KommentarEin Cent mit großer Wirkung

Ein Cent mit großer Wirkung

Erschienen in: LANDWIRT 05/2026

Wenn wir eine Semmel im Supermarkt kaufen, so kostet diese im Schnitt 40 Cent. Durch die geplante Mehrwertsteuersenkung würde sie in Österreich etwa zwei Cent billiger werden.
Zwei Cent klingt nach wenig. Ist es auch.
Aber es ist immer noch das Doppelte von dem, was der Landwirt überhaupt vom Verkauf dieser Semmel erhält. Denn umgerechnet nur ein Cent ist der Wareneinsatzwert für das Getreide, geht man von einem Erzeugerpreis von zurzeit 180 Euro pro Tonne Mahlweizen aus. Zum Vergleich: 1980 waren es noch 220 Euro. Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse sind also in den letzten 45 Jahren gesunken statt gestiegen – die Preise für Betriebsmittel bekanntlich nicht.
Wenn man nun den Preis für eine Semmel nur um einen Cent teurer machen würde und diesen Cent direkt an den Landwirt weitergäbe, dann würde der Landwirt das Doppelte für sein Getreide erhalten. Ein Cent kann also doch noch Wunder bewirken.
Ein sehr anschauliches Beispiel dafür, wie wenig der Landwirt vom Verkaufspreis im Geschäft erhält. Im Umkehrschluss zeigt dies aber auch, wie wenig die Bevölkerung eigentlich aufwenden müsste, um den Landwirten faire Preise bezahlen zu können und die Selbstversorgung im eigenen Land zu sichern. Das spiegelt sich auch im Anteil des Lohns wider, den wir für Lebensmittel ausgeben. Trotz steigender Lebensmittelpreise bleibt dieser schon seit Jahren gleich.
Ein Cent mehr pro Semmel im Gegenzug für eine gut funktionierende Landwirtschaft fände ich mehr als fair.

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