BioAcker und GrünlandGras mähen – Insekten schützen

Gras mähen – Insekten schützen

Schachbrettfalter
Der Schachbrettfalter nutzt die verschiedenen Schichten der Wiese.
Quelle: Veronika Edler

Extensives Grünland gehört neben dem tropischen Regenwald zu den artenreichsten Biotopen der Welt. Knapp 89 Pflanzenarten können auf einem Quadratmeter gefunden werden. Über 400 verschiedene Pflanzenarten sind auf Grünlandstandorte spezialisiert. Je artenreicher eine Wiese ist, desto mehr Tiere – vor allem Insekten – können an dem Standort vorkommen. Diese bieten eine gute Nahrungsquelle für Vögel und andere Tiere. Wenn Bauern ihr Grünland sehr intensiv nutzen, dann kann es passieren, dass auf 25 m2 nur mehr drei Pflanzenarten wachsen. Dementsprechend gering ist dann auch die Vielfalt an Insekten, Vögeln und Kleinsäugern.

Lebensraum Wiese

In einer Wiese leben Tiere mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen. Dem Boden nahe bleiben Bodenbrüter, Amphibien und Kleinsäuger. Einige Tiere besuchen die Wiese nur, um aus Blüten Nektar und Pollen zu sammeln oder Insekten zu jagen. Die meisten Insekten leben und entwickeln sich allerdings an Blättern und Halmen. Viele Kleintiere wie Schmetterlinge oder manche Käferarten nutzen je nach Entwicklungsstadium verschiedene Schichten der Wiese. Die Raupe des Schachbrettfalters frisst zum Beispiel an Gräsern. Als Schmetterling saugt der Falter am Nektar von violetten Blumen wie Flockenblume, Witwenblume oder Disteln.

Die Mahd

Nur eine regelmäßige Mahd kann das Grünland offen halten und zur Entwicklung einer vielfältigen Pflanzenwelt beitragen. Gleichzeitig ist sie aber auch eine Gefahr für die Tiere, entweder direkt durch die Mäh- und Erntegeräte oder indirekt durch den Eingriff in den Lebensraum. Durch die Mahd kann Nahrungsmangel entstehen oder es fehlt plötzlich die Deckung vor Feinden und Witterungseinflüssen. Auch die Nischen zur Fortpflanzung oder der Schlafplatz gehen verloren. Die in der Wiese lebenden Tiere haben sich über Jahrhunderte an die Mahd angepasst. In den letzten Jahrzehnten hat sich jedoch etwas Wesentliches verändert: Der technische Fortschritt hat die Tiere überholt, sie können sich nicht mehr schnell genug anpassen. Landwirte mähen in kürzerer Zeit mit schlagkräftigeren Maschinen viel größere Flächen als früher. Außerdem müssen mehrere Mähdurchgänge, teilweise mit Mähaufbereitern, überstanden werden. Nur Tiere mit einer schnellen Reaktion, geschicktem Fluchtverhalten und einer großen Mobilität und Flexibilität haben eine Chance das zu überleben. Jeder einzelne Erntedurchgang führt zu Verlusten.

Eine artenreiche Wiese gibt vielen Tieren einen Lebensraum und bietet ihnen Nahrung und Schutz.
Eine artenreiche Wiese gibt vielen Tieren einen Lebensraum und bietet ihnen Nahrung und Schutz.
Quelle: Katharina Bergmüller

Deshalb sollten diese, speziell auf artenreichen Wiesen, auf ein notwendiges Maß reduziert werden. Allerdings ist das nicht immer so leicht möglich. Es gibt aber etliche weitere Maßnahmen, mit denen Landwirte eine insektenfreundliche Grünlandbewirtschaftung erreichen. Nicht jede Maßnahme eignet sich für jeden Betrieb. Wichtig ist es, jene auszuprobieren, die am besten zum Betrieb passen und auch praxistauglich sind. Auch kleine Maßnahmen können eine große Wirkung zeigen.

Was dieser Artikel noch bereithält:

  • Tipps zur Mahd, um das Insektensterben zu vermindern