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Bürokratie hausgemacht
„Weniger Bürokratie, mehr Entlastung.“ Politiker, spulen diese alte Leier auf jeder Wahlveranstaltung ab. Dabei sind es oft gar nicht die Gesetze, die den Gang zum Amt so aufwendig machen.
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Ohne Zweifel: Es gibt immer mehr Gesetze, Auflagen und Vorgaben – sei es von der EU, dem jeweiligen Nationalstaat oder gar den Kommunen. Das macht unser Leben manchmal so kompliziert, dass man nur den Kopf schütteln kann.
Wenn man jedoch genauer hinsieht, wundert man sich: Der Gesetzestext an sich, scheint gar nicht das eigentliche Problem zu sein. Vielmehr ist es die Arbeitsweise auf den Ämtern und Behörden. Chefs übertragen dort sämtliche Verantwortung auf ihre Mitarbeiter. Die sichern sich wiederum bei jeder Entscheidung doppelt ab. Keiner will den schwarzen Peter bei sich haben. Als Universalausrede kommt meist „Überlastung“ und „Personalmangel“. Bringt ein Bauer dieses Argument, wenn er mal eine Frist nicht einhalten kann, heißt es dann aber: „Das zählt nicht, da müssen Sie halt schauen, wie Sie es hinbekommen.“
Kürzlich hat mir ein Leser erzählt: Er bewirtschaftet einen Anbindestall und will diesen umbauen. 2019 hat er auf dem Amt nach einer Beratung gefragt. Dort hieß es: Für 40 Kühe lohnt sich ein Laufstall nicht. Er ging zum Amt im Nachbarlandkreis. Dort hätte man ihn beraten, durfte es aber wegen der Zuständigkeit nicht. Auf erneute Nachfrage bei seinem Amt, konnte der Landwirt zumindest seine Unterlagen einreichen. Nach etlichen Vertröstungen, herrschte Funkstille.
Nun habe ich als LANDWIRT Redakteur beim Amt nachgefragt. Dort hat man zuerst bestritten, dass es je eine Anfrage des Landwirts gab. Der Sachbearbeiter sei zu 100 % zuverlässig. Nachdem ich den Email-Verlauf zwischen ihm und dem Landwirt vorgelegt habe, hieß es dann lapidar: „Der Fall ist wohl durchgerutscht.“ Jetzt muss, oder soll ich besser sagen „darf“, der Landwirt alle Unterlagen erneut einreichen – denn die bisherigen sind nicht mehr aktuell.
Liebe Politiker, sagen Sie doch Ihren Beamten mal öfters: „Weniger Bürokratie, mehr Unterstützung.“ Dann brauchen Sie das im Wahlkampf nicht ständig herunterleiern und es ändert sich vielleicht wirklich mal etwas.
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