LandkalenderFreiwillig am Bauernhof mithelfen

Freiwillig am Bauernhof mithelfen

Während Romans Einsatz bei Susanne standen diverse Heu- und Stroherntearbeiten an.
Quelle: Privat

In der Obersteiermark bewirtschaftet die 44-Jährige Susanne einen Betrieb mit zwölf Milchkühen inklusive weiblicher Nachzucht, einigen Pferden, Schweinen, Hühnern und Katzen. „So wie man es von früher noch kennt, ein kleiner Betrieb mit vielen verschiedenen Tieren und ganz viel Liebe“, sagt sie lachend. Zu ihrem Betrieb gehören 21 ha Fläche, vorrangig Grünland, Wald und Acker. Seit etlichen Jahren bekommt die Landwirtin regelmäßig Besuch von Hendrik, einem Bekannten aus Deutschland. „Eigentlich war er es, der uns auf die Idee brachte. Hendrik hat immer gerne mitgeholfen und einmal zu uns gesagt, dass es eigentlich eine Marktlücke wäre, dass es niemanden gebe, der anbieten würde am Bauernhof mitzuarbeiten. Wir haben die Idee dann aber wieder verworfen“, erinnert sich die 44-Jährige. Sie ergänzt lachend: „Außerdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass es Leute gibt, die freiwillig im Urlaub arbeiten wollen.“

Roman half bei seinem Einsatz für „Freiwillig am Bauernhof“ auf Susannes Betrieb unter anderem bei diversen Holzarbeiten mit.
Quelle: Privat

Körperliche Fitness ist Voraussetzung

Susannes Schwester stieß im Internet zufällig über das Angebot des Maschinenrings „Freiwillig am Bauernhof“. Anfangs war sich die Landwirtin unsicher, ob sich dort überhaupt jemand melden würde. Dennoch entschied sie sich dazu, dem Ganzen eine Chance zu geben und sich anzumelden. Seit 2019 gibt es das Angebot in der Steiermark und in Vorarlberg. In Tirol ist eine Teilnahme seit 2015 möglich. Sabine Fritz, Zuständige für „Freiwillig am Bauernhof“ beim Maschinenring Steiermark, erklärt: „Unser Programm richtet sich an alle Betriebe, die ihr Wissen teilen möchten und offen für neue Lebensweisen sind. Den Freiwilligen muss ein eigenes Zimmer sowie die Verpflegung und ein familiäres Umfeld am Hof geboten werden.“ Teilnehmen können alle zwischen 18 und 75 Jahren mit einer Staatsbürgerschaft im Europäischen Wirtschaftsraum, aufrechter Krankenversicherung, ausreichend körperlicher und geistiger Fitness für die Arbeit am Hof sowie Interesse für die Landwirtschaft. All diese Voraussetzungen brachte auch der 33-Jährige Roman mit, der Susanne im Sommer 2024 für zehn Tage zur Seite stand.

Der Tagesablauf

„Durch Zufall kam Roman zu einer wirklich arbeitsreichen Zeit auf den Hof. Es stand die Heu- und Strohernte an“, erinnert sich die Steirerin. Jeden Tag um 6 Uhr gingen die beiden gemeinsam in den Stall und kümmerten sich ums Melken und die restlichen Tiere. Danach gab es ein gemeinsames Frühstück. Am Vormittag standen dann diverse Arbeiten, wie z. B. Holz spalten, Zäune herrichten usw. an. „Nach dem Mittagessen hatte Roman meistens etwas Zeit für sich, außer an den Tagen der Heu- und Strohernte. Oft gab es kleinere Holzarbeiten zu erledigen und am späteren Nachmittag ging es für längere Zeit in den Stall. Den Abend haben wir nach dem gemeinsamen Essen noch gemütlich ausklingen lassen“, schildert Susanne den Einsatz von Roman. Der 33-Jährige brachte bereits Vorerfahrung mit: „Ich komme ursprünglich von einem kleinen Bauernhof in der Weststeiermark. Die Arbeit mit den Kühen hat mir immer gefallen, aber jetzt als Priester bekomme ich davon nicht mehr so viel mit. Und so hat sich der Wunsch in mir geformt, nochmal in den Bauernhofalltag reinzuschnuppern.“ Als Einsatzzeitraum empfiehlt der Maschinenring zumindest eine Woche Aufenthalt, um die Bauernfamilien wirklich unterstützen zu können. Es sind aber auch längere Zeiträume von mehreren Wochen oder Monaten möglich.

Große Hilfe

Vier Freiwillige hatte Susanne nun schon zur Unterstützung auf ihrem Hof. „Vor dem ersten Mal war ich ziemlich aufgeregt. Ob die Wohnung passt, die ich hergerichtet habe, und natürlich auch ob die Leute dann eine Unterstützung oder doch eher eine Belastung sind“, denkt die Bäuerin zurück. Ihre Sorge war auch, dass sie den ganzen Tag auf die Leute aufpassen müsste, damit ihnen nichts passiert. Sabine Fritz beruhigt: „Im Normalfall kommt es bei den Einsätzen zu keinen Zwischenfällen, da Betriebsleiter und Freiwillige gewissenhaft agieren. Sollte es aber doch mal zu einem Unfall kommen, sind die Freiwilligen über den Verein „Freiwillig am Bauernhof“ unfallversichert. Bei Personen- oder Sachschaden während der Zeit am Hof ist sofort Kontakt mit „Freiwillig am Bauernhof“ aufzunehmen.“ Susannes Ängste bewahrheiteten sich nicht: „Mit allen Freiwilligen hat die Chemie von Anfang an gestimmt. Ich war aber auch generell überrascht, wie geschickt und hilfsbereit die Leute sind und wie gerne sie arbeiten. Was mich auch beeindruckt hat, war, dass sie obwohl sie den Alltag am Bauernhof nicht gewohnt sind, gut durchgehalten haben. Oft wollten sie nicht einmal Pausen machen.“ Wichtig findet die Bäuerin, dass die Freiwilligen wechselnde Arbeiten verrichten können. „Vor Roman hatte ich ein Ehepaar aus Wien und eine junge Frau aus Deutschland hier. Tatsächlich war es bei allen dreien so, dass sie mit der Zeit ihre Lieblingsaufgaben gefunden haben. Die Arbeit am Hof ist sehr vielseitig und so kann man für jeden etwas Passendes finden“, schildert sie ihre Erfahrungen.

Für jeden geeignet

„Ich finde es toll, dass es das Angebot „Freiwillig am Bauernhof“ gibt, weil so können Konsumenten das Leben am Bauernhof kennenlernen und hautnah erleben, wie Produkte entstehen. Außerdem kann es gerade zur Ernte eine große Hilfe sein“, findet die Landwirtin. Auch Roman hat von der Arbeit auf Susannes Betrieb viel mitgenommen: „Ich habe mich wieder in meine Kindheit zurückversetzt gefühlt. Außerdem gefällt mir die Landschaft in der Obersteiermark gut. Trotz der vielen Arbeit war der Aufenthalt richtig erholsam für mich.“ 2025 trafen sich die Landwirtin und ihr Helfer erneut, Roman könnte sich gut vorstellen auch in Zukunft nochmals bei Susanne mitzuarbeiten. Die Landwirtin appelliert: „Niemand braucht Hemmungen zu haben, wenn er oder sie sich noch nicht so gut auskennt oder beispielsweise noch nie eine Kuh gesehen hat, weil er bislang in der Stadt gelebt hat. Es gibt für jeden etwas zu tun. Für viele kann es auch ein tolles Erlebnis sein, beispielsweise Kälber zu füttern. Jede Unterstützung bei egal welcher Arbeit, ist eine Hilfe“.

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