BioEin Schelm, wer Böses denkt

Ein Schelm, wer Böses denkt

Es gibt Missstände auf dieser Welt, an die wir uns gewöhnt haben. Dass Europa Unmengen an gentechnisch verändertem Soja aus Südamerika importiert, ist ein solches Phänomen. Dass Österreich im Fußball so gut wie immer gegen Deutschland verliert, ist ein anderes. Konzentrieren wir uns aber auf die Sojaimporte, denn dieser Missstand ist einfacher zu lösen.

Stellen Sie sich vor, Europa würde einen Gutteil seines Eiweißbedarfs selbst produzieren. Nicht nur in Form von Sojabohnen, sondern auch mit Luzerne und Klee. Durch die Ausweitung der Futterleguminosen könnte sich die Eiweißlücke tatsächlich ein Stück weit schließen lassen – vorausgesetzt in den Regionen entwickeln sich Aufbereitungsanlagen, die aus dem Raufutter Eiweißpellets für die Schweine- und Geflügelfütterung machen. Mit diesen Pellets soll nämlich auch in der konventionellen Landwirtschaft mindestens die Hälfte des Sojaanteils in der Ration ersetzt werden können. Und das senkt nicht nur den Importbedarf von Soja. Wenn Klee- und Luzernefelder auch fix in den Fruchtfolgen konventioneller Betriebe zu finden sind, dann wirkt sich das auch auf die Biodiversität, den Umwelt- sowie auf den Klimaschutz aus. Die Böden fixieren CO2, der Pflanzenschutz- und Düngemitteleinsatz geht zurück und die Biodiversität steigt.

Damit das so kommt, braucht es allerdings den politischen Willen. Es braucht eine Anschubfinanzierung, um den Anbau von Luzerne und Kleegras gegenüber Getreide attraktiv zu gestalten. Erst wenn damit der gleiche Deckungsbeitrag erreichbar ist, werden Landwirte diese Möglichkeit nutzen.

Allerdings gibt es auch Verlierer – nämlich jene, die Pflanzenschutz- und Düngemittel verkaufen. Es ist kein Geheimnis, dass 10 % Luzerne in der Fruchtfolge den Dünge- und Pflanzenschutzmittelbedarf nicht gerade steigern würde. Offen bleibt die Frage, wie groß der Einfluss dieser Player auf die Agrarpolitik ist. Ein Schelm, wer Böses denkt.

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