Die weltweite Weizenversorgung wird 2026/27 wahrscheinlich durchschnittlich ausfallen, obwohl die Lagermengen im Vorjahresvergleich schrumpfen dürften. Zu diesem Ergebnis kommt das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) in seinem WASDE-Report vom Freitagabend (10.7.). Ihre Prognose für die globale Weizenproduktion setzten die Fachleute nur geringfügig herab, und zwar um kaum 100.000 Tonnen auf 819,96 Mio. Tonnen. Damit würde der im vergangenen Wirtschaftsjahr erzielte Rekord von 843,77 Mio. Tonnen um 23,8 Mio. Tonnen oder 2,8% verfehlt.
Allerdings passte das USDA seine Voraussage für die globalen Endbestände der neuen Saison um 2,58 Mio. Tonnen auf 272,84 Mio. Tonnen nach unten an. Das wären 6,19 Mio. Tonnen weniger als die Endbestände 2025/26. Damit ließen sich 33,1% des prognostizierten Spitzenverbrauchs von 826,16 Mio. Tonnen decken. Den Zuwachs des globalen Konsums beziffert das Ministerium auf 1,6 Mio. Tonnen und begründet dies mit einem wachsenden Bedarf für den menschlichen Verzehr, Saatgut und die industrielle Verarbeitung in Indien, dem Jemen, Saudiarabien und Somalia.
Unveränderte Schätzung für EU-Ernte
Im Einzelnen beließ das US-Ministerium seine Schätzung für die diesjährige EU-Weizenerzeugung bei 136,0 Mio. Tonnen. Damit würde die Vorjahresmenge um 9,11 Mio. Tonnen oder 6,3% verfehlt. Die Erwartung der Washingtoner Fachleute liegt geringfügig über dem Niveau der jüngsten Ernteprognose der EU-Kommission von 134,18 Mio. Tonnen. Dagegen setzte EU-Dachverband der Getreidehändler (COCERAL) seine Voraussage für das Weichweizenaufkommen in der Gemeinschaft kurz vor der Veröffentlichung des WASDE um 2,84 Mio. Tonnen auf 127,27 Mio. Tonnen herab und begründete dies mit der anhaltenden Hitzewelle.
Dagegen zeigten sich die US-Marktexperten für Russland und die Ukraine optimistischer als noch im Juni. Sie korrigierten ihre Produktionsprognosen für beide Länder angesichts günstiger Witterungsbedingungen in den Hauptanbaugebieten um jeweils 500.000 Tonnen nach oben, und zwar auf 88,5 Mio. Tonnen beziehungsweise 24 Mio. Tonnen. Im vergangenen Jahr ernteten die russischen Landwirte allerdings noch deutlich mehr Weizen, nämlich 90,3 Mio. Tonnen. Die Voraussage für die Ukraine liegt indes nur um 100.000 Tonnen unter der Vorjahresmenge.
Dämpfer für weltweiten Handel
Die Voraussage für das eigene Land passte das USDA um 200.000 Tonnen auf 41,81 Mio. Tonnen nach unten an, womit die durchschnittlichen Erwartungen der Marktakteure geringfügig übertroffen wurden. Gleichwohl wäre dies das kleinste Volumen seit 1970/71; die Vorjahresernte würde damit flächen- und ertragsbedingt um 12,2 Mio. Tonnen oder 22,6% verfehlt. Unterdessen kamen die US-Farmer mit dem Drusch überdurchschnittlich rasch voran: Am 5. Juli waren 59% der Winterweizenflächen in den wichtigsten Anbauregionen abgeerntet; der Mittelwert der Jahre 2021 bis 2025 lag bei 51%.
Der Zustand der Pflanzen wurde allerdings am Sonntag (5.7.) auf nur 26% der US-Flächen als „gut“ bis „hervorragend“ eingestuft. Diese Bonitierung verfehlt das Vorjahresniveau um 22 Prozentpunkte. Auch die kanadische Produktion sehen die Washingtoner Beamten jetzt kleiner als noch vor einem Monat: Mit Verweis auf aktualisierte Daten von Statistics Canada berücksichtigten sie einen Abschlag von 1 Mio. Tonnen auf nur noch 34 Mio. Tonnen. Im vergangenen Jahr holten die Kanadier noch 39,96 Mio. Tonnen Weizen von den Feldern.
Mit Blick auf den internationalen Handel erwartet das US-Ministerium für 2026/27 im Vorjahresvergleich einen Rückgang der Exporte von Weizen, Mehl und anderen Erzeugnissen um 12,54 Mio. Tonnen auf nur noch insgesamt 214,46 Mio. Tonnen. Indes wird die betreffende EU-Menge wie im Juni auf unverändert 31 Mio. Tonnen taxiert; im vergangenen Wirtschaftsjahr vermarktete die Union noch schätzungsweise 31,5 Mio. Tonnen in Drittländern. Für Russland, die Ukraine und Argentinien gab es dagegen einen Aufschlag von jeweils 500.000 Tonnen auf 47,5 Mio. Tonnen, 14,5 Mio. Tonnen beziehungsweise 15 Mio. Tonnen.
Matif-Weizen legt kräftig zu
Die optimistischeren Exporterwartungen für Russland und die Ukraine werden mit den dort voraussichtlich umfangreicheren Ernten begründet. Als Auslöser für die Anhebung der argentinischen Ausfuhren sehen die Fachleute indes relativ günstige Angebotspreise für die südamerikanische Ware am Weltmarkt. Dagegen beläuft sich die Prognose für die kanadischen Exporte nun auf nur noch 27,5 Mio. Tonnen, was einem produktionsbedingten Abschlag von 500.000 Tonnen entspricht.
Gleichwohl sind die Vorhersagen des USDA noch mit einiger Unsicherheit behaftet. Die Experten beziffern die mittlere Abweichung ihrer Juli-Prognosen der vergangenen 38 Jahre von der jeweils endgültigen globalen Weizenernteschätzung zwar auf 14,2 Mio. Tonnen. Dabei reichte die Fehlerbandbreite allerdings von 1 Mio. Tonnen bis 35,8 Mio. Tonnen. In den kommenden Wochen dürfte sich das Augenmerk der Marktakteure vor allem auf den Fortgang der Ernte in Europa und der Schwarzmeerregion konzentrieren.

Kommentare