BioBio-RindGegen Hitzestress: (K)Ein Platz in der Sonne

Gegen Hitzestress: (K)Ein Platz in der Sonne

Der Stall der Familie Stich mit ausgestatter Lichtfrist.
Familie Stich beugt dem Hitzestress mit ihrer eigenen Idee vor.
Quelle: Christoph Jorda (6), Andreas Steinwidder (1), Marzell Buffler (1)

Hedwig Stich steht am Fressgitter ihres Milchviehstalls und kneift die Augen zusammen. Sie legt die flache Hand über ihre Augen. Ihren Mann Uli am anderen Ende des Futtertisches erahnt sie mehr, als dass sie ihn wirklich sieht. Zu sehr prallt die Mittagssonne durch den Lichtfirst und blendet die Bio-Bäuerin. „Bist du soweit?“, hört sie die Stimme von Uli aus dem Nichts rufen. „Ja“, ruft sie zurück und greift nach der Handwinde, die in etwa zwei Meter Höhe an der Giebelwand befestigt ist. Hedwig bemerkt ein leichtes Rucken und fängt an der Kurbel zu drehen an. Lautlos setzen sich die beiden dünnen Drahtseile in Bewegung, die zu zwei Umlenkrollen unters Dach ziehen. Von dort führen sie bis ans andere Ende des 50 Meter langen Stalls. Während Hedwig kurbelt, werden die großen sonnenbeschienenen Felder auf dem Futtertisch immer kleiner. Nach fünf Minuten sind sie ganz verschwunden. Die 75 Fleckviehkühe haben es im 2017 gebauten Offenstall jetzt immer noch hell – aber das unangenehm blendende Licht und die Hitze sind weg.

Familie Stich
Ulrich (44) betreibt zusammen mit seinem Vater einen Bio-Milchviehbetrieb in Oberostendorf (Ostallgäu). Unterstützt wird er von seiner Frau Hedwig (39) und den Töchtern Johanna (9), Klara (7) und Kathi (3).
Quelle: Christoph Jorda (6), Andreas Steinwidder (1), Marzell Buffler (1)

Unbeliebte Sonnenplätze

Nun sieht man auch den 44-jährigen Milchbauern Ulrich Stich den Futtertisch entlangkommen. Er stellt sich neben seine Frau und erklärt das Problem: „Wir haben den zwei Meter breiten Lichtfirst über die gesamte Stalllänge. Im Winter bringt er viel Licht. Aber im Sommer brennt die Sonne richtig herunter.“ Uli schreitet den Futtertisch einmal quer ab und stellt mit seinen Händen den Weg des Sonnenstandes nach: „Der Lichtstreifen beginnt morgens am Fressgitter des Jungviehs. Über den Tag wandert er dann über den Futtertisch zu den Milchkühen und endet bei deren Liegeboxen. Die Sonne strahlt den Tieren also entweder beim Fressen oder beim Liegen direkt auf Kopf und Rücken.“ Der Landwirt hat letzten Sommer die Temperatur eines solchen Sonnenplätzchens am Betonboden gemessen. „Es waren 42 °C bei einer Lufttemperatur von gerade einmal 26 °C. Für das Futter ist das ja auch nicht besonders gut.“ Eine Lösung musste her. „Ich habe mich mit der Stallbaufirma schon einmal über getönte Scheiben unterhalten. Aber im Winter will man es ja hell. Außerdem klappt unser HIWI First zur Entlüftung in der Mitte ganz auf. Dann strahlt die Sonne zwischen den Scheiben herein. Dafür wollte ich kein Geld ausgeben.“ Eine andere Möglichkeit, um den Lichtfirst zu beschatten, gab es nirgends zu kaufen. Für Uli Stich nicht ganz nachvollziehbar: „ Wir sind ja sicher nicht die einzigen, die das Problem haben. Das wundert mich schon, dass da die Stallbauer noch keine Lösung gefunden haben.“ So musste sich der findige Allgäuer selber etwas einfallen lassen. Die zündende Idee kam, als er in einer Gärtnerei eingekauft hat. Dort waren die Gewächshäuser innen mit Beschattungsbahnen abgehängt, die man nach Bedarf öffnet und schließt. So etwas könnte doch auch im Stall funktionieren.

Was dieser Artikel noch bereithält:

  • So ist die Beschattungsmöglichkeit von Familie Stich entstanden
  • Wie die Anlage funktioniert
  • Wie zufrieden die Familie Stich mit der Anlage ist
  • Küh(l)e an heißen Tagen