Der Weg zum Zuchtbetrieb
Der Einstieg in die Burenzucht war herausfordernd, denn in der Steiermark gab es damals nur wenige Zuchtbetriebe. Dennoch gelang der Start mit zwölf Ziegengeißen aus drei verschiedenen Linien. In den folgenden Jahren ergänzten drei blutfremde Böcke das genetische Fundament, auf dem die eigene Vatertierlinienzucht aufgebaut wurde. Qualität stand von Beginn an im Mittelpunkt. Da hochwertige Zuchtböcke der Körklasse 1b in Österreich schwer verfügbar sind und Importe aufwendig bleiben, setzt Familie Wimmer auf sorgfältige Auswahl und gezielte Verpaarungsplanung. Die besten Jungböcke werden dem Zuchtwart vorgestellt, gekört und beprobt. Auch weibliche Nachzuchten werden regelmäßig bewertet und ins Herdebuch aufgenommen. Das Zuchtziel folgt strikt dem Rassestandard: solides Fundament, gute Bemuskelung, dunkler Kopf mit weißer Blässe, breite Hängeohren, leichte Ramsnase und Selektion auf zwei Zitzen ohne Afterzitzen – ergänzt durch Fruchtbarkeit, ruhiges Wesen und Genügsamkeit. Zwillinge sind üblich, Drillinge oder Vierlinge keine Seltenheit. Die Fütterung basiert auf hochwertigem Heu und Gras, ergänzt durch maßvoll eingesetztes Kraft- und Mineralfutter.
Genetische Vielfalt und Vermarktung der Zuchttiere
Ein besonderer Fokus liegt auf der genetischen Vielfalt. Mithilfe der Programme „SZ-online“ und „ZooEasy“ wird der Inzuchtkoeffizient streng überwacht, im Schnitt liegt er bei nur 5,5 %. In den vergangenen zehn Jahren wurden 24 Nachzuchtböcke gekört, viele davon fanden ihren Weg in österreichische und auch internationale Betriebe, etwa nach Ungarn, Slowenien, Kroatien, Italien und in die Schweiz. Der aktuelle Bestand umfasst 21 Zuchtziegen aus elf Vatertieren und 15 Mutterlinien. Tiere mit Körstatus 1a oder 1b und Zuchtwerten zwischen 95 und 110 belegen das hohe Niveau. „Heute steht keine einzige Burenziege in unserem Stall, die nicht bei uns geboren wurde – darauf sind wir besonders stolz“, betonen die Wimmers. Die Ablammungen erfolgen jährlich, meist im März. Weibliche Kitze werden frühestens mit sechs Monaten abgegeben, gekörte Jungböcke ab etwa 18 Monaten. Ziegen, die nicht für die Zucht geeignet sind, werden an Liebhaber abgegeben. Auch ungekörte Böcke werden teilweise an Hobbybetriebe vermittelt. Alle übrigen Böcke werden für den Eigenbedarf geschlachtet. Altziegen finden als B.A.R.F-Futter für Hunde Abnehmer oder werden an die eigenen Hunde verfüttert. Familie Wimmer züchtet nämlich auch Hunde der Rasse „Österreichischer Pinscher“. Die Burenziege überzeugt Familie Wimmer nicht nur durch ihr Erscheinungsbild, sondern auch als vielseitige Landschaftspflegerin: Sie frisst Gräser, Sträucher, Laub und sogar Nadelhölzer. Dadurch hilft sie, Almflächen offen zu halten und Verbuschung zu vermeiden. Böcke erreichen bis zu 130 kg bei etwa 80 cm Schulterhöhe, Geißen rund 80 kg bei zirka 70 cm. Als spätreife Rasse erreichen sie ihre volle Größe erst mit etwa drei Jahren. Die Erstbelegung sollte nicht zu früh erfolgen, da junge Geißen bereits mit vier bis fünf Monaten geschlechtsreif werden können – eine rechtzeitige Trennung ist daher wichtig. Für die kommenden Jahre haben Roswitha und Josef Wimmer ein klares Ziel: Die Burenziege soll in Österreich mehr Beachtung finden – als robuste Fleischrasse mit hervorragender Qualität und als wertvolle Landschaftspflegerin. Mit Fachwissen, Erfahrung und Leidenschaft möchten die Wimmers andere Züchter beim Einstieg unterstützen.
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Was dieser Artikel noch bereit hält:
- Burenziegenzucht Wimmer in der Steiermark
- Umstieg auf Burenziegen und Aufbau der Vatertierlinien
- Genetische Vielfalt und Vermarktung der Nachzuchtböcke

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