Am Dienstag, den 14. April 2026 fand am Loisnhof eine Pressekonferenz zum Projekt „Wo Vielfalt wächst – Biodiversität im Grünland“ statt. Mit dabei waren die Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger, Florian Thurnbauer vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, Anton Dippold Geschäftsführer der Bayerische Staatsgüter, Annette Freibauer LfL-Vizepräsidentin, Johann Gaisberger Direktor der Bioschule Schlägl und Christian Stöbich Landwirt, Molkerei- und Käsereimeister. Etwa ein Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Bayern ist Grünland. In Oberösterreich sind es sogar fast 43 %. Jahrhundertelange Nutzung durch Weide und Mahd hat zu artenreichen Grünlandbeständen geführt. Ohne Mensch und Wiederkäuer wären viele dieser Flächen heute wieder zu Wald geworden. Für die Grünlandbewirtschafter wird der zunehmende Engerlingbefall immer mehr zur Herausforderung. Mai- und Junikäferlarven schädigen die Grasnarbe massiv, reduzieren die Erträge und gefährden vor allem die Futterversorgung der Betriebe. Vor allem trockene Jahre zeigen, das betroffene Flächen großflächig ausfallen können.

So war auch 2025 in Teilen Oberösterreichs deutlich, dass die Thematik der Engerlinge im Grünland weiterhin nicht ausgestanden ist. In manchen Regionen folgten massive Fraßschäden bis hin zum Totalverlust der Grasnarbe. „Grünland erfüllt wichtige Funktionen im Bereich Ernährungssicherung über den Wiederkäuer, beim Schutz der Umwelt im Bereich Boden und Gewässer und beim Erhalt der Biodiversität für Flora und Fauna. Deshalb ist dieses Interreg Projekt von Österreich und Bayern für Landwirtschaft und Gesellschaft so wichtig“, so Anton Dippold Geschäftsführer der Bayerischen Staatsgüter.
Projektvorstellung
Das Interreg-Projekt „Biodiversität im Grünland“ findet in der Grenzregion Bayerischer Wald – Mühlviertel statt, da sich beide Gebiete klimatisch ähneln und das Grünland in der Region dominierend ist. Als Existenzgrundlage für rinderhaltende Betriebe, war das Grünland in den vergangenen Jahren einer intensiven Nutzung sowie einem erhöhten Schädlingsdruck durch Engerlinge ausgesetzt. Dies führte zu einem Verlust der Biodiversität, da um Larven zu bekämpfen Grünland umgebrochen und neu angesät wird. Gemeinsam mit Projektpartnern und landwirtschaftlichen Betrieben möchte das Interreg-Projekt neue Wege aufgezeigen, um artenreiche Bestände langfristig zu erhalten. Dafür werden die Grünlanderträge und Biodiversität erhoben und Maßnahmen in der Bekämpfung des Engerlings getestet.
Gemeinsam stärker
Durch den Austausch mit Partnern sollen neue Lösungsansätze, wissenschaftliche Begleitung und praxisnahe Innovationen möglich sein. Insbesondere bei Biodiversität, Klimaanpassung und nachhaltiger Bewirtschaftung profitieren Betriebe von gemeinsam erarbeiteten Strategien. Es entstehen Lösungen, die nicht nur regional verankert sind, sondern auch europäische Perspektiven berücksichtigen. Das Land Oberösterreich unterstützt dieses Projekt mit rund 60.000 Euro. „Unsere Landwirtschaft profitiert enorm von Interreg-Projekten. Der Blick über die Grenze stärkt Innovation, fördert Wissenstransfer und hilft unseren Betrieben, Herausforderungen wie Klimawandel oder Schädlingsdruck gemeinsam zu bewältigen. Das ist gelebte Zusammenarbeit für einen starken ländlichen Raum“, so Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger. „Es freut mich nicht nur, dass zum Grünland geforscht wird, sondern dass wir dies gemeinsam mit unseren österreichischen Nachbarn tun. Ich bin überzeugt, dass wir mit dem Interreg-Projekt „Biodiversität im Grünland“ einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass Grünland-Betriebe generell und insbesondere die Betriebe im Bayerischen Wald und im Mühlviertel zukunftsfähig aufgestellt sind“, erklärte Florian Thurnbauer aus dem Referat für Pflanzenbau im Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Ernährung.

Ökologie und Ökonomie miteinander verknüpfen
Ein selbstfahrender Feldhäcksler mit Ertragserfassungssystem zeigt eine präzise Erfassung der Trockenmasseerträge inklusive detaillierter Ertragskarten. Erträge werden mithilfe von Satellitendaten und Wachstumsprognosemodellen geschätzt. Im Projekt wurden diese Methoden in Zusammenarbeit mit der HBLFA Raumberg-Gumpenstein erprobt. Schlagspezifische bis teilflächenspezifische Analysen sind durch industrielle Lösungen möglich. Wer gezielt ertragsschwächere Flächen für biodiversitätsfördernde Maßnahmen auswählen kann ist im Vorteil. Kombiniert mit weiteren Daten, etwa zur Bodenbeschaffenheit oder Narbendichte, können aus den Ertragsdaten passende Managementempfehlungen für die Bestandsoptimierung und das Nutzungsregime abgeleitet werden. Langer-Weninger betont: „Das Ziel ist die Vereinbarkeit von ökologischer und ökonomischer Wirtschaftsweise. Die Bewirtschaftung sollen dadurch nicht beeinträchtigt, sondern optimiert werden.“ Für Landesrätin Langer-Weninger steht fest: „Biodiversität ist kein Luxus, sondern Zukunftsstrategie für den ländlichen Raum. Eine artenreiche Wiese stärkt Bodenfruchtbarkeit, erhöht die Resilienz gegenüber Klimaveränderungen und sichert langfristig Erträge. Wer Vielfalt stärkt, stärkt die Widerstandskraft unserer Landwirtschaft – und damit den gesamten ländlichen Raum.“
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