Im Demeter-Talk „Vom Samen bis auf den Teller: Warum samenfestes Saatgut die Grundlage einer nachhaltigen Ernährung ist“ war die Bedeutung samenfester, gentechnikfreier Sorten, die im Gegensatz zu Hybridsorten nachbaufähig, regional anpassungsfähig und frei zirkulierbar sind, im Mittelpunkt des Gesprächs. Die Sorten entwickeln sich weiter, die Vielfalt wird größer und die Unabhängigkeit landwirtschaftlicher Betriebe gestärkt. „Samenfeste Sorten schreiben eine Biografie. Sie verändern sich mit der Umwelt und zeigen die Qualitäten von Böden, Sonne und Menschen. Diese Qualität wächst mit“, betont Frech-Emmelmann.
Bewusstsein für Landwirtschaft schaffen
Die Vielfalt und bäuerliche Souveränität werden von der zunehmenden Sortenpatentierung und der Konzentration der Saatgutbranche bedroht. Frech-Emmelmann warnt: „Patentierungen und Konzerne wollen die Hoheit über Saatgut an sich reißen. Dadurch verlieren Bäuerinnen und Bauern ihre Unabhängigkeit – und wir riskieren die Zukunftsfähigkeit unserer Landwirtschaft.“ Daher ist es wichtig Wissen zugänglich zu machen und das Bewusstsein für Herkunft und Qualität von Lebensmitteln frühzeitig in den Köpfen zu verankern. „Bildung und Bewusstsein sind die Grundlage für eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Wir müssen schon bei Kindern anfangen, den Respekt für Boden, Pflanze und Tier zu vermitteln.“ Ivić ergänzte: „Ernährungsbildung beginnt bei der Wertschätzung von Qualität und Herkunft. Nur so können wir bewusste Entscheidungen treffen.“ Paul Ivić wies darauf hin, dass außergewöhnlicher Geschmack nicht durch aufwendige Technik, sondern durch hochwertige Rohstoffe entsteht. Das entscheidende Kriterium ist, dass die Konsumenten bereit sind sich intensiv mit Lebensmitteln zu beschäftigen und zu lernen, wie man Qualität erkennen kann.
Demeter ist Verband und das Qualitätslabel für Produkte der biologisch-dynamischen Landwirtschaft, die großteils über die strengen Richtlinien der EU-Bio-Verordnung hinausgehen. Weltweit werden seit Jahrzehnten Bio-Lebensmittel, die in Einklang mit der Natur hergestellt und ein ganzheitlicher Ansatz in der Landwirtschaft verfolgt. In Österreich wirtschaften etwa 260 Höfe auf einer Fläche von rund 8.700 ha (davon rund 800 ha in Umstellung auf Demeter) nach Demeter-Richtlinien.
Versuch mit Karotten und Verkostung
Gastgeber Werner Michlits zeigte an einem Versuch mit Karotten wie groß die Unterschiede zwischen samenfesten Sorten und Hybriden in der Praxis sind: „Wir haben testweise eine Hybridkarotte hineingeschmuggelt – und sofort gesehen, wie anders sie wächst.“ Genetische Vielfalt ist die Voraussetzung für robuste Pflanzen, stabile Erträge und letztlich für Lebensmittelqualität. „Wenn wir die Vielfalt verlieren, dann verlieren wir auch unsere Nahrungsqualität“, so Frech-Emmelmann. Nach dem Gespräch wurden von den Gästen biodynamische Produkte aus dem Meinklang Hofladen verkostet. Der Weg zu einer nachhaltigen und gesunden Ernährung beginnt beim Samen und sich in lebendigen Böden, regional angepassten Sorten und verantwortungsvollem Wirtschaften fortsetzt. „Biodynamie steht für ein System, das Menschen, Pflanzen und Erde miteinander verbindet und langfristig Geschmack, Vielfalt und Sicherheit in der Ernährung gewährleistet. Jede Kaufentscheidung kann dazu beitragen, dieses System zu stärken und die Zukunft unserer Lebensmittel zu sichern“, so Demeter Österreich Obmann Andreas Höritzauer abschließend.
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