Schafe und ZiegenSchafEin Sommer im Moor

Ein Sommer im Moor

Roman Freimuth mit zwei Heidschnucken-Widder im Schönramer Filz.
Quelle: Freimuth

Wir sind Anja und Roman Freimuth aus Petting in Oberbayern und züchten graue gehörnte Heidschnucken im Nebenerwerb. Die Herde umfasst etwa 30 Mutterschafe samt Nachzucht und fünf Zuchtböcke, die mittlerweile bis nach Österreich zur Zucht gefragt sind. Graue gehörnte Heidschnucken sind streng saisonal, was zum Vorteil hat, dass alle Tiere außerhalb der Deckzeit im Oktober und November in einer Herde laufen können.

Die Hauptaufgabe der eigentlich in der Lüneburger Heide in Norddeutschland beheimateten Rasse ist die Landschaftspflege. Heidschnucken zeichnen sich durch ihre Genügsamkeit und ihre extreme Wetterhärte aus. Ihr Fressverhalten ähnelt mehr Ziegen als Schafen.

Das Fleisch ist sehr fettarm, erinnert im Geschmack leicht an Wild und gilt als Delikatesse. Im Frühjahr 2025 wurden wir von der ANL (Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege) angesprochen, ob wir bereit wären, mit unseren Heidschnucken einen durch die ANL wissenschaftlich begleiteten Beweidungsversuch im benachbarten Schönramer Filz zu unternehmen. Mehr zum Thema Beweidung als Dienstleistung

Gefährdetes Naturparadies

Das Schönramer Filz ist eines der größten Hochmoore in Südostbayern, in dem bis 1998 Torf abgebaut wurde. Nach Aufgabe der wirtschaftlichen Nutzung hat sich dort ein Naturparadies entwickelt, bestehend aus einer einzigartigen Kombination aus Hochmoor, Heide und Naturwald. Die Flächen sind als kartographierte Biotope ausgewiesen und drohen zu verbuschen.

Darum müssen sie regelmäßig mit Kettensäge und Freischneider durch Mitarbeiter der bayerischen Staatsforsten geläutert werden. Unter der Leitung von Dr. Bettina Burkart-Aicher von der ANL wurden uns mehrere Untersuchungsflächen zugewiesen und vor der Beweidung in vier Teilflächen aufgeteilt. Anschließend wurden alle Jungbäume der Arten Fichte, Kiefer, Birke und Faulbaum erfasst.

Dabei erfolgte eine Klassifizierung in die drei Größenkategorien < 0,5 m, 0,5–1 m und > 1 m. Tagesanbruch bis zum Einsetzen der Dunkelheit. Die Nacht und die Mittagshitze verbrachten die knapp 90 Schafe im schattigen Pferch.

Hund, Pferch und Schäferwagen

Problematisch für uns war, dass wir die Flächen aufgrund der riesigen Heide- und Graspolster, die sich im Laufe der Jahrzehnte gebildet hatten, nicht koppeln konnten. Es blieb uns also nur die Möglichkeit, mit dem Hund zu hüten und für die Nächte einen provisorischen Nachtpferch zu errichten. Nachdem im Schönramer Filz immer wieder durchziehende Wölfe gesichtet werden, wollten wir kein Risiko eingehen und entschieden, unser Lager für die nächsten zwei Wochen dort aufzuschlagen und in unserem Schäferwagen zu nächtigen.

Gehütet wurde von Tagesanbruch bis zum Einsetzen der Dunkelheit. Die Schnucken machten ihrem Namen als Landschaftspfleger alle Ehre und fielen gleich zu Beginn wie erwartet über den Birkenaufwuchs her. Auch Faulbaum und aufkommende Weiden und Pappeln wurden gerne angenommen.

Bei den Fichten und Kiefern wurden die saftigen Spitzen gefressen und die Stämme von den Böcken zum Fegen benutzt. Beim Fegen mit den Hörnern hinterlassen die Böcke Duftmarken mit Sekreten aus Stirndrüsen und beschädigen dabei die Rinde der Bäume.

 

Viele Fotos und interessante Tabellen und Grafiken zum Verbiss der Pflanzen im Moor finden Sie in der neuen Ausgabe von Schafe & Ziegen aktuell. Hier gratis Probeheft oder Abo bestellen!

 

Was dieser Artikel noch bereit hält:

  • Beweidung im Hochmoor Schönramer Filz
  • Heidschnucken als Landschaftspfleger im Versuch
  • Verbissmuster, Auswertung und Pflegeempfehlungen

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