BioAcker und GrünlandGPS selbst gemacht

GPS selbst gemacht

LANDWIRT Redakteur und Ackerbauer Alexander Böck benutzt ein automatisches Spurführungssystem in Eigenbaulösung.
Quelle: Böck

Ein Erfahrungsbericht von Alexander Böck

Das muss ich auch haben!“ – Das war mein erster Gedanke, nachdem ich mir 2016 erstmals den Mais mit RTK-Genauigkeit säen habe lassen. Der Traktor lenkt sich selbst über das Feld – und das mit einer Präzision, die jedes Augenmaß verspottet. Am Vorgewende legt das GPS-System noch eines drauf, indem es auf Ankehrmanöver verzichtet, einfach zwei oder drei Bahnen unbearbeitet stehen lässt und sich selbstständig die richtige Spur sucht. Der Fahrer sitzt dabei entspannt in der Kabine, begutachtet das Ergebnis und lässt die Seele baumeln. Einfach toll. Ein Blick auf die Preisliste holte mich jedoch wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Denn mit 15.000 Euro kam man damals für ein professionelles System nicht aus. Die Jahre vergingen und außer beim Mais war am Betrieb nach wie vor das Augenmaß für Präzision zuständig. Über einen Artikel im LANDWIRT (Ausgabe 18/2018) erfuhr ich von einem Herrn in der Steiermark, der sich ein automatisches Lenksystem selbst gebastelt hat und dafür nur 1.000 Euro gebraucht haben soll. Dieser Herr heißt Andreas Ortner. Als Software verwendete er das frei verfügbare AgOpenGPS. Diese Software wurde von einem kanadischen Farmer programmiert und wird seither ständig weiterentwickelt. Richtig euphorisch las ich den Artikel und checkte im Internet die unbekannten Begriffe wie GNSS-Antenne, RTK-Level und auch Lenkwinkelsensor – und schon war es mit der Euphorie vorbei. Denn die Tatsache, dass ich mit einem Gerät in die Lenkung des Traktors eingreifen sollte, machte mich nervös und kam mir auch recht kompliziert vor – ungerechtfertigter Weise, wie sich Jahre später herausstellen sollte.

Der Lenkwinkelsensor erfasst, wie der Name besagt, den aktuellen Lenkwinkel des Traktors. Sein Einbau schreckt immer wieder Landwirte ab.
Quelle: Böck

Vorträge übers Netz

2019 säte ich dann erstmals Soja in Direktsaat nach Augenmaß. Danach war klar: Jetzt muss wirklich ein Parallelfahrsystem her. Und im Frühjahr 2020 fasste ich den Entschluss, mir das System Ortner nochmals genauer anzusehen. Scheinbar zum schlechtesten Zeitpunkt. Denn nach der Anmeldung auf der Homepage (autosteer.cc) und der Überweisung der Gebühr für den Homepage-Zugang von 40 Euro musste ich feststellen, dass dank Corona nicht nur Theater, Kino und Feldtage gestrichen waren, sondern natürlich auch die Vorträge von Andreas Ortner nicht stattfanden. Stattdessen führte Ortner Anfang 2021 dann aber ein paar Webinare/Onlinediskussionsrunden zu dem Thema durch. Die öffneten mir dann die Augen.  Zuerst wurden die nötigen Bauteile und deren Installation besprochen, dann das Programm AgOpen und der Umgang damit erklärt und am Ende noch auf gängige Fehler, die viele machen, hingewiesen. Selbst meine anfänglichen Bedenken bezüglich des Lenkwinkelsensors wurden zur Gänze zerstreut. Noch während des zweiten Webinars ging ich auf Ortners Website und bestellte mir ein komplettes AgOpen- Set. Endlich hatte ich hier auch mal Glück. Das neue Board war bereits erhältlich.

Das neue Set

Bis zum Frühjahr 2021 mussten AgOpen-Neulinge die einzelnen Komponenten wie GPS-Empfänger, Lenkwinkelsensor, Lenkradmotor und diverse Kleinteile zusammentragen, zusammenbauen, löten und selbstständig die Konfiguration vornehmen. Jetzt bietet Andreas Ortner alles zusammen als variables Set in einer eigenen Elektronikbox an. Hervorzuheben ist dabei das eigens entwickelte „Developer Board“. Eine Platine, auf der ein Großteil der Komponenten entweder bereits verbaut ist oder nur aufgesteckt und angeschlossen werden muss. Außerdem benötig das Board nur mehr einen USB-Anschluss am Endgerät. Das System ist zwar mit knapp 1.300 Euro (exkl. Tablet) etwas teurer. Dafür ist der geringere Zeitaufwand beim Zusammenbauen doch ein großer Vorteil. Mir war es das Geld wert und knapp zwei Wochen später konnte ich die Komponenten am Küchentisch zusammenfügen. Dann kurzerhand die Gratissoftware AgOpen von der Onlineplattform Github (github. com/farmerbriantee/AgOpenGPS) heruntergeladen und auf das Windows Tablet installiert, den USB-Anschluss angesteckt und einer virtuellen Testfahrt mit der Simulatorfunktion im Wohnzimmer stand nichts mehr im Wege.

Bei der Montage des Lenkradmotors gibt es diverse Lösungsansätze. Von einfach – mit Reibrad – bis anspruchsvoll – mit Zahnkranz und Schieber.
Quelle: Böck

Aufbau am Traktor

Das Montieren der Komponenten am Traktor stellte sich dann auch als einfacher heraus als gedacht. Ich veranschlagte drei bis vier Wochenenden für die Montage. Mithilfe meines Vaters gelang es mir in eineinhalb Tagen. Begonnen haben wir mit dem Lenkwinkelsensor.

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