etwas wert, wenn ich kein Bauer mehr bin?

Bin ich noch etwas wert, wenn ich kein Bauer mehr bin?

Ist der Hof übergeben, fallen viele Pflichten weg. Da muss Mann/Frau sich erst neu finden.
Quelle: Zoran Zeremski/Shutterstock.com

udwig war Bauer mit Leib und Seele. Den Hof hat er zwar schon vor 15 Jahren an seinen Sohn übergeben, aber er ging immer noch in den Stall, fuhr mit dem Traktor, machte das Holz. Bis zu jenem Tag im Oktober. Der Altenteiler erlitt einen Schlaganfall war wochenlang außer Gefecht. Seither kann er seine rechte Körperhälfte nur mehr eingeschränkt benutzen.
Obwohl es ihm körperlich jeden Tag ein wenig besser geht, leidet er sehr unter der Situation. „Meine Tage sind sinnlos geworden“, sagt er. Ludwig fühlt sich hilflos und unnütz. Besonders deshalb, weil sein Sohn den Betrieb vergrößert und ihn voll und ganz in die Arbeiten eingeplant hat. Es bekümmert Ludwig umso mehr, wenn er sieht, wie viel Mehrarbeit sein Sohn jetzt hat.
Berater Willi Peszt von der LK Burgenland kennt viele solcher Betriebe. Er ist überzeugt: „Man muss der älteren Generation die Freiheit geben, dass sie aufhören können. Sie dürfen sich nicht an den Hof gefesselt fühlen. Langfristig ist das für alle besser.“ Zugleich müssen die Kinder müssen aber auch wissen, was den Eltern guttut. Denn die haben oft nicht gelernt, ihre Grenzen zu erkennen und zu respektieren.

Wo kann ich mir Hilfe holen?

Bäuerliches Sorgentelefon in Österreich:
Der direkte Draht für Lebensfragen, wenn einfach alles zu viel ist. Die Information und Begleitung sind kostenlos und Anfragen werden absolut vertraulich behandelt. Einfach zum Ortstarif anrufen unter 0810/676 810.

Montag bis Freitag 8:30 bis 12:30 Uhr (ausgenommen gesetzliche Feiertage).

Montagstelefon in Bayern:
Jeden Montag (auch an Feiertagen) von 9–13 Uhr und von 16–20 Uhr: 0800/131 131-0 (kostenlos)

Krisenhotline der SVLFG, Deutschland
Rund um die Uhr: 0561/785 10101

Was also tun?

Als Bauer schafft man jeden Tag mit den Händen, sieht direkt das Ergebnis seiner Arbeit. Die Tage sind zudem sehr strukturiert – gerade bei Viehhaltern. Das gibt Sicherheit. Fällt diese Struktur weg, muss man sich erst neu orientieren. Willi Peszt sieht hier die Herausforderung: „Die Generation der Hofübergeber ist in einer Zeit aufgewachsen, in der man sich stark darüber definierte, was man geleistet hat. Sie brauchen auch heute noch extrem die Bestätigung durch andere.“

Was dieser Artikel noch bereithält

  • Kontrollposten für Altbauern: Ein Jungbauer hat eine schöne Idee für seine Eltern
  • Neue Hobbys finden: Wie wäre es mit…
  • Tipps für Sozialkontakte
  • Eine Routine aufbauen