Im Jahr 2024 bewirtschaftete die Landwirtschaft weltweit rund 1,2 Mrd. ha. Auf diesen Flächen wuchsen Getreide, Ölsaaten, Eiweiß-, Zucker- und Faserpflanzen sowie Obst, Gemüse und Nüsse. Der überwiegende Teil dieser Produktion dient direkt oder indirekt der menschlichen Ernährung. Lediglich rund 7 % der globalen Anbaufläche entfielen auf Rohstoffe für die Biokraftstoffproduktion. Darauf weist die Union zur Förderung von Oel- und Proteinpflanzen (UFOP) hin.
Nutzung von Überschüssen stabilisiert Märkte
Die Biokraftstofferzeugung findet vor allem in Regionen mit strukturellen Rohstoffüberschüssen statt. Dazu zählen Zucker, Mais, Palmöl und Sojaöl. Ohne diesen Verwertungsweg müssten große Mengen zusätzlich auf den Weltmarkt gelangen. Das würde die Erzeugerpreise unter Druck setzen. Die Verarbeitung zu Biokraftstoffen reduziert Überschüsse und schafft zusätzliche Wertschöpfung. Gleichzeitig senkt sie in vielen Ländern den Importbedarf an Rohöl oder fossilen Kraftstoffen, wie Recherchen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) zeigen.

Nebenprodukte sichern Eiweißversorgung
Ein zentraler Effekt der Biokraftstoffproduktion ist die gekoppelte Erzeugung von Eiweißfuttermitteln und Glycerin für die chemische Industrie. Diese Nebenprodukte beeinflussen Angebot, Nachfrage und Preise auf den Agrarmärkten – besonders bei Soja. Biokraftstoffe treiben nach Einschätzung der UFOP die Rohstoffpreise nicht. Im Gegenteil: Rohstoffe lassen sich bei Bedarf jederzeit wieder in die Nahrungsmittelversorgung umlenken. Zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ersetzte Rapsöl beispielsweise kurzfristig importiertes Sonnenblumenöl.
Gefahr durch politisch erzwungene Extensivierung
Kritisch sieht die UFOP eine politisch motivierte Extensivierung des Ackerbaus. Strategien zur Reduktion von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln im Rahmen des European Green Deal könnten diese Pufferfunktion schwächen. Fällt der Biokraftstoffsektor als Ausgleichsoption weg, müsste die Landwirtschaft die Anbauflächen ausweiten, um den Bedarf an Nahrungsmitteln zu decken. Die UFOP fordert daher eine ganzheitliche Bewertung von Warenketten im Rahmen der europäischen und nationalen Bioökonomiestrategien – von der Pflanzenzüchtung bis zum Anbau.
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