Erbe walachischer Nomaden
Die Brüder George (28), Sophokles (26) und Alexandros (24) Kalesis leben mit ihren Eltern Thanasis und Elissavet in den Bergen der Region Larisa. Die Familie hält und melkt seit 200 Jahren blaugraue Ziegen mit zotteligem Fell. Die Böcke tragen weit nach außen geschwungene Hörner und alle Ziegen werden einmal im Jahr geschoren. Mehr zum Thema seltene Ziegenrassen
800 Tiere zählt die Herde und mittlerweile ist keine weitere Herde dieser alten und robusten Ziegenrasse mehr bekannt. Vater Thanasis erzählt, dass in diesem Gebiet früher das Volk der Walachen mit ihrem Vieh in die Berge zog und den Sommer von Mai bis Oktober dort verbrachte. Die Walachen sind ein romanischsprachiges Volk des Balkans.
Ihre ursprüngliche Heimat lag nicht in einem einzigen Staat, sondern in verschiedenen Gebirgsregionen Südosteuropas, unter anderem auch in Thessalien. Sie waren traditionell Hirten, die mit großen Schaf- und Ziegenherden saisonal zwischen Sommer- und Winterweiden wanderten (Transhumanz). Von diesen Tieren soll die Herde der Kalesis abstammen und auch die Gegend dort wird heute noch „Vlachika“ genannt.
35 Herdenschutzhunde für 1.000 Ziegen
Bis vor kurzem hielt Familie Kalesis noch 35 Herdenschutzhunde. Aufgrund des hohen Futterverbrauchs reduzierten sie deren Zahl auf 20. Nachdem alle Ziegen in einem selbst aus Metall gebauten Melkstand mit 2 mal 39 Plätzen gemolken wurden, ziehen die Hunde jeweils mit einer Bockherde und einer Geißenherde selbstständig in die Berge, um die Ziegen abends zum Melken wieder nach Hause zu bringen.
Trotz der scharfen Hunde verliert die Familie etwa 100 Ziegen im Jahr an die Wölfe.
Tradition oder Produktivität
Nachdem letztes Jahr in der Region die Schaf- und Ziegenpocken ausbrachen, auf die Schafe besonders empfindlich reagieren, schlachtete die Familie vorsorglich ihre Schafherde von 70 traditionellen Karagounika-Schafen. Als Ersatz kauften die drei Brüder im April dieses Jahres 200 Milchziegen der Rasse Florida in Spanien. Mehr zu Schaf- und Ziegenpocken in Griechenland
Die drei motivierten Jungbauern wollen ihren Betrieb effizienter machen und die alte Rasse nach und nach gegen die hochproduktiven Florida-Ziegen ersetzen. Auch die Haltung und die Fütterung werden sie infolge intensivieren. Somit werden in Zukunft wohl nicht mehr Hunderte blaugraue Kanouta-Ziegen die steinige Maccia beweiden.
„Wir werden ein paar Tiere von der alten Rasse aus Tradition behalten“, sagen die drei Brüder. Es ist damit zu rechnen, dass diese alte Ziegenrasse bald verloren sein wird, mit Folgen für die beeindruckende Biodiversität und die Nutztierkultur der Region. Mehr zu Milchziegenrassen aus Spanien
Schöne Fotos zur Familie Kalesis und ihren außergewöhnlichen Ziegen finden Sie in der aktuellen Ausgabe von Schafe und Ziegen aktuell. Hier gratis Probeheft oder Abo bestellen!

Kommentare