Lieber Sepp, wie bist du auf die Pinzgauer Ziege gekommen?
Ganz einfach, ich habe als Bub „a Goas“ bekommen und bin nie mehr davon weggekommen. Ich hatte zuerst eine andere Rasse. Weil über die Rasse bei der Versteigerung so gestritten wurde, sattelte ich um und kaufte mir Ende der Neunzigerjahre die ersten fünf Pinzgauer Ziegen. Heute stehen zwölf Muttertiere, sechs weibliche Jungziegen und drei bis fünf Böcke am Betrieb.
Was sind aktuell die größten Trends und Herausforderungen der Salzburger Ziegenbauern?
Da ist einmal ganz allgemein der positive Trend zur Ziege. Ziegen sind einem großen Teil der Bevölkerung sympathisch. Das war nicht immer so. Immer wieder werden Ziegen in Werbespots für den Tourismus oder auf Plakaten für Veranstaltungen abgebildet. Das ist ein Erfolg der Öffentlichkeitsarbeit bestimmter Einzelpersonen, die sich zumeist ehrenamtlich um diese Branche kümmern. Ich würde mir wünschen, dass auch die Verbände über die eigenen Kreise hinaus diese Öffentlichkeitsarbeit betreiben würden, aber da fehlt das Budget dafür. Das ist kein Vorwurf aber eine Tatsache. Die größte Herausforderung ist das Thema Wolf und Alm. Da hat sich in den letzten Jahren in Salzburg zwar einiges bewegt, weil unsere Landesrätin mutige Schritte für die Tierhalter setzt, aber es muss in diese Richtung weitergehen. Wir Ziegenbauern sind emotional extrem stark mit unseren Tieren verbunden, niemand will ein Tier einfach als Raubtierfutter auf die Alm treiben. Dahinter steht die Liebe zum Einzeltier und die Leidenschaft zum Erhalt der Rassen. Ein alter Züchter sagte mir jüngst: „Bevor meine Goaßn den Stall verlassen, geb‘ ich die 40 Kühe her“.
Was würde eine Zukunft ohne Almhaltung bedeuten?
Allein für die Pinzgauer Ziege: Wenn die Almhaltung nicht mehr möglich ist, würde ein Drittel der Züchter, was etwa der Hälfte des Gesamttierbestandes entspricht, aufgeben. Das wäre eine Katastrophe. Die Almhaltung und damit die Eingrenzung des Wolfsproblems ist also von zentraler Bedeutung für den Fortbestand der Rasse.
Welche Herausforderungen siehst du im Zuchtwesen?
Es ist und bleibt eine große Herausforderung, den Großteil der Züchter zu mobilisieren. Es sind oft immer die gleichen, die sich engagieren. Von den anderen sieht und hört man das ganze Jahr nichts, außer wenn es Probleme oder Unzufriedenheit gibt. Leider schwimmt ein Großteil der Züchter da mit. Ich sage den Bauern auch immer wieder, dass ich mir mehr Zucht und weniger Haltung wünsche, weil „lieb“ ist keine Kategorie auf meinem Bewertungszettel. Damit meine ich, dass nur wenige Züchter das Potenzial der Pinzgauer Ziege optimal ausnutzen. Es sind zu wenige Betriebe in der Milchleistungsprüfung. Dadurch kommen Stärken wie etwa die tolle Melkbarkeit oder die Qualität der Milch zu wenig aufs Tapet. Es gäbe genug weitere Herausforderungen, etwa Krankheiten oder die Aufzeichnungspflichten, also die Bürokratie.
Kannst du das konkretisieren?
Ja, sicher, ich gebe dir ein Praxisbeispiel: Pseudo-TBC-befallene Tiere darf man nicht mehr handeln und versteigern, aber die Untersuchung ist nicht Pflicht. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden von den Labors aber nicht an den Verband übermittelt, die kriegt nur der Züchter. Welcher Züchter teilt dem Verband freiwillig einen Positivfall mit, wo er dann lange Zeit für Versteigerungen gesperrt ist? Solche und ähnliche Probleme gibt es zuhauf.
Wie sind die Preise auf Versteigerungen für Pinzgauer Ziegen?
Die Pinzgauer-Züchter wollen zwar immer zu guten Preisen verkaufen, sind aber selten bereit auch selbst passende Preise auf Versteigerungen zu bezahlen. Privat zu handeln mag angenehmer sein, gute Versteigerungsverläufe und Preise wären jedoch so wichtig, weil darüber berichtet werden würde und das bringt dann wieder Neueinsteiger. Ein realistischer Wert ausgesuchter junger Zuchttiere bei der Versteigerung sollte für ein Kitz bei etwa 400 Euro, für einen guten Jahrling bei 600 bis 700 Euro und für einen guten Bock oder eine Bockmutter bei rund 1.000 Euro aufwärts liegen. Das Gute selbst behalten, das Zweitbeste privat verkaufen und den Rest über die Versteigerung zu vermarkten geht nicht! Das ist Zeit- und Geldverschwendung.
Apropos Preise: Die Tauernschecken-Ziegen werden oft zu Rekordpreisen versteigert. Was sagst du dazu?
Diese Phantasiepreise für einzelne Tiere bestimmter Rassen im privaten Verkauf und auch auf Versteigerungen sind für mich problematisch. Wer will nicht auch einmal 3.000 Euro für eine Ziege bekommen? Neuanfänger, die davon hören, entscheiden sich dann für diese Rasse, was eindeutig zu Lasten der anderen Rassen geht.
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