AgrarpolitikKöstinger: Green Deal bedroht heimische Landwirtschaft

Köstinger: Green Deal bedroht heimische Landwirtschaft

Kleinbäuerliche Verhältnisse bedroht: Der Green Deal könnte die schlechte Einkommenssituation weiter verschlechtern.
Quelle: Agrarfoto.com

Laut österreichischem Landwirtschaftsministerium sollen mögliche Auswirkungen des “Green Deal” die Zukunft der europäischen Landwirtschaft bedrohen. Insbesondere kleinstrukturierte Verhältnisse, wie sie in Österreich vorherrschen, seien von den negativen Auswirkungen betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt das Ministerium nach einer Analyse der Folgenabschätzung der Europäischen Kommission. Infolge von Produktionsreduktion in Zusammenhang mit den gesteckten Klimazielen und daraus resultierenden Teuerungen könnten die Einkünfte teils massiv fallen. Für den Getreidesektor spricht man sogar von bis zu 26 %. Zudem hätte eine rückläufige europäische Produktion höhere Importe aus Übersee zur Folge. Und damit freilich würde man klimaschädliche Emissionen nur dorthin verlagern, so das Ministerium.

Konkret sollen 70 % der durch den Green Deal reduzierten Emissionen mit Emissionssteigerungen im EU-Ausland verbunden sein. Für Bundesministerin Elisabeth Köstinger ist daher klar: „Die kleinstrukturierte Landwirtschaft darf durch den Green Deal nicht noch mehr geschwächt werden.” Die Studie der Kommission zeige ganz deutlich, so Köstinger weiter, dass gravierende Auswirkungen auf das Einkommen der Landwirte zu befürchten seien.

Green Deal mit ambitionierten Zielen

Die Europäische Union hat sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Dazu will man Treibhausgasemissionen bis 2030 um 55 % reduzieren. Laut der Folgenabschätzung könnten diese allein in der Landwirtschaft um knapp 30 % sinken – Ammoniak sogar um über 35 %. Um das zu realisieren, braucht es allerdings auch einen Produktionsrückgang. Das Minus bei Getreide und Ölsaat beziffert man mit bis zu 15 %. Das entspricht etwa der Getreideproduktion Deutschlands.

Köstinger wendet darum ein: „Wenn wir unsere Produktion zwar klimafreundlicher gestalten, aber gleichzeitig das Bauernsterben forcieren und klimaschädliche Produkte aus dem EU-Ausland importieren, schießen wir am Ziel vorbei.” Österreich leiste mit seiner kleinstrukturierten und ressourcenschonenden Landwirtschaft ohnehin bereits jetzt einen wesentlichen Beitrag. Dagegen müsse die Europäische Kommission die Ergebnisse ihrer eigenen Forschungsstelle ernstnehmen und die Auswirkungen entsprechend abfedern.

Grüne Bauern: Studie “verkürzt”

Indessen wandte Olga Voglauer von den Grünen Bauern (GBB) ein, dass es sich bei der Studie keineswegs um eine Folgenabschätzung handle. Vielmehr bilde diese nur einen Teil der geplanten Maßnahmen ab und sei daher „verkürzt“. Laut GBB brauche es einen „gesamthaften Blick auf die Zusammenhänge zwischen landwirtschaftlicher Produktion, dem Ernährungssystem und den Ökosystemleistungen, und andererseits Unterstützung für die Bauern bei der Umstellung ihrer Produktionsweisen“. Um das gemeinsame Klimaziel zu erreichen, müsse jedenfalls auch die Landwirtschaft ihren Beitrag leisten.

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