Schafe und ZiegenZiegeDie Stiefelgeiss — ein Schweizer Original

Die Stiefelgeiss — ein Schweizer Original

Der dreijährige Bock Domingo auf der Weide.
Quelle: Götz

Thomas Dörig ist von Beruf Briefträger und hält aus Freude an den Tieren zwölf Stiefelgeissen und einen Bock dieser alten Schweizer Rasse. Sie weiden an den teils steilen Hängen im appenzellischen Rehetobel. „Ich wollte keine Milchgeiß, aber doch eine rechte Geiß“, erzählt der Ziegenhalter.

Er beschreibt sie als eine lebhafte und wehrhafte Gebirgsziege, die im Verhalten Ähnlichkeiten mit dem Steinbock aufweist. Das Sarganserland in der Schweiz ist die Wiege der Stiefelgeiss, einer ursprünglichen Ziegenrasse, die nicht auf Leistung gezüchtet ist. Von Michael GÖTZ

Ziegen mit Mänteli und Hösli

Laut dem Stiefel Geissen Züchterverein Schweiz (SGS) weist die Stiefelgeiss die größte Farbvariabilität unter den Schweizer Ziegenrassen auf. Dies sei typisch für züchterisch wenig bearbeitete Rassen. Es gibt dunkle, helle und silbergraue Tiere.

Nasenrücken, Augenpartien, Ohren, Aalstrich, Bauch, Schwanzunterseite und Mittelfuß sind schwarz oder braun. Typisch für die Rasse sind die langen Grannenhaare. Sie bilden über dem Rücken das sogenannte „Mänteli“ und an den Hinterbeinen das „Hösli“.

Die langen Haare unterscheiden die Stiefelgeissen von anderen, ähnlich gefärbten Rassen. Bei besonders ausgeprägt langer Behaarung spricht man von Zottelgeissen, erklärt Dörig, der auch als Schauexperte tätig ist. Weiße Flecken sind Ausschlussgründe von der Zucht.

Je nach Farbe der Beine unterscheidet man zwischen den namensgebenden „Schwarzstiefel“ und „Braunstiefel“. Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Stiefelgeissen sind behornt. Böcke haben eine Widerristhöhe von 75 bis 85 cm und ein Gewicht von 60 bis 80 kg.

Geissen weisen eine Widerristhöhe von 67 bis 77 cm auf. Sie wiegen 35 bis 50 kg. Mehr zum Thema Schweizer Ziegenrassen lesen.

40 Jahre Erhaltungszucht

Die Stiefelgeiss stammt aus dem St. Galler Oberland oder Sarganserland, die Gegend zwischen Walensee und Taminatal, weshalb sie auch als Oberländer oder Sarganserländer Geiss bezeichnet wird. Im Jahre 1983 nahm sich ProSpecieRara der Erhaltungszucht der Stiefelgeiss an, es war eines der ersten Projekte der Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren. Die Zucht begann mit 27 weiblichen und sieben männlichen Stammtieren.

1993 wurde der SGS gegründet, der das Zuchtbuch führt und die Züchter bei den Anpaarungen berät, um Inzucht zu vermeiden. Obwohl der Herdebuchbestand heute etwa 700 Zuchttiere zählt, gehört die Stiefelgeiss nach über 40 Jahren gezielter Erhaltungszucht immer noch zu den gefährdeten Ziegenrassen. Die knapp 100 in der Schweiz verteilten Züchter halten die Stiefelgeiss nicht wegen der Milchleistung, die gemäß SGS bei etwa 1,5 kg je Tag liegt, sondern als Landschaftspfleger — oder so wie Dörig einfach aus Freude an der Rasse. Zwillingsgeburten kommen häufig vor, manchmal auch Drillinge.

 

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Was dieser Artikel noch bereit hält:

  • Stiefelgeiss: Farbvarianten und Fellmerkmale
  • Erhaltungszucht: Herkunft und Bestandsentwicklung
  • Haltung der Stiefelgeiss: temperamentvoll, rangordnungsstark

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