Ende Oktober ist am Auslauf des Kuhstalls der Familie Oberhollenzer reger Betrieb. Die Holsteinkühe genießen die letzten warmen Sonnenstrahlen und strecken ihre Nasen in die Herbstluft. Dass der Hof heute ruhig und frei auf einer grünen Wiese liegt, ist keine Selbstverständlichkeit.
„Bis 2010 befand sich unser Hof mitten im Ort. Wir hielten 25 Kühe im Anbindestall – an Erweiterung oder Umbau an diesem Standort war nicht zu denken“, erinnert sich Betriebsleiter Meinhard Oberhollenzer. Eine sichere Zukunft für die nächste Generation? Damals undenkbar.

Raus aus dem Ortskern
Sechs Jahre dauerten die Gespräche über die Hofaussiedlung mit Gemeinde und Behörden. In Südtirol gilt ein strenges Raumordnungsgesetz, das Hofaussiedlungen oft erschwert. Erst als die Gemeinde die alte Fläche für den Ausbau des Friedhofs benötigte, kam Bewegung in die Sache.
„Dann ging es plötzlich ganz schnell“, schmunzelt Oberhollenzer. Heute blickt er zufrieden auf seine Tiere im Auslauf: vorwiegend Holsteins, dazwischen zwei Jerseykühe. „Wir melken derzeit 42 Kühe mit einer Jahresleistung von 10.200 kg Milch, 4,2 % Fett und 3,6 % Eiweiß. Die Zellzahl liegt bei rund 120.000“, berichtet er. Dass Holsteins wenig Inhaltsstoffe hätten, könne er bei seiner Herde nicht bestätigen – obwohl bei der Vererberauswahl Inhaltsstoffe gar nicht im Vordergrund stehen. Sohn und Hofnachfolger Felix ergänzt: „Uns sind Merkmale wie Euterqualität, Fundament und Beckenlage wichtiger. Bei der Milchmenge sollte der Bulle mindestens +400 Liter vererben.“ Ein Blick auf die Uhr: 15:30 Uhr – Zeit für den Stallgang am Pischelehof.
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