BioBio-BauernGenerationenkonflikt: „Es mangelt an Wertschätzung“

Generationenkonflikt: „Es mangelt an Wertschätzung“

Susanne Fischer und Erhard Reichsthaler arbeiten seit 2004 mit Familien im bäuerlichen Umfeld. Ihr Arbeitshintergrund ist die Systemische Familientherapie sowie die Logotherapie und Existenzanalyse.
Quelle: Roman Goldberger

Welche sind die größten Herausforderungen im Zusammenleben der Generationen?

Reichsthaler: Der tägliche gute Umgang miteinander scheint für viele schwierig zu sein. Es gibt aber ein paar einfache Dinge, die das Zusammenleben und Zusammenarbeiten gut gelingen lassen.

Was meinen Sie damit konkret?

Reichsthaler: Auf Bauernhöfen gibt es zwei Systeme: das Familiensystem und das Arbeitssystem. Im Alltag sind diese gut vermischt und dabei wird oft übersehen, dass diese beiden Systeme unterschiedlich funktionieren.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Fischer: Zu einem Familiensystem gehört man, wenn man Vater oder Mutter ist oder in dieses System hineingeboren wurde. Die Familie deckt andere Bedürfnisse ab als ein Arbeitssystem. Dieses braucht Struktur und Organisation. Das fehlt im bäuerlichen Arbeitsumfeld meistens. Durch die Nähe der beiden Systeme im Alltag entstehen oft Irrtümer.

Wie kann man das lösen?

Fischer: Bei unserer Arbeit hilft oft schon, dass wir schauen, wo Schwierigkeiten auftreten und wer zum betroffenen System gehört. Viele Probleme entstehen allein dadurch, dass sich jemand wo einmischt und mitredet, wo er systemisch gar nicht dazugehört.

Viele junge Bäuerinnen sind heute berufstätig, was zu Konflikten führen kann, wenn die Altbauern von der Schwiegertochter mehr Mitarbeit am Hof erwarten.

Fischer: In so einem Fall muss die junge Frau ihre Rolle im Arbeitssystem klären. Die Frage ist, ob und in welchem Ausmaß ihre Mitarbeit gefragt ist. Diese Frage muss sie mit dem Chef des Arbeitssystems klären – das ist in den meisten Fällen ihr Mann und nicht die Schwiegermutter oder der Schwiegervater. Ein Arbeitssystem braucht eine klare Führung.

Nicht selten sehen sich die Altbauern auch nach der Übergabe noch als Chefs.

Reichsthaler: Der Grund dafür ist in fast allen Fällen ein fehlender Ausgleich und fehlende Wertschätzung.

Wie kommen Sie darauf?

Reichsthaler: Der bisherige Chef hat den Betrieb übergeben, um den er sich ein Arbeitsleben lang gekümmert hat. In vielen Fällen arbeitet er noch über Jahre am Hof mit. Nicht selten gibt es dafür weder Dank noch Anerkennung, geschweige denn einen Ausgleich. Er ist Teil des Arbeitssystems, erhält aber keinen Ausgleich für seine Arbeit. Das führt zu Konflikten.

 

Was dieser Artikel noch für Sie bereithält:

  • Warum die Söhne oft zwischen den Stühlen sitzen und eher ihre Frau als ihre Eltern alleine lassen
  • Was der Ausgleich für die Altbauern sein kann und wie man damit Konflikte vermeidet
  • Wer zum Familiensystem gehört und warum die Paarbeziehung ein heiliger Raum ist
  • Warum der Mann Konflikte regeln muss, wenn sie seine Eltern betreffen