BioBiodiversitätBiodiversität und Klimaschutz nur in Einklang mit Bauern

Biodiversität und Klimaschutz nur in Einklang mit Bauern

Die Bauervertretung setzt auf eine nachhaltige Bewirtschaftung, in der biologische Artenvielfalt und technische Effizienz koexistieren.
Quelle: Landpixel

Bauernbund und Landwirtschaftskammer Österreich haben mit Unterstützung der Universität für Bodenkultur ein Biodiversitäts- und Klimaprogramm 2030 initiiert. Dieses soll zum Diskussionsprozess rund um den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Green Deal beitragen, der auch Strategien für Biodiversität und “Farm to Fork” enthält. Im Hinblick darauf sollen in den nächsten Monaten die Themen Land- und Forstwirtschaft, Energie, Jagd und Fischerei sowie Wasserwirtschaft in den Fokus rücken. Die Bauernvertretung hob hervor, dass nun eine Politik gemacht werden müsse, welche die bisher geleistete Arbeit der Bauern sinnvoll fortsetze. Zugleich solle man etwa Städte und Gemeinden vermehrt zur Anlage von Grünflächen verpflichten. Ebenso solle die Freizeitnutzung von Ökosystem entsprechend reguliert werden.

Bauern als Teil der Biodiversität

Klimaschutz und der Erhalt biologischer Vielfalt seien nur mit Österreichs Bauernfamilien möglich, sagte dazu Bauernbund-Präsident Georg Strasser. Darum sei nachhaltige Landwirtschaft ein Teil der Lösung – und Bauern die Wegbereiter: Sie bewirtschafteten den Boden und managten so das größte CO2-Reservoir des Planeten. Gleichzeitig stellten heimische Bauern das Fundament für erneuerbare Energien wie Windkraft und Photovoltaik bereit. Dies sei ein “enormer Beitrag” zum Schutz von Biodiversität und Klima.

Strasser wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine “nachhaltige Bewirtschaftung” der Nutzflächen wesentlich mehr zum Klimaschutz beitrage als die “Außer-Nutzung-Stellung” etwa von Waldflächen. Denn: In Österreich bewirtschafte man Lebensräume gemäß ihres nachhaltigen Ertragspotenzials. Dies bedeute wiederum, dass die pflanzliche und tierische Produktion an die verfügbaren landwirtschaftlichen Flächen in den Regionen gebunden sei. Somit garantiere die nachhaltige Bewirtschaftung ohnehin die “Existenz lebendiger Kulturlandschaften und der dort beheimateten Arten.”

Grundsätze Biodiversitäts- und Klimaprogramm 2030 (Auszug)

Erreichung der Ziele ...
...durch nachhaltige und integrative Nutzungskonzepte sowie im Einklang mit Bewirtschaftern
...durch Reduktion der täglichen Flächenversiegelung auf 2,5 Hektar pro Tag
...im Einklang mit Zielsetzungen für Energiewende, Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit mit regionalen Lebensmitteln, ...
...durch Verpflichtung von Städten und Gemeinden, aktiv am Programm mitzuwirken (Artenschutz, Grünflächen...)
...durch Vorbildwirkung der öffentlichen Hand hinsichtlich aktivem Klimaschutz bei Bauprojekten
(...)

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“Schützen durch Nützen”

Einen ähnlichen Ton schlug LK-Präsident Josef Moosbrugger an. Er plädiert dafür, den Bauern Anreize zu geben, um die “Vielfalt an Arten, Sorten und Rassen” zu erhalten und auszubauen. Verbote hingegen seien wenig zielführend. „Unsere Betriebe haben zahlreiche Vorleistungen erbracht, wie der EU-weite Spitzenplatz bei der Biolandwirtschaft oder die über 84-prozentige Teilnahme am EU-Umweltprogramm belegen”, so Moosbrugger. Erst durch aktives Bewirtschaften ließen sich Lebensräume und Arten erhalten. Darum wolle man “schützen durch Nützen”.

Konkret verlangte Moosbrugger politische Maßnahmen, wie die Anwendung von Klimazöllen und die volle Abgeltung von zusätzlichen Leistungen für Biodiversität, Klimaschutz und Tierwohl. Darum erwarte die heimische Landwirtschaft von der künftigen GAP sowie vom “Green Deal” Anreize, die die regionale Produktion nicht verhindern, sondern forcieren.

Effizienz statt Außerbetriebnahme

Wissenschaftlichen Beirat erhielt die Bauernvertretung indessen von BOKU-Assistenzprofessor Reinhard Neugschwandtner. Auch er sieht die Außerbetriebnahme von Flächen kritisch. Stattdessen brauche es mehr Effizienz in der Produktion und beim Energieeinsatz. Beispielsweise könnten “eine reduzierte Bodenbearbeitung, mehr Leguminosen in der Fruchtfolge und Zwischenfruchtanbau Biodiversität fördern“, so Neugschwandtner.

Auch Präzisionslandwirtschaft soll einen Beitrag leisten.
Quelle: Agrarfoto.com

Zudem habe man durch Begrünungsmaßnahmen und reduzierte Bodenbearbeitung den Humusgehalt heimischer Ackerböden erhöhen können. Dadurch werde auch mehr Kohlenstoff im Boden gespeichert. Nicht zuletzt spielten auch Fortschritte in der Digitalisierung eine Rolle sowie der vermehrte Einsatz von Sensoren und GPS eine Rolle hinsichtlich Effizienz.

Berg- und Kleinbauern üben Kritik

Positiv aufgenommen wurde das Programm von der Vereinigung “Die Rübenbauern” und der Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP). Die IGP unterstütze die Forderung der LK-Österreich und der Anbauverbände nach einer Folgenabschätzung zum Green Deal und fordere eine solche auch für die geplante österreichische Biodiversitätsstrategie. Man befürchtet indessen, dass Landwirte Klimawandel-bedingte Herausforderungen ohne “wirksames Resistenzmanagement” nicht bewältigen könnten. Auch die Rübenbauern sehen Spezialkulturen wie die Zuckerrübe ohne wirksamen Pflanzenschutz in Gefahr.

Nicht mit Kritik zum Biodiversitäts- und Klimaprogramm 2030 spart hingegen die Österreichische Berg- und Kleinbauernvereinigung (ÖBV). Insbesondere die vagen Aussagen seien wenig zielführend. “Weiter so” als Devise reiche nicht aus, verkündete dazu ÖBV-Pressereferent Franziskus Forster. Es sei bekannt und dokumentiert, dass die Intensiv-Landwirtschaft mit hohem Einsatz von Kraftfutter, Pestiziden und Dünger die zentrale landwirtschaftliche Ursache für viele Probleme bei Klima- und Biodiversität sei. Unterdessen könne man dem Biodiversitätsverlust mit der Stärkung kleinbäuerlicher Strukturen entgegenwirken. Schutz und Nutzung könnten nur dann tatsächlich Hand in Hand gehen. Die derzeitigen Pläne in der Agrarpolitik würden aber auf eine weitere Verschärfung der Probleme hindeuten, so Forster.

Zuckerrüben-Bauern sehen ihren Produktionszweig ohne wirksamen Pflanzenschutz in Gefahr.
Quelle: Agrarfoto.com

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