Die österreichischen und europäischen Bauern stehen unter massivem Druck: Sinkende Erzeugerpreise, steigender Wettbewerb und wachsende bürokratische Auflagen belasten die Betriebe. Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch das Handelsabkommen Mercosur. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig dazu: „Unsere Haltung zu Mercosur ist völlig klar. Wir haben uns bis zuletzt gegen das Handelsabkommen ausgesprochen, uns für Schutzmaßnahmen eingesetzt und unser Einsatz geht weiter. Wir haben weitere Forderungen gestellt, wie etwa die Waffengleichheit bei Pflanzenschutzmitteln für Importprodukte.“
2026 bezeichnet er als das Jahr der Weichenstellungen für die EU-Landwirtschaft. Jetzt werde entschieden, wie die nächste Gemeinsame Agrarpolitik aussieht und wie das EU-Budget gestaltet wird. „Ich kämpfe auf EU-Ebene für ein ausreichend dotiertes, zweckgebundenes Agrarbudget, für den Erhalt der ländlichen Entwicklung sowie für verlässliche Rahmenbedingungen und Stabilität für unsere bäuerlichen Familienbetriebe“, so der Landwirtschaftsminister.
Ein weiteres Anliegen ist Totschnig eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der gesamten EU. Denn Herkunftskennzeichnung sei kein Detail, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Umgelegt auf Österreich führt er aus: „Wir sind ein Qualitätsproduzent und stellen hochwertige Lebensmittel her. Wenn südamerikanische Ware mit österreichischen Qualitätsprodukten konkurriert, müssen Konsumenten auf einen Blick erkennen können, woher ein Produkt stammt und sich bewusst für österreichische Produkte entscheiden können.“
Schleuderpreise gefährden Existenz der landwirtschaftlichen Betriebe
Der Präsident des Österreichischen Bauernbundes, Georg Strasser warnt indes: „Wenn der Handel weiter auf Schleuderpreise setzt, sperren Betriebe zu und die Produktion wandert ab.“ Er nennt fünf Produktbereichen, in denen die österreichischen Bauern derzeit mit einem existenzgefährdeten Preisniveau kämpfen: Milch, Schweinefleisch, Getreide, Kartoffel und Zucker. „Beste heimische Lebensmittel gibt es nicht zum Nulltarif. Es geht um einen fairen Anteil der Bauern am Verkaufspreis. Wer täglich beste Qualität aus Österreich, kurze Wege und hohe Standards will, muss anerkennen, dass Lebensmittel einen Wert haben.“ Richtung Handel stellt er die Forderung, die Rabattschlachten bei Grundnahrungsmitteln zu beenden.
Bezüglich Mercosur ortet Strasser positive Signale aus dem heimischen Lebensmitteleinzelhandel, wonach trotz Handelsabkommen kein südamerikanisches Rindfleisch in die Regale kommen soll, relativiert aber gleichzeitig: „Es ist nicht Wurst, was in die Wurst kommt.“ Das heißt, auch bei verarbeiteten Produkten ist die Herkunft der Produkte wesentlich. Er macht sich ebenso wie Totschnig für eine „konsequente Herkunftskennzeichnung auf europäischer Ebene“ stark.
Mehr Wettbewerbsfairness bei Betriebsmitteln
LKÖ Präsident Josef Moosbrugger stellt klar: „So geht es nicht weiter. Die Bauern sollen immer mehr leisten und dafür immer weniger bekommen.“ Es brauche jetzt außerdem echte Vereinfachungen für die bäuerlichen Familienbetriebe, anstelle von immer mehr Bürokratie.
Wettbewerbsfähigkeit für die österreichische Landwirtschaft sei nur durch vergleichbare Standards bei Importprodukten möglich. Was die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft und Industrie betrifft, so könne diese aber nicht auf Kosten der Landwirtschaft geschaffen werden. Wenn etwa die europäischen Düngemittel-Hersteller geschützt werden, dürfe das nicht zu noch höheren Betriebsmittelkosten für die ohnehin unter den niedrigen Erzeugerpreisen leidenden Ackerbauern führen.
Auch die Wettbewerbsfairness innerhalb der EU ist Moosbrugger ein Anliegen, etwa was die Energie-, Treibstoff- und Lohn(neben)-Kosten für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe betrifft.
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