Mit 50 % Eiweißgehalt in der Trockenmasse sind die Insektenlarven vielen anderen Eiweißrohstoffen überlegen. Und ganz nebenbei verwerten sie für ihr Wachstum minderwertige Nebenprodukte aus Lebensmittelerzeugung und Landwirtschaft. Vor allem für Geflügel und Fische, aber auch für Schweine könnten die Insektenlarven einen großen Beitrag zur biologischen Eiweißversorgung und darüber hinaus zur arttypischen und wesensgemäßen Allesfresser-Fütterung beitragen. Mit der schwarzen Soldatenfliege hat man die optimale Insektenart gefunden. Die Tiere fressen alles an toter organischer Substanz, das ihnen zwischen die Zähne kommt.
Pilotanlage in Oberösterreich
Michael Forster und Simon Weinberger haben in Eigenregie Zucht und Mast der Soldatenfliege perfektioniert und serienreif entwickelt. Am Bio-Hof von Michael Forster steht eine Anlage, die aktuell eine Produktionsmenge von ca. 500 kg Larven je Woche erreicht. Eine ehemalige Autogarage dient als Maststall für die gefräßigen Tiere. Doch zuerst muss in einer der Brutkolonien die Eiablage stattfinden. Die ausgewachsenen Tiere fressen nichts mehr, sondern legen nur Eier, bevor ihr kurzes Leben schon wieder zu Ende ist. Nach der fünftägigen Aufzucht vom Ei zur Junglarve werden die Tiere in Fleischerkisten und Wannen aus Teichfolie gehalten. Sie sind vollständig von dem Futtersubstrat umgeben, das bei den beiden Pionieren aktuell aus Biertrebern und Getreidekleie besteht. Je energiehaltiger das Substrat, umso schneller wachsen die Larven. Das Futtermaterial darf nicht zu grob sein, damit am Ende der Mast (nach ca. 8–10 Tagen) die Larven wieder abgesiebt werden können.
Der Vogel fängt den Wurm
„Optimal wäre, die Larvenproduktion so dezentral wie möglich zu installieren“, erläutert Forster ihre Idee. „Entweder die Anlage steht dort, wo viel organischer Abfall verwertet werden soll, oder eben nahe am Verbraucher.“ Genau das setzen auch die beiden bereits um. Denn Simon Weinbergers Eltern betreiben eine Fischzucht, in der ein Großteil der Larven aktuell lebend verfüttert wird. Die Larven können Ausputzgetreide oder Sortierkartoffeln, Futterreste, Aufwuchs von Geflügelauslauf und Restgrünland oder Kleegras verwerten. Damit würden sie nicht für Geflügelfutter geeignete, oft fast wertlose Komponenten zu hochverdaubarem Futter veredeln. Neben dem Einsatz der Larven als Fischfutter erproben die beiden auch deren Einsatz bei den betriebseigenen Legehennen. In ersten Fütterungsversuchen erhoben sie, dass sowohl Tiergesundheit als auch tierische Leistungen (Eier-Anzahl, Eigewicht, Tageszunahmen bei Mast) zum Teil sogar sprunghaft ansteigen. Ganz nebenbei entsteht in dieser Produktion von Insektenlarven auch hochwirksamer Dünger, der mit Regenwurmkot vergleichbar ist. Die ersten Parzellenversuche bei Getreide und auch der Einsatz im Gemüsebeet sind hocherfolgreich.
LANDWIRT Tipp
Einen umfangreichen Artikel zum Thema Insekten als Eiweißquelle lesen Sie in der LANDWIRT Ausgabe 16/2017.
Larven dürfen seit Kurzem offiziell in Österreich lebend an Nutztiere verfüttert werden. Bio-Betriebe dürfen aber laut EU-Bio-Verordnung keine Insektenlarven füttern, weil diese nicht im Anhang V der EU-Bio-Verordnung angeführt sind. Außerdem ist bisher nicht definiert, wie bio-taugliche Larven gehalten, womit sie gefüttert und wie sie getötet werden. Dies soll sich aber womöglich noch heuer ändern. Aktuell arbeiten Experten an einer Erlaubnis durch den österreichischen Lebensmittel-Codex. Produkte aus Fütterungsversuchen dürfen nicht in Verkehr gebracht werden – auch wenn die Insektenlarven dem Bio-Gedanken schon sehr nahekommen.

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