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Ganzpflanzensilage statt Silomais

Erschienen in: LANDWIRT BIO 05/2017

„Zu oft in den letzten Jahren mussten wir bei Mais vorzeitig die Handbremse ziehen, weil schlechter Aufgang, Saatenfliege, Verunkrautung, Krähenfraß und Erosion den Beständen stark zugesetzt hatten“, weiß der langjährige BioBauer über die Risiken von Bio-Mais zu berichten. Nach vielen Jahren des Probierens schwenkte Martin Sageder um und baut seitdem ein Gemenge aus Winter-Triticale und Winter-Erbsen für die Ganzpflanzen-Silageproduktion (GPS) an. Daraus ergeben sich für ihn viele Vorteile und außerdem ein Futterertrag je Hektar, der den Trockenmasse-Ertrag von durchschnittlichem Silomais leicht erreicht und den Eiweißertrag sogar bei Weitem übertrifft. Darüber hinaus entsteht aus dem Getreide-Erbsen-GPS-Bestand kein Pflegeaufwand und ein sehr geringes Witterungsoder Erosionsrisiko. Nach der Ernte dieses Gemenges steht sogar noch die halbe Vegetationsperiode zur Verfügung, um weiter Futteranbau oder Bodenaufbau zu betreiben. Das Gemenge stellt für den Bio-Bauern auch einen tollen Futterpuffer dar. Braucht er mehr Grundfutter, wird alles als GPS geerntet, braucht er weniger, bleibt der Rest zum Drusch stehen.

Mischkultur als Basis

Die Körnermischung setzt sich in der Regel (je nach Stickstoff-Niveau des Bodens) aus je ca. 50 Gew.-% Erbsen und Triticale zusammen die somit ein perfektes Milchvieh-Ergänzungsfutter mit ca. 17–23 % XP direkt aus dem Mähdrescher ergibt. Das Saatgut für das Erbsen-Getreide-Gemenge setzt sich aus ca. 5–15 kg Erbsen und ca. 120 kg Triticale zusammen. Für GPS wären höhere Erbsenanteile auch passend, für die eventuelle Druschnutzung zieht aber ein zu hoher Erbsenanteil (aber auch höhere Triticale-Saatmengen) den gesamten Bestand zu Boden. Das bewirkt eine stärkere Spätverunkrautung und eine schwierigere Ernte. Der Mähdrescher sollte für eine verlustarme Ernte grundsätzlich mit einem Raps-Seitenschneidwerk ausgestattet sein. Insgesamt hinterlässt dieses Gemenge einen reinen Acker und stellt an sich wieder eine sehr gute Vorfrucht für alle erdenklichen Nachfrüchte wie Roggen, Dinkel, Wintergerste oder auch reine Triticale dar. Martin Sageder ist mit seinem anfangs als Versuch begonnenen Konzept des Erbsen-Triticale-GPS äußerst zufrieden. Es bildet für ihn eine viel kalkulierbarere Futtermenge als dies mit Silomais möglich war. Ganz nebenbei schont er den Boden und hat eine breite Möglichkeit für Nachfrüchte. Es passt auch in sein Konzept, möglichst viel Milch aus Grundfutter zu ermelken. Wichtig für eine gute Silagequalität ist ein Feldhäcksler mit Direktschneidvorsatz und ein perfekt eingestellter Korn-Cracker. Insgesamt ist die GPS-Idee Teil einer gesamten betrieblichen Strategie und eine von vielen Überlegungen von Martin Sageder. Die Leguminosenund Grünlandleistungsfähigkeit versucht er mit Kalk und schnell verfügbaren Schwefelgaben zum ersten Schnitt im Frühjahr zu optimieren. Er setzt das Konzept „abgestufter Wiesenbau“ um, dabei sind XP-Gehalte von 20 Prozent in der Silage von intensiv genutzten Wiesen möglich. Der Einsatz von Weide und Grünfutter trägt ebenfalls zur möglichst hohen und verlustfreien Eiweißproduktion von den eigenen Futterflächen bei. Dadurch reduziert Martin Sageder den Futterzukauf beachtlich.

Manuel BÖHM

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