Exaktstriegel, Konstantdruckstriegel, Präzisionsstriegel… eine einheitliche Bezeichnung haben sie nicht. Doch sie haben eines gemeinsam: Die Zinken selbst sind nicht gefedert (z.B. über Federwindungen), wobei sie natürlich dennoch aus Federstahl gefertigt sind. Stattdessen sind die Zinken drehbar gelagert und über ein separates System indirekt gefedert. Die technische Umsetzung ist hier recht unterschiedlich: Spannseile mit Federn, Doppelrahmen mit Federpaketen und sogar Pneumatikzylinder sorgen für die Federung und für einen (laut den Herstellern) konstanten Druck über den gesamten Federweg.
Diese indirekte Federung und der weitgehend konstante Druck bieten eine Reihe von Vorteilen: Der Zinkendruck ist in der Theorie immer gleich, egal ob in Dammkulturen oder bei Bodenunebenheiten. Weil sich diese Striegel exakter als herkömmliche Hackstriegel einstellen lassen, sind sie auch in sehr heiklen Wachstumsstadien einsetzbar, wie etwa dem Blindstriegeln kurz vor dem Auflaufen der Kulturpflanzen. So gibt es fast kein Zeitfenster mehr, in dem man nicht striegeln kann – der Vorsprung für die Beikräuter schrumpft. Überdies sind Exaktstriegel schonender zu den Kulturpflanzen, wodurch sie auch in sensiblen Kulturen wie Zuckerrüben, Kürbis, Feldgemüse, Kräutern und Gewürzpflanzen etc. gut einsetzbar sind.
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Die Testkandidaten
Bis vor wenigen Jahren gab es nur einen Hersteller dieser Spezialstriegel, mittlerweile sind einige weitere dazugekommen. Die meisten stammen aus Österreich, einige auch aus Deutschland oder Frankreich. Das nunmehr größere Angebot war für uns ein Grund, einen groß angelegten Vergleichstest durchzuführen. Diese Testkandidaten stellten sich unserem Test:
APV Variostriegel VS 1200 M1

Einböck Aerostar-Fusion 1200

Hatzenbichler Air-Flow

Horsch Cura 9 / 12 ST

Treffler TS 1220 M3

Ihre technischen Daten sowie die Listenpreise finden Sie in der Tabelle 1. Angefragt haben wir außerdem bei den Herstellern Agrifarm, Fliegl und Pöttinger, die ebenfalls Striegel mit indirekt gefederten Zinken im Programm haben. Nicht für eine Teilnahme am Test durchringen konnten sich Agrifarm mit dem Bio Profi und Fliegl mit dem STR (der zudem bisher nur in 3 und 6 m Breite erhältlich ist). Pöttinger hatte seinen Striegel namens Tinecare noch nicht ganz marktreif. Zudem haben die drei französischen Hersteller Carré, Suire und Agronomic ebenfalls Striegel mit indirekt gefederten Zinken im Programm. Übrigens arbeitet auch Lemken (und weitere Hersteller) bereits an einem eigenen Präzisionsstriegel, dessen Prototyp wir auf der Fachmesse Sima in Paris entdeckt haben.

Zurück zu uns: Die Testmaschinen wählten wir aus der 12-m-Klasse, weil viele Bio-Ackerbaubetriebe mittlerweile in der Fläche gewachsen sind und weil sich der optimale Zeitpunkt zum Striegeln oftmals nur über wenige Tage erstreckt. Wenn es dann nur in langsamer Fahrgeschwindigkeit voran geht (etwa wenn die Kulturpflanze aus der Erde stößt), dann ist eine ausreichende Schlagkraft nur mehr über die Arbeitsbreite möglich. Natürlich lassen sich viele unserer Eindrücke auch auf die kleineren Modelle der einzelnen Hersteller übertragen.
Herkömmliche Hackstriegel haben jedoch weiterhin ihre Berechtigung. Wer hauptsächlich Getreide und wenig anspruchsvolle Drillkulturen striegelt, ist damit gut bedient. Zumal Präzisionsstriegel oft doppelt so viel wie ihre „normalen Striegelkollegen“ kosten. Allen Striegel-Bauarten gemein ist, dass ihre Wirkung hauptsächlich im Verschütten von Unkräutern in kleinen Wachstumsstadien besteht, teilweise auch im Ausreißen. Sie arbeiten ganzflächig und reihenunabhängig, können also auch in Reihenkulturen arbeiten. Alle Testkandidaten lassen sich übrigens ab Werk mit pneumatischen Sägeräten ausrüsten. Getestet haben wir diese allerdings nicht.

So haben wir getestet
Alle Hersteller von Exaktstriegeln bewerben ihre Geräte damit, dass der Zinkendruck über den gesamten Federweg gleich bleibt und die Zinken sehr spurtreu sind, also kaum zur Seite ausweichen können (was eine Voraussetzung für eine ganzflächige Arbeit ist). Beides und einige weitere Parameter haben wir zusammen mit den Messtechnikern der BLT Wieselburg auf dem Prüfstand kontrolliert. Die ausführlichen Ergebnisse dazu finden Sie im Internet unter www.landwirt-media.com sowie schon bald in der LANDWIRT bio Ausgabe 2/2023.
Unseren Vergleichstest haben wir in der kompletten Striegel-Saison 2022 im Raum Oberwart (Südburgenland) durchgeführt. Gerhard Bruckner und Josef Jugovits, zwei langjährige und entsprechend erfahrene Bio-Ackerbauern, haben die fünf Testkandidaten für uns auf Herz und Nieren getestet: Vom Getreidestriegeln im April über das heikle Blindstriegeln von Soja (mit 45, 50 und 70 cm Reihenabstand) und Kürbis bis zum Reihenschluss von Mais (75 cm) und Soja im Juni. In Dammkulturen haben wir die Striegel bis auf wenige Überfahrten in Kartoffeln übrigens nicht eingesetzt. Unter anderem weil wir den Aspekt, wie seitenstabil die Zinken sind, von der BLT Wieselburg untersuchen ließen. Unsere in der Praxis gesammelten Eindrücke sind dennoch auch für Einsätze in Dammkulturen relevant. Außerdem mag zwar der Druck auf der Dammkrone und in der Sohle gleich sein, nicht aber die Neigung des Zinkens.

Als Traktoren standen uns jene der beiden Tester zur Verfügung. Spannend war natürlich die Frage, ob ein üblicher Pflegetraktor, also ein leichter Vierzylinder (in unserem Fall ein Massey Ferguson 5450 mit 105 PS), mit allen Testkandidaten fertig wird – vor allem, was die maximale Hinterachslast bzw. die Entlastung der Vorderachse (sprich, den nötigen Frontballast) betrifft. Denn manche der Testkandidaten sind wahrlich keine Leichtgewichte mehr.
Im praktischen Teil dieses Vergleichstests ging es uns darüber hinaus vor allem um die Beurteilung der einzelnen Baugruppen sowie um die Handhabung auf der Straße und am Feld. Zwar wollten wir auch den Grad des Bekämpfungserfolges beurteilen – also welcher Striegel am meisten Unkräuter „packt“ oder am besten. Dafür müsste jedoch ein sehr großer Acker mit absolut homogenem Boden und gleichmäßig verteiltem Unkrautsamenvorrat vorliegen – völlig unmöglich in der Realität. Es lässt sich unter Praxisbedingungen einfach nicht seriös beantworten, ob dieser oder jener Striegel mehr Unkraut bekämpfen kann, weshalb wir diese Idee wieder verworfen haben. Dennoch gibt es bei den einzelnen Fabrikaten viele Details, in denen sie sich unterscheiden und die über einen erfolgreichen Einsatz entscheiden können.

Erfolg beim Striegeln: Alles oder nichts
Abgesehen von der Farbe des Geräts: Einen ebenso großen Einfluss auf den Erfolg beim Striegeln haben ein ebenes Saatbett, eine ausreichend tiefe Saatgutablage bzw. gut verwurzelte Kulturpflanzen, ein zeitgerechter Einsatz, ein ausreichend trockener und schüttfähiger Boden sowie idealerweise ein gewisser Wachstumsvorsprung der Kulturpflanzen gegenüber den Unkräutern. Wenn gleich mehrere dieser Parameter nicht passen, kann dies selbst das beste Gerät nicht oder nur schwer ausgleichen.
Umgekehrt ist eine zentrale Erkenntnis aus unserem Vergleichstest: Wer mit einem Konstantdruckstriegel mehrere Durchgänge unter günstigen Bedingungen erledigt, kommt sogar in Reihenkulturen teilweise mit nur einem abschließenden Hackdurchgang vor dem Reihenschluss (samt Fingerhacke oder Anhäufeln) aus. In Tabelle 2 haben wir die Bewertungen unseres Testteams zusammengefasst.

Alle Beiträge dieses Striegel-Vergleichstests:
- Fünf Exaktstriegel im LANDWIRT-Vergleichstest: Technische Daten, Bewertungen, So haben wir getestet, uvm.
- Darauf kommt es bei einem Exaktstriegel an
- APV Variostriegel VS 1200 M1
- Einböck Aerostar-Fusion 1200
- Hatzenbichler Air-Flow
- Horsch Cura 12 ST
- Treffler TS 1220 M3
- Die Fünf Exaktstriegel am Prüfstand
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