TierSchafDer Herr der genetischen Schatzkiste

Der Herr der genetischen Schatzkiste

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Robert Potyka mit einer Steirischen Scheckenziege auf dem Gelände der ÖNGENE in Thalheim bei Wels.
Quelle: Potyka

Lieber Herr Potyka, Sie leiten seit letztem Jahr die Nutztiergenbank in Thalheim bei Wels. Bitte stellen Sie Ihre Tätigkeit kurz vor.

Wir sind eine zugelassene Besamungsstation für die Tierarten Rind, Schwein, Ziege und Schaf. Als Abteilungsleiter bin ich gleichzeitig verantwortlicher Tierarzt und somit auch für die Seuchenhygiene und Überwachung zuständig. Ich koordiniere gemeinsam mit den Zuchtverbänden, welche Vatertiere zur Absamung kommen, same die Tiere ab und verarbeite die Ejakulate dann weiter.Da wir eine recht kleine Einheit mit wenigen Mitarbeitern sind, springe ich aber auch mal bei der Laborarbeit oder beim Stallausmisten ein.

Wie viele Mitarbeiter sind an diesem Institut beschäftigt?

Wir sind die Abteilung Tiergenetische Ressourcen und Bioagenden des Bioinstituts der HBLFA Raumberg-Gumpenstein. In unserer Abteilung haben wir viereinhalb Vollzeitstellen. Mit dem Tagesgeschäft der Genbank sind jedoch nur zweieinhalb Stellen befasst. Eine dieser Stellen ist derzeit leider nicht besetzt.

Welche Schaf- und Ziegenrassen werden hier betreut?

Grundsätzlich ist unsere Aufgabe die Erhaltung und Erforschung der Biodiversität der Nutztiere. Dabei legen wir den Fokus vor allem auf die seltenen Nutztierrassen, wie sie auch im ÖPUL gefördert werden. Bei den kleinen Wiederkäuern haben wir die Besonderheit, dass wir die einzige Besamungsstation in Österreich sind. Daher samen wir dort auch gelegentlich nicht bedrohte Leistungsrassen wie die Saanenziege ab. Mehr zum Thema seltene Ziegenrassen

Wo liegen die aktuellen Herausforderungen bei der Erhaltung gefährdeter Rassen?

Warum sind diese Rassen gefährdet? Dies liegt vor allem daran, dass sie in der Leistungsfähigkeit in Bezug auf Fleisch oder Milch mit den modernen Rassen oft nicht mithalten können. Daraus ist in der Vergangenheit sogar politischer Druck entstanden, diese Rassen auszurotten.

Heute wissen wir: Neben der landeskulturellen Bedeutung der alten Rassen stellen sie ein wertvolles genetisches Reservoir dar. Dennoch sind sie in den meisten Produktionssystemen weniger wirtschaftlich, wodurch vor allem Idealisten für die Erhaltung sorgen.

Werden diese Idealisten ausreichend unterstützt und gefördert?

Eine angepasste Förderung, wie sie im Rahmen des ÖPUL-Programmes erfolgt, ist dringend erforderlich, um die Nachteile teilweise zu kompensieren. Gleichzeitig werden die seltenen Rassen bei Gesetzen und Verordnungen oft nicht mitgedacht. Seuchenrechtliche Bestimmungen oder Vorschriften zur Tierhaltung passen nicht immer zu der besonderen Lage und den Eigenschaften der seltenen Rassen.

Hier gilt es, in der Politik und der Standesvertretung das entsprechende Bewusstsein zu schaffen. Auch der Altersdurchschnitt der Züchter spielt eine Rolle. Das ist zusammen mit der stark schrumpfenden Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe ein Faktor, der im Auge behalten werden muss. Mehr zu gefährdeten Nutztierrassen

Welche Rassen weisen einen guten Erhaltungszustand auf, welche sind noch stark gefährdet?

Österreich steht bei den Erhaltungsbemühungen gut da! Schon früh wurde ein Bewusstsein für die Bedeutung alter Rassen geschaffen, in den letzten 30 Jahren konnten die meisten seltenen Nutztierrassen stabilisiert werden, manche konnten deutliche Bestandszuwächse verzeichnen. Bei den kleinen Wiederkäuern sind vor allem die Pfauenziege und die Pinzgauer Strahlenziege sowie das Zackelschaf und das Alpine Steinschaf zahlenmäßig nur gering vertreten.

 

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