KommentarEditorial: Die Wertschöpfung am Hof halten

Editorial: Die Wertschöpfung am Hof halten

Erschienen in: LANDWIRT 05/2026

In der Rubrik „Mein Betrieb“ richten wir in der Ausgabe 5/2026 den Fokus auf die Direktvermarktung, die längst mehr ist als eine Ergänzung zum klassischen Absatzweg. Für viele landwirtschaftliche Betriebe ist sie ein tragendes Standbein – und angesichts schwankender Märkte oft der entscheidende Stabilitätsfaktor. Die Ausgangslage ist bekannt: Unter Druck stehende Erzeugerpreise erhöhen den Handlungsbedarf. Wer Rohmilch oder fertig gemästete Schweine ausschließlich an die Molkerei oder den Schlachthof liefert, bleibt Preisnehmer. Wer hingegen am Betrieb veredelt – Fleisch zerlegt, Wurst herstellt oder Käse produziert –, hält die Wertschöpfung am Hof.

Parallel dazu verändert sich das Konsumverhalten. Für immer mehr Verbraucher sind eine nachvollziehbare Herkunft, qualitativ hochwertige Lebensmittel und der unmittelbare Kontakt zum Erzeuger starke Kaufargumente. Diese Wünsche bedient der Direktvermarkter passgenau – und dafür sind die Konsumenten auch bereit, Geld auszugeben.

Für Jonas Notz, den Bio-Landwirt und Direktvermarkter unserer Titelgeschichte, hat dieses Vermarktungsmodell aber nicht nur wirtschaftliche Gründe. Der Milchviehhalter schätzt vor allem den direkten Kontakt und Austausch mit den Kunden. So gelingt es ihm, seine persönliche Idee von Landwirtschaft nach außen zu tragen.

Natürlich bleiben auch in der Direktvermarktung Herausforderungen: Investitionen, Hygieneauflagen, Dokumentation und Zeitaufwand sind nicht zu unterschätzen. Und für hohe Erlöse gibt es keine Garantie. Doch gerade in wirtschaftlich angespannten Phasen kann die Kombination aus Produktion, Veredelung und direktem Absatz ein belastbares Zukunftsmodell sein.

Ihre Reinhild Jäger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Warenkorb

Der Warenkorb ist leer.
Gesamt: 0,00