Alle Tiere auf der Alm regelmäßig zu kontrollieren kann anstrengend sein, besonders wenn diese erst gefunden werden müssen. Das Problem dabei sind die kurzen, direkten Sichtlinien. Geländeform und Vegetation unterteilen das Weidegebiet oft in kleine Teilweiden, die mühevoll abgesucht werden müssen.
Globale Positionierungssysteme (GPS) nutzen Satelliten, um die Tiere auf der Alm zu finden. Die Technologie ist in kompakte Geräte verbaut, die an einem Halsriemen an den Tieren befestigt werden. Mehr zum Thema GPS-Tracker für Weidetiere
Die Geräte werden immer mit einer Batterie oder einem Akku betrieben, manchmal unterstützen kleine Solarpaneele die Energieversorgung. Die Anzahl der möglichen Messungen pro Almsommer hängt von der Größe der Batteriekapazität ab. Sechs bis acht Positionspunkte pro Tag sind fast immer möglich.
Die Daten der gemessenen Punkte werden mit einem eingebauten GSM-Modem ins Tal gesendet. Jeder Punkt, der erfolgreich gesendet wird, wird am Heimbetrieb oder in einer Hütte mit Internetempfang in einer digitalen Karte angezeigt.
GPS-Tracking, Netze und Datenübertragung auf der Alm
Zu Beginn des Workshops wurden die Verlässlichkeit der Datenübertragung und die Funktionalität der Tracker diskutiert. Kostengünstigste Varianten sind Tracker aus der Fahrzeugüberwachung, die in bestehende Mobilfunknetze senden. Ist das nicht möglich, kann ein eigenes Empfangsnetz mit Antennen aufgebaut werden wie etwa „LoRaWAN“.
Gibt es beim Standort einer selbst installierten Antenne auch kein Mobilfunknetz, kann eine Insellösung eingesetzt werden. Mit dem eigenen Netz könnten zusätzliche Sensoren betrieben werden. So kann etwa erfasst werden, wieviel Wasser im Brunnen ist, wie das lokale Wetter ist, ob die Weidezäune funktionieren oder die Weidetore geschlossen sind.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Auswertung der aufgezeichneten GPS-Daten. Anhand von sogenannten Heatmaps kann sichtbar gemacht werden, welche Bereiche der Weideflächen von den Tieren besonders intensiv genutzt werden. Mehr zum Thema Weide-GPS-Tracker im Test
Diese räumlichen Analysen liefern wertvolle Informationen für das Weidemanagement und dienen zugleich als Dokumentation. Auf Basis dieser Daten können beispielsweise Weidepläne für die kommende Saison erstellt oder angepasst werden, um eine gleichmäßigere Nutzung der Flächen zu erreichen und empfindliche Bereiche gezielt zu entlasten.
Herausforderungen liegen noch bei der Datenübertragung, wenn sich die Tiere etwa unter Bäumen befinden und bei der Energieversorgung der Tracker über den ganzen Almsommer hinweg.
Virtuelle Zäune und rechtliche Rahmenbedingungen
Für die Lenkung der Weidetiere in schwierig zu zäunenden Weidegebieten wurde der virtuelle Zaun der Firma Gallagher vorgestellt. Dabei haben die Tiere einen GPS-Tracker, der bei Annäherung an die virtuelle Zaunlinie vorerst Töne von sich gibt. Ignorieren die Tiere die akustischen Warnsignale, bekommen sie bei weiterer Annäherung an die Zaunlinie einen elektrischen Impuls, der die Tiere zum Umkehren bewegen soll.
Das System ist allerdings in Österreich, Deutschland und der Schweiz tierschutzrechtlich verboten. Raumberg-Gumpenstein arbeitet daran, dass diese Technik auch in Österreich eingesetzt werden kann. Mehr zum Thema virtueller Weidezaun am Smartphone
Laut dem Vertreter der Firma Gallagher gibt es das System bis jetzt nur für ausgewachsene Rinder, es wird aber daran gearbeitet, dass es auch für Schafe und Ziegen eingesetzt werden kann. Die Norwegische Firma Nofence hat allerdings schon ein virtuelles Zaunsystem für Schafe und Ziegen entwickelt, das bereits im Rahmen einer Studie des Forschungsvereins Venn in Längenfeld im Ötztal an 20 Blobe Ziegen erfolgreich getestet wurde.
Über welche Ängste und Sorgen aber auch Chancen und Kooperationen bei dem Workshop gesprochen wurde, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von Schafe & Ziegen aktuell! Hier gratis Probeheft oder Abo bestellen!

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