Keine europäische Großstadt hat mehr Parkanlagen und Grünflächen als London, rund 3.000 sollen es sein. An zweiter Stelle steht übrigens Berlin mit rund 2.500 Parks und Grünflächen. Laut Kartierungsunternehmen Esri sind fast 17 % von Greater London öffentliche Grünflächen, und es gibt geschätzt 8 Mio. Bäume! Eine grandiose Aussicht auf die Stadt an der Themse bietet London Eye, mit 135 m Höhe das weltweit höchste freitragende Riesenrad mit einer eigenen Bootsanlegestelle. An klaren Tagen blickt man bis zu 40 km weit. Zu Füßen liegen Westminster Abbey, Big Ben und Houses of Parliament.
Gärtner sind Helden
Zwischen den beeindruckenden Bauten schimmert immer wieder Grün. Nur wenige Gehminuten entfernt über die Westminster Bridge, am Big Ben vorbei, kommt man in den ersten Park. Der St. James’s Park geht in die Anlagen von Buckingham Palace über – das Schloss der britischen Königsfamilie – und führt weiter zum berühmten Hyde Park, der 1536 als Jagdgrund von Henry III. entstand und heute mit 142 ha und über 4.000 Bäumen zu den größten Stadtparks der Welt zählt. Der Hyde Park schließt sich an die Kensington Gardens an. Von einem Park zum anderen ein Fußmarsch von gut 80 Minuten – und das mitten in der Stadt! Beeindruckend ist es auch, wie gepflegt die Parks sind. „Unsere Gärtner sind die unbesungenen Helden, die Hüter unserer historischen Landschaft“, sagt der britische Gartengestalter, Autor und TV-Gärtner Dan Pearson. Kew Gardens in Richmond im Westen Londons zählt zu den bekanntesten botanischen Gärten der Welt mit zahlreichen Gewächshäusern, darunter das Temperate House, mit 4.000 m² das größte viktorianische Gewächshaus der Welt und Weltkulturerbe.

Königliche Kühe
Wer es gerne ländlicher hat, fährt mit der Bahn von Paddington etwas westlicher nach Windsor. Der Besuch von Schloss Windsor – eine der Residenzen der britischen Königsfamilie – und seiner Gärten ist ein Muss für jeden London-Besucher. Zum Anwesen gehört auch ein landwirtschaftlicher Betrieb mit 400 ha Ackerland, 800 ha Grünland, 1.500 Hühnern, 140 Schweinen und 200 Jerseykühen. Letztere liefern die Milch für das Speiseeis „Schloss Windsor”, das auch im Hofladen verkauft wird. Die Kühe werden hier besonders königlich behandelt – um ihre Gelenke zu schonen, dürfen sie im Stall auf Wasserbetten ruhen.
Gemüse im Büro ernten
Wo in der Stadt der Beton überhandnimmt, wie im Stadtteil City of London mit seinen vielen Bürohochhäusern, scheinen gute Ideen für eine grünere Stadt zu sprießen. Patrick Dumas und Johnno Ransom – zwei Führungskräfte aus der City – blickten aus dem 46. Stock des Heron Tower und dachten sich: „Was für ein Potenzial!” Sie wollten das Grau ins Grüne verwandeln, die Landwirtschaft in die Stadt bringen. Ransom wuchs auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Lincolnshire auf, bevor er nach London zog und im Immobilienbereich arbeitete. Warum nicht Pflanzenbau in Büros, in der Nähe der Arbeitsplätze und unter Beteiligung der Beschäftigten betreiben, dachten sie sich. Die beiden nennen ihr Unternehmen „Square Mile Farms“, benannt nach dem Londoner Finanzdistrikt, der im Volksmund als Square Mile bezeichnet wird, weil er knapp über eine Quadratmeile groß ist. Square Mile Farms berät, verkauft oder verleiht Konstruktionen als vorgefertigte Module, freistehende Wände oder maßgeschneiderte Anfertigungen. Die beiden ließen sich von der vertikalen Landwirtschaft inspirieren. Die Pflanzen wachsen mehrstöckig und ohne Bodensubstrat, nur mit Wasser, das mit Nährstoffen angereichert ist. Dieser Anbau ist weniger anfällig für Schädlinge und kommt ohne Pflanzenschutzmittel aus. Gegen Bakterien werden dem Wasser natürliche Enzyme zugesetzt. Als Lichtquelle dienen LED-Lampen. Der Anbau ist das ganze Jahr über möglich, alle zwei Wochen kann geerntet werden. Auf diese Weise werden bereits rund 40 verschiedene Kulturen angebaut: Blattgemüse, Kräuter, Salate wie Mangold, Grünkohl, Petersilie oder Schnittlauch. Inzwischen befinden sich 60 Installationen an rund 30 Standorten in Lon„Office Farming” nennen sie den Pflanzenbau in den Büros. Unter den 18 Mitarbeitern von Square Mile Farms tragen einige die Berufsbezeichnung „Urban Farmer”. Bei Veranstaltungen und Workshops tragen sie T-Shirts, auf deren Rücken auf Englisch steht: „So schaut ein städtischer Landwirt aus.”

Gemüse aus dem Bunker
In London wachsen Pflanzen nicht nur an Wänden, sondern auch unter der Erde. Genauer gesagt 33 m tief in einem ehemaligen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. „Growing Underground” nennt sich das Unternehmen. Die Idee dazu entstand während der Finanzkrise 2008. Der Bunker der Londoner U-Bahn an der Clapham High Street bot sich für den urbanen Pflanzenbau an: viel Fläche, die Temperatur liegt durchgängig bei 15 °C, außerdem waren Strom, Aufzug und Wasser vorhanden und in der Nachbarschaft gibt es viele Läden und potenzielle Kunden. Das Saatgut (z. B. ein Salatmix aus Brokkoli, Knoblauch und anderem Gemüse) wird auf alten Teppichresten ausgebracht, die als Substrat dienen. Die Ernte wurde als „Underground Salad” in Supermärkten verkauft. Im Internet wurde „Italian Salad Mix, Growing Underground” zu 70 g für den stolzen Preis von 3,25 Pfund (3,86 Euro) angeboten. Die hohen Stromkosten machten dem Unternehmen aber zu schaffen. Die Produktion wurde inzwischen heruntergefahren. Es werden noch einige Cafés in der Umgebung mit demFahrrad beliefert, doch das Hauptaugenmerk liegt im Moment auf Forschung und Entwicklung.
1.000 Jahre alter Markt
Wer in London britisches Gemüse, Obst, Fleisch- und Milchprodukte von höchster Qualität sucht, besucht den Borough Market unweit der Tower Bridge. Der Markt blickt auf 1.000 Jahre Geschichte zurück und ist beliebt bei Starköchen und Feinschmeckern. Es gibt auffallend viele Käsegeschäfte. Das Angebot an britischen Käsesorten ist überwältigend – Großbritannien gilt inzwischen als das Land mit den meisten Käsesorten der Welt. Wer die Geschichte des Borough Market kennen lernen und seine guten Lebensmittel erschmecken möchte, dem sei eine „Food Tour“ ans Herz gelegt. Das sind geführte Stadttouren, bei denen sich alles ums Essen dreht. „Eating Europe“ bietet in London neben Borough Market auch eine Food Tour für den Osten Londons an. Letztere nennt sich „East End Food Tour” und beginnt im Old Spitalfields Market unweit von Liverpool Street. Reiseführer ist Gave, ein quirliger Mittdreißiger und im echten Leben Schauspieler, der aber auch gerne gut isst. Zweieinhalb Stunden geht die Tour zu Fuß von einer Köstlichkeit zur nächsten.
Food Tour durch London
Im Fischlokal Poppies fühlt sich der Gast in die 1950er-Jahre zurückversetzt: Die Bedienung trägt Rüschenschürze, Elvis singt aus der Jukebox und Fisch und Pommes werden in Tüten im Zeitungspapier-Look serviert. Hinter „Apple Crumble“ verstecken sich gebackene Äpfel mit Streusel, ein Arme-Leute-Essen aus der Nachkriegszeit, das in der Bäckerei Humble Crumble mit Rosenblüten verfeinert wird. Eine äußerst beliebte Zwischendurch-Mahlzeit bei Engländern ist das Speckbrötchen. Im Lokal Potter & Reid legt man hohen Wert auf die nur drei Zutaten: Der Speck kommt von englischen Freilandschweinen, das Tomatenketchup ist selbst hergestellt und mit englischen Äpfeln gesüßt, die Brötchen werden nach jüdischem Rezept in einer Londoner Bäckerei gebacken, die es bereits seit 1911 gibt. Auch bei Beigel Bake in der Brick Lane haben die Brötchen jüdische Wurzeln. Der Laden ist eine Institution. Er ist rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, geöffnet und trotzdem bilden sich vor der Tür Warteschlangen. Täglich werden hier bis zu 3.000 Bagel-Brote gebacken und belegt. Legendär die Version: dicke Scheibe warmes „Salt Beef“ (gepökelte Rinderbrust), Gewürzgurke und meerrettichscharfer englischer Senf. Auch die obligatorische Tasse englischen Tees, die in einem schönen alten englischen Pub eingenommen wird, fehlt auf dieser Tour nicht. Dazu die typisch englische Nachspeise „sticky toffee pudding“, die sich als klebriger Kuchen mit Karamelsoße entpuppt. Köstlicher kann eine London-Reise nicht zu Ende gehen.









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