Jonas EDEGGER: In ihren Glanzzeiten waren die Stoakogler über 200 Mal im Jahr auf der Bühne. Wie schafft man es, neben so vielen Auftritten trotzdem einen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen?
Fritz WILLINGSHOFER: Wir sind in diese Rolle hineingewachsen. Als junge Buben haben wir mit ein paar Auftritten im Jahr begonnen. Daheim halfen wir am Betrieb mit. Stück für Stück haben sich die Auftritte und auch die Aufgaben in der Landwirtschaft gesteigert. Oft hatten wir eine Stunde vor unserem Auftritt noch die Stallkleidung an. Und auch nach der Spielerei hatten wir nur wenig Zeit, um mit den Fans zu reden oder noch etwas zu trinken. Es hieß heimzufahren und wieder an die Arbeit zu gehen. Ohne eiserne Disziplin wäre die Landwirtschaft neben der Musik nicht möglich gewesen.
Wie wichtig ist dabei die Familie?
Der Rückhalt unserer Familie und besonders unserer Ehefrauen machte es erst möglich, so oft unterwegs zu sein. Wenn wir weg waren, schmissen unsere Frauen den Betrieb. Wir achteten aber darauf, dass unsere Frauen die harten Arbeiten, wie zum Beispiel die Futterernte, nicht allein erledigen mussten. Hin und wieder wurden wir natürlich belächelt, wenn wir arbeiteten und andere Betriebe Wetterschicht genossen haben. Das war oft sehr anstrengend, und ich glaube, dass uns das nur wenige nachgemacht hätten.
Hatte das zweite Standbein Musik neben der Landwirtschaft auch Vorteile?
Ja, auf jeden Fall! Dadurch, dass wir viel herumkamen, konnten wir uns für unsere Betriebe viele Ideen abschauen. Erst durch einen Auftritt in der Obersteiermark kam ich auf die Idee, auf Schafhaltung umzustellen. Auch die Investitionen in neue Maschinen oder den Stall konnten wir durch den Zuverdienst aus der Musik leichter stemmen.
Konntet ihr, außer Ideen für den Betrieb, weitere Dinge aufschnappen?
Wir kommen aus Gasen. Das ist ein kleines Bergdorf. Zur damaligen Zeit hatte dort noch niemand ein Telefon, geschweige denn einen Fernseher. Wenn man uns in den ersten Jahren buchen wollte, musste man zu einem unserer Gasthäuser kommen und eine Nachricht hinterlassen. Einmal in der Woche rief ich die Leute dann zurück. Durch die Musik kamen wir viel herum und konnten Dinge in Erfahrung bringen, die vielen anderen Menschen vom Land verborgen blieben. Beispielsweise hatten wir die Möglichkeit mit einem Auto mit Automatikschaltung zu fahren. Für Leute aus unserem Dorf war das ein Fremdwort. Durch unsere zahlreichen Auftritte haben wir zudem unsere Reiselust entdeckt. Wir sind noch heute gerne mit unseren Familien unterwegs und haben mit unseren Frauen verschiedenste Länder bereist.
Als Stoakogler steht ihr nun nicht mehr auf der Bühne. Was macht ihr Stoanis heute?
Auch wenn wir jetzt in Pension sind, helfen wir natürlich immer noch gerne am Betrieb mit. Der Musik halten wir ebenfalls die Treue und spielen noch einige Male im Jahr im Stoanihaus in unserer Heimatgemeinde Gasen. Wir widmen uns aber auch neuen Hobbys. Wir gehen gerne Kegeln und spielen Karten. Ich habe zudem das Drechseln für mich entdeckt.
Konntet ihr eure Freude an der Landwirtschaft und der Musik euren Kindern weitergeben?
Beides ist uns gelungen. Wir haben unsere Betriebe allesamt schon vor etlichen Jahren an unsere Kinder übergeben, die sie mit Freude weiterführen. Auch die Musik lebt in unseren Kindern weiter. Harald, der Sohn von Reinhold, spielt bei der Gruppe „Die Hafendorfer“ und meine Tochter Irmgard leitet die Musikschule im Stoanihaus.
Zur Person
Fritz Willingshofer ist 76 Jahre alt und stammt aus Gasen. Er war über 40 Jahre lang Leiter der Stoakogler, die aus den drei Willingshoferbrüdern Fritz, Hans und Reinhold bestanden.





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