Was die Herausgeber des Kritischen Agrarberichts im Vorwort ankündigen, klingt wie eine desillusionierte Abrechnung mit Politik und Zivilgesellschaft. Denn in den Augen des Agrarbündnisses wäre eigentlich alles für eine dringend notwendige Transformation des Agrar- und Ernährungssystems vorbereitet gewesen: Neue Förderkonzepte lagen vor, Kompromisse waren ausgehandelt. Mit der Zukunftskommission Landwirtschaft hätten beispielsweise erstmals breit getragene Vorschläge existiert, wie Landwirtschaft ökologisch tragfähiger, sozial gerechter und ökonomisch stabiler werden könnte.
Doch statt Umsetzung habe ein politischer Rückzug eingesetzt, so die Autoren. Bauernproteste, geopolitische Krisen und das Erstarken von Populismus hätten die Ambitionen für eine sozialökologische Erneuerung verdrängt. Unter dem Schlagwort Bürokratieabbau würde zentrale Ordnungspolitik delegitimiert – vom Umwelt- und Natur- über Tierschutz bis hin zur Regulierung von Märkten und Technologien.
Das AgrarBündnis
Das AgrarBündnis ist ein Zusammenschluss von 25 deutschen Verbänden aus Landwirtschaft, Umwelt-, Natur- und Tierschutz sowie Verbraucher- und Entwicklungspolitik mit mehr als 1 Mio. Einzelmitgliedern. Es ist Herausgeber des Kritischen Agrarberichts, der jährlich im Januar zur Grünen Woche vorgestellt wird.
Die Kernforderungen verstünden sich daher als Gegenentwurf zum agrarpolitischen Rollback.
Was dieser Artikel noch bereit hält:
- Agrarpolitik: GAP-Zahlungen, Marktordnung und Bodenmarkt
- Welthandel und -ernährung: Recht auf Nahrung und Reform der WTO
- Ökolandbau: 30 % Bio-Ziel, Programme und Finanzierung
- Produktion und Markt: Lieferverträge, aktive Landwirte und Hoftorbilanz
- Region und ländlicher Raum: ELER, LEADER, regionale Wertschöpfung
- Natur- und Umweltschutz: Wiederherstellungsverordnung und Rechtsrahmen
- Waldschutz und Tierschutz: Entwaldung, Stallumbau, Mindeststandards
- Gentechnik und Verbraucherschutz: Kennzeichnung, Haftung, Transparenz
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