Die Vierhornziege ist eine Mutante der Hausziege und trägt vier Hörner statt zwei. Die Vierhornigkeit wird dominant und unabhängig von der Färbung vererbt und kann bei allen Ziegenrassen vorkommen. Bereits seit dem 17. Jahrhundert wird versucht, dieses charakteristische Merkmal mit gezielter Zucht zu erhalten. Schon im Barock waren Vierhornziegen eine Attraktion in den Menagerien der Aristokraten und auch Prinz Eugen züchtete sie in seinem Tiergarten. Heute erinnert eine Zucht im Meierhof des von Prinz Eugen erbauten Schlosses Hof an diese barocke Tradition. Obwohl die Vierhornziege nicht als eigene Rasse anerkannt ist, wird sie im Rahmen von Erhaltungs- und Genressourcen-Studien wie andere gefährdete Haustierrassen beobachtet. Anders als bei vielen Ziegenrassen, steht bei der Vierhornziege der Erhalt eines besonderen Aussehens im Vordergrund.
Große Vielfalt
Optisch zeichnet sich die Vierhornziege durch eine große Vielfalt aus und es existiert kein einheitlicher Standard – sowohl Fellfarben als auch Körperbau können sehr verschieden sein und es existiert auch eine Zwergform der Vierhornziegen. Die Zucht der Vierhornziege stützt sich in erster Linie auf ein konsequentes, generationsübergreifendes Selektionsprogramm, das das auffälligste Merkmal – die Vierhörnigkeit – in den Mittelpunkt stellt. Bereits ab der ersten Nachzuchtgeneration werden die Böcke selektiert und ausschließlich Tiere mit vier gleichmäßig ausgeprägten Hörnern in das Zuchtprogramm aufgenommen. Bei den weiblichen Tieren wird zwar ebenfalls Wert auf das Vorhandensein der Vierhörnigkeit gelegt, doch hier ist die Selektion nicht allzu streng, damit nicht zu viel an genetischer Vielfalt verloren geht. Seit einigen Jahren ist am Institut für biologische Landwirtschaft in Thalheim für Wels Samen von Vierhornböcken erhältlich und es werden Besamungskurse angeboten. Heute findet man die Vierhornziege noch in Restbeständen in ganz Österreich sowie auch in einigen Tierparks in Deutschland. In Österreich stand das Vorkommen der Vierhornziege bis vor kurzem vor seiner Auslöschung. 2009 gab es in Österreich nur noch 35 Zuchttiere. Die ARCHE Austria hat sich dieser Ziege angenommen und eine Rettungsaktion ins Leben gerufen. Der Bestand an rassetypischen Tieren wird in Österreich heute auf etwa 70–100 Tiere geschätzt, in Deutschland sind es etwas weniger. Da die Vierhornziege in keinem Zuchtverband anerkannt ist und viele Züchter und Halter keinem Zuchtverband angehören (Zootierhaltung), ist es schwierig, eine planmäßige Zucht aufzubauen. Mittlerweile beteiligen sich zwölf Züchter in Österreich an den Erhaltungsmaßnahmen. Am 24. August 2025 treffen sich die Züchter der Vierhornziege bei Michael Fellner in Mattsee. Anmeldungen und Informationen unter www.vierhornziegen.at.
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