BioAcker und GrünlandKürbis – eine Frucht mit Potenzial

Kürbis – eine Frucht mit Potenzial

Karin und Raimund Metz mit ihren Kindern Jakob, Lorenz und Anna sowie Karins Eltern Christine und Johann Binder.
Quelle: Daniela Adelberger-Schörghuber

Wer mehr Auswahl als Hokkaido oder Butternuss sucht, wird am Mostviertler Bio-Kürbishof in Haag (Niederösterreich) bestimmt fündig. Das Sortiment der Bio-Ackerbauern Karin und Raimund Metz umfasst über 150 Kürbissorten, sowohl Öl-, Speiseals auch Zierkürbisse. „Mit zwei, drei gängigen Kürbissorten hebst du dich nicht vom Supermarkt ab, da braucht es schon mehr Vielfalt“, weiß die erfahrene Kürbisbäuerin. Karin Metz war sich schon als Kind sicher, dass sie einmal den Hof übernehmen würde. Ihre Eltern hatten den Betrieb auf konventionellen Ackerbau und Schweinemast (600 Mastplätze) ausgerichtet. Nachdem die künftige Hofnachfolgerin ihren Mann Raimund – einen weichenden Erben – kennen gelernt hatte, wollten sie zusammen etwas Neues ausprobieren. Sie versuchten sich im Anbau von Kräutern, waren damit aber nicht zufrieden. Durch Zufall sei das Paar auf den Kürbis gekommen, erzählt Raimund Metz: „Ich war 1999 auf einer Exkursion in der Steiermark. Dort kamen wir an Kürbisfeldern vorbei. So kam ich mit der Idee zurück, selbst Kürbisse anzubauen.“ Hauptberuflich waren beide zu der Zeit noch außerhalb der Landwirtschaft tätig. Daneben begannen die Niederösterreicher auf einer Fläche von 3.000 m² mit Kürbissen zu experimentieren. Ihre Ernte verkauften sie zunächst an einem einfachen Stand aus Strohballen mit einer Kasse. Die Nachfrage war gut und die Anbaufläche vergrößerte sich nach und nach. Mit den Jahren entwickelte sich die (damals noch konventionelle) Kürbisproduktion zu einem wichtigen Standbein für den Betrieb. 2015, nach der Hofübergabe, stellten Karin und Raimund Metz die Schweinemast ein und beschlossen, die 53 Hektar Ackerland auf Bio umzustellen. Seit 2018 ist ihr Betrieb bio-zertifiziert. Heute baut Familie Metz jährlich um die vier Hektar Speise- und Zierkürbisse sowie sieben bis acht Hektar Ölkürbis an.

Am Bio-Kürbishof Metz gibt es während der Hochsaison eine große Auswahl an verschiedensten Speise- und Zierkürbissen.
Quelle: Engler

Viel Handarbeit

Raimund Metz baut seine Kürbisse meistens zwischen fünftem und zehntem Mai an. Er rät: „Der Boden darf nicht zu kühl sein, sonst keimt das Saatgut nicht. Ideal ist eine Bodentemperatur zwischen 10 und 15 °C.“ Generell würden gut entwickelte Kürbispflanzen Trockenheit relativ gut verkraften, aber empfindlich auf feuchtes Wetter reagieren, weiß der Praktiker.

Ein weiterer, wichtiger Punkt ist die Fruchtfolge, denn Kürbisse sollten nur alle vier Jahre auf demselben Feld angebaut werden. Dazwischen baut Metz Ölfrüchte wie Hanf und Raps, Ackerbohne, Triticale und Weizen an. Die Beikrautregulierung erfolgt teils mechanisch, teils mit Muskelkraft. Ab dem Keimblattstadium kommt zwischen den Reihen das Hackgerät zum Einsatz. Innerhalb der Reihen muss händisch gehackt werden. Diese schweißtreibende Arbeit dauert mit fünf bis sieben Personen bis zu zwei Wochen.

Während die Ernte der Ölkürbisse maschinell vonstattengeht, ist das Sammeln der Speise- und Zierkürbisse aufwändig. Die Früchte müssen von Hand abgeschnitten werden. Da nicht alle Sorten bzw. Früchte gleichzeitig reif sind, erfolgt die Ernte etappenweise. Da Kürbisse frostempfindlich sind, muss die Ernte rechtzeitig abgeschlossen sein. Nach dem ersten Frost sind die Speisekürbisse nämlich nicht mehr haltbar, das Fruchtfleisch wird glasig.

Die Ölkürbisse werden, im Gegensatz zu den Speise- und Zierkürbissen, maschinell geerntet.
Quelle: zVg

Die Lagerung des Gemüses ist recht unkompliziert. Die Kürbisse müssen lediglich frostfrei gelagert werden, beispielsweise in einer Garage. Insbesondere Halloween-Kürbisse müssen rechtzeitig vor dem ersten Frost vom Acker geholt werden. Generell seien die Schnitzkürbisse mit Sorgfalt zu behandeln, weiß Karin Metz: „Wenn Halloween-Kürbisse verletzt sind, sind sie nicht haltbar. Man muss beschädigte Exemplare aber nicht wegschmeißen, sondern kann sie verkochen.”

Kürbis-Waschanlage

Früher wurden die Speisekürbisse nach der Ernte in einer alten Badewanne gesäubert. Seit 2013 gibt es am Kürbishof dafür eine Waschanlage. Die Kürbisse kommen erst in ein Wasserbad, dann passieren sie einen mit rotierenden Bürsten ausgestatteten Tunnel. Schließlich kommen sie über ein Förderband zu einem Fön, der das Wasser von den Früchten bläst. Die eigens für den Kürbishof angefertigte Anlage hat knapp 50.000 Euro gekostet. Diese Investition würde sich laut den Eigentümern aber rentieren, da die Technik die Arbeit erleichtert sowie Personal und Zeit spart.

Die Kürbis-Waschanlage spart Zeit und Personalkosten.
Quelle: Engler

Was der Artikel noch bereithält

Karin Metz erzielt eine hohe Wertschöpfung, indem sie besondere Produkte anbietet:

  • Spezielle Zierkürbisse in diversen Farben und Formen
  • Bio-Kürbiskernöl und weitere hochwertige Bio-Öle
  • Verarbeitungsprodukte wie Bio-Kürbiskernpesto, -fruchtaufstrich, Kürbisnudeln und Bio-Würzsauce aus Presskuchen

 

 

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