TierSchafDie letzte Schafalp Liechtensteins

Die letzte Schafalp Liechtensteins

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Die Alp Lawena/Gapfahl ist die einzige Schafalp Liechtensteins
Quelle: Liechtenstein Marketing/C. Staffelbach

Liechtenstein zählt zu den kleinsten unabhängigen Ländern der Welt. Die Landwirtschaft spielt im Fürstentum zwischen Österreich und der Schweiz eine wichtige Rolle, wird doch etwa ein Drittel der Landesfläche, rund 5.300 ha, landwirtschaftlich genutzt. Der Bio-Anteil ist mit 44,6 % der höchste der Welt, gefolgt von Österreich, dem Spitzenreiter in der Europäischen Union, mit 27,3 Prozent. Es werden insgesamt knapp 4.500 Schafe und 480 Ziegen in Liechtenstein gehalten.

Zucht an Schweiz angegliedert

Manche Schäfer aus Liechtenstein zählen zu den erfolgreichsten Züchtern der Schweiz, zumindest was die Auszeichnungen betrifft, die an interkantonalen Märkten vergeben werden. Dank der Zoll- und Währungsunion mit der Schweiz, wodurch der Schweizer Franken als offizielle Währung in Liechtenstein gilt, herrscht freier Tierverkehr in die Schweiz. Die beiden Schafzuchtgenossenschaften Liechtenstein Oberland (FLO) und Liechtenstein Unterland (FLU) sind beide dem kantonalen Schafzuchtverbands des benachbarten Schweizer Kantons St. Gallen angegliedert und auch mit dem Herdebuch des Schweizerischen Schafzuchtverbands (SSZV) verbunden. Allerdings sind derzeit nur 292 Schafe aus Liechtenstein im Herdebuch erfasst. Präsident der oberländischen Schafzuchtgenossenschaft (FLO) ist Reto Bühler aus Triesenberg. Er züchtet zusammen mit Ehefrau Cornelia Weisse Alpenschafe (WAS), sie halten auf ihrem Hedihof aber auch Mutterkühe und Legehennen. Die Bühlers setzen vollumfänglich auf Direktvermarktung und verkaufen auch ihr Lammfleisch ausschließlich an private Kunden über ihren Hofladen. Seit zwei Jahren wird Reto Bühler von dem Schafzüchter Marc Zimmermann unterstützt, mit dem er eine Züchtergemeinschaft gegründet hat. Ende Juni brachten die beiden ihre Schafe in das etwa 1.500 Meter über Meer gelegene Malbun, Liechtensteins höchstgelegenes, ganzjährig bewohntes Dorf. Malbun grenzt rundum an mehrere Alpen, die jedoch allesamt mit Milchkühen oder Mutterkühen bestoßen werden.

Ständige Behirtung für 180 Schafe

Schafalpen gibt es in Liechtenstein nur noch eine – die Alp Lawena/Gapfahl. Im Rahmen eines Herdenschutz-Projekts wurden die beiden Alpen, die über einen sehr steilen Grat unmittelbar aneinandergrenzen, letztes Jahr zusammengelegt, um für die insgesamt nur etwa 180 Schafe und Lämmer eine ständige Behirtung zu ermöglichen. Davor wurde auf beiden Alpen freier Weidegang praktiziert, was aufgrund der Wolfspräsenz nicht mehr möglich ist. Für so wenige Schafe einen Hirten einzustellen rechnet sich eigentlich nicht, gibt Alpvogt Beat Erne aus Triesen zu, der schon seit vielen Jahren seine eigenen WAS dort sömmert. Weil er verhindern will, dass die felsige und für Kühe weniger geeignete Alp aufgegeben wird, suchte er mit der Liechtensteiner Regierung nach einer pragmatischen Lösung. «Es musste innerhalb kürzester Zeit eine zum Wohnen ungeeignete Schutzhütte in eine Hirtenunterkunft mit einer bescheidenen Küche, einer Toilette und einer Solaranlage ausgebaut werden», erklärt Erne. Hinzu kommen jährlich rund 25.000 Franken, mit denen sich das Land Liechtenstein an den Hirtkosten beteiligt. Die bisherige Alp Gapfahl kann dadurch allerdings nur noch während etwa zwei Wochen bestoßen werden – insgesamt beträgt die Sömmerungszeit auf beiden Alpen etwa 100 Tage. Diesen Sommer konnte die Zahl der gesömmerten Schafe auf Lawena/Gapfahl auf etwa 300 angehoben werden. Auf den übrigen Liechtensteiner Alpen sind Schafe eher unerwünscht, weshalb die meisten Schäfer ihre Tiere in der Schweiz gesömmert haben. Auch Reto Bühler brachte seine Schafe jahrelang nach Graubünden auf die Alp. Inzwischen zieht er es aber vor, sie in seiner Nähe zu behalten. «Die Weidesaison beginnt dann auf jeweils 800 Meter, danach steigen wir auf Weiden auf etwa 1200 Meter, bis wir zuletzt nach Malbun kommen», erklärt Reto Bühler. Nach dem Hochsommer geht es stufenweise wieder runter. In Malbun kann Bühler mit seinen Schafen Flächen nutzen, die noch nicht zum Alpgebiet zählen, darunter etwa eine steil zu einem Bach abfallende Weide. Morgens und abends muss er nach den Schafen sehen, wobei er sich mit Marc Zimmermann abwechselt.

Mit Schäfervirus infiziert

Gar keine Alp hat Felix Mühlegg aus Ruggell. Auch er belegt mit seinen Braunköpfigen Fleischschafen (BFS) regelmäßig Spitzenplätze bei Ausstellungen. Weil seine Frau Patricia vier Jahre lang Überzeugungsarbeit leistete, halten die beiden seit wenigen Jahren auch Walliser Schwarznasenschafe (SN). Für Familie Mühlegg ist es mit täglichem Aufwand verbunden, nach den Schafen zu schauen, die auf verschiedene Weiden im Liechtensteiner Unterland verteilt sind. Weil er die Schafzucht ausschließlich als Hobby betreibt, und keinerlei Direktzahlungen oder Subventionen bekommt, arbeitet Felix Mühlegg tagsüber als LKW-Fahrer. Um seine Schafe kümmert er sich jeweils frühmorgens oder nach Feierabend. «Ab dem Herbst sehe ich meine Schafe leider nur noch dank einer Stirnlampe», erzählt Mühlegg. Etwa Anfang Dezember holt er sie daher in seinen Stall, der gegenwärtig noch im Ort Eschen steht. Diesen kann er noch bis zum nächsten Frühsommer nutzen – dann muss er raus, weil der Stall umgebaut werden soll. Er hat einen anderen Stall zur Miete in Aussicht, arbeitet allerdings auf das Ziel hin, auf seinem eigenen Grund und Boden in Ruggell einen neuen Stall zu bauen. Dass er kein gelernter Landwirt ist gereicht ihm da zum Nachteil. «Ich hätte gern der Beruf Landwirt erlernt, doch hat man mir vor über 30 Jahren davon abgeraten, weil meine Familie keinen eigenen Bauernhof besaß. Die Schafzucht aufzugeben, ist jedoch keine Option», betont Mühlegg. Zumal er heute auch von seiner Frau, unterstützt wird, die sich vom Schäfervirus infizieren ließ.

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