Der Goldschakal breitet sich seit Jahren nahezu unbemerkt in Europa aus. Auch in Österreich wird die Präsenz des anpassungsfähigen Raubtiers immer häufiger dokumentiert. Doch wie gelingt es dem deutlich kleineren Verwandten des Wolfs, sich in denselben Lebensräumen zu behaupten? Eine internationale Studie unter Beteiligung der BOKU-Wildtierbiologin Jennifer Hatlauf liefert nun überraschende Antworten.
Die Ergebnisse, die aktuell in der renommierten Fachzeitschrift Nature Ecology & Evolution erschienen, zeigen: Wölfe begrenzen grundsätzlich die Vorkommenswahrscheinlichkeit von Goldschakalen. In menschlich geprägten Landschaften wird dieser Effekt jedoch deutlich schwächer. Goldschakale scheinen die Nähe von Menschen gezielt als eine Art Schutzschild gegenüber Wölfen zu nutzen.
„Wenn man bedenkt, dass der Goldschakal etwa so groß wie ein Fuchs und damit deutlich kleiner als ein Wolf ist, kann man verstehen, dass Goldschakale versuchten, den Wolf zu meiden“, so Hatlauf. Bei dieser Forschungsarbeit handelt es sich um die erste auf gesamteuropäischer Ebene, die die Beziehung zwischen Wolf und Goldschakal und deren Einfluss auf die Verbreitung beider Arten analysiert. Dafür wurden Daten aus zahlreichen europäischen Ländern zusammengeführt.
Goldschakal ist in jedem Bundesland anzutreffen
Jennifer Hatlauf brachte Daten aus dem Goldschakal Projekt Österreich ein, die anhand von unter anderem bioakustischen Erhebungen, Losungssuchen und Citizen-Science-Meldungen erhoben wurden. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass sich die Wildtierart mittlerweile in allen österreichischen Bundesländern ausgebreitet hat. Laut der Forscherin sei das jedoch kein Grund zur Beunruhigung. „Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Goldschakal weder ein Heilsbringer noch ein Schädling, sondern Teil einer natürlichen Entwicklung, die wissenschaftlich begleitet werden muss“, betont sie.
Die Studie demonstrieren außerdem, dass Goldschakale deutlich anpassungsfähiger sind als lange angenommen. Besonders geeignet erscheinen zwar wärmere, schneearme Regionen Europas, doch aktuelle Nachweise belegen, dass die Wildtierart zunehmend auch alpine Lebensräume nutzt.
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