Walter, du bist Jahrgang 1948. Wie bist du aufgewachsen? Wie war deine Kindheit?
Ja, das war eine schwierige Zeit damals. Mein Vater starb, als ich nicht einmal sechs Jahre alt war. Ich war immer schon sehr an der Landwirtschaft interessiert. Wir hatten selbst keinen großen Hof, aber ich habe als Kind viel Zeit in den Ställen der Nachbarn verbracht und im Sommer die Rinder auf der Alm gehütet. Die Alm hat mich immer fasziniert.
Wie wurde dein Interesse an der Schafzucht geweckt?
Einige Nachbarhöfe hielten Schafe. Ich war viel im Schafstall und habe auch gerne im Herbst geholfen, wenn die Schafe von der Alm heimkamen. Meine Frau stammt von einem Bauernhof in Haus im Ennstal. Ihr Vater züchtete Schafe und trieb diese im Sommer auf seine Alm am Hauser Kaibling. So bin ich zur Schafzucht und zum Hauser Kaibling gekommen.
Du hast deinen Schafstall damals gemeinsam mit dem Steirischen Schafzuchtverband gebaut. Wie kam es dazu?
Der Verband brauchte auch einen Verkaufsstall, hätte aber das Geld nicht gehabt, um ein passendes Grundstück dafür zu kaufen. Obwohl wir damals noch nicht so viel Grund hatten, habe ich einen Grund direkt neben der Landesstraße dafür zur Verfügung gestellt. So konnten auch im Winter die Schafe mit großen LKWs abgeholt werden. Gebaut haben wir den Stall gemeinsam mit den Ennstaler Schafbauern. Die Mitglieder vom Verein Ennstal Lamm haben Bauholz und Arbeitskraft zur Verfügung gestellt.
Du hast über Jahrzehnte die Schafzucht mit Veranstaltungen wie dem Ennstaler Schafbauerntag populär gemacht. Was war dein Antrieb?
Die Zucht war mir immer sehr wichtig und ich wollte die Schafhaltung über ihre Produkte bewerben. Beim Schafbauerntag gab es etwa ausschließlich Lammgerichte und Modeschauen für Kleidung aus Wolle. Der Höhepunkt war die Bundeswidderschau für alle Rassen 1996 mit Tausenden Besuchern.
Wie ist die Marke Ennstal Lamm entstanden?
Es gab damals viele Schafe, die Vermarktung von Lammfleisch war jedoch schwierig. Ich bin gelernter Tischler und kam als Möbelhändler viel herum. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurden viele Hotels in der Umgebung gebaut und ich erkundigte mich bei den Hoteliers nach ihrem Interesse an regionalem Lammfleisch. Die Aussage war: „Interesse besteht, aber das Fleisch muss jederzeit lieferbar sein.“
Da kam mir die Idee mit dem Verkaufsstall und ich startete die Kooperation mit dem nur drei Kilometer entfernten Schlachthof Tasch. Ich habe dann ein Kühlauto gekauft und das Lammfleisch auf Bauernmärkten, in Supermärkten und der Gastronomie vermarktet. Für mich war immer wichtig, dass der Preis für die Bauern passt. Die Auflagen und die Arbeit sind dann immer mehr geworden, sodass es einfacher wurde, lebende Schlachtlämmer statt das Fleisch zu verkaufen. Mehr zum Thema Lammfleisch vermarkten
Was aus der Marke Ennstal Lamm wurde und wie die erfolgreichen Veranstaltungen wie der „Ennstaler Schafbauerntag“ und das „Steirische Almlammfest“ aufgebaut wurden, erzählt Walter Schmiedhofer in der Mai/Juni-Ausgabe von Schafe & Ziegen aktuell. Hier gratis Probeheft oder Abo bestellen!
Veranstaltungstipp: Das diesjährige Steirische Almlammfest am Hauser Kaibling findet am 26. Juli statt!

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