MarktListerienverdacht bei Käserei erhärtet

Listerienverdacht bei Käserei erhärtet

Molkereiprodukte
Quelle: facebook/Käserei Gloggnitz

Just während der Feier zum 20-jährigen Bestehen der AGES am Standort Mödling (Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen) wurde letzte Woche ein Zwischenfall mit Listerien bekannt. Acht Listeria-Krankheitsfälle seit 2020 sieht die AGES in Verbindung mit Produkten der Käserei Gloggnitz, denn bei den Erkrankten und in einem Lokal in Wien wurde ein und derselbe Listerienstamm gefunden. Drei Personen sind an Listeriose sogar gestorben.

Erreger in Käserei und im Produkt nachgewiesen

Der niederösterreichische Betrieb rief umgehend seine Produkte zurück, sah aber das Lokal in Wien als Quelle der Infektionen. Weitergehende Untersuchungen der AGES erhärten nun den Verdacht, dass doch die Produktionstätte die Quelle sein dürfte. In drei aktuellen Umfeldproben aus dem Betrieb wurden Listerien nachgewiesen, die den identen genetischen Fingerabdruck wie der Ausbruchsstamm haben. Beim Ausbruchsstamm handelt es sich um Listeria monocytogenes Sg1Vb/ST1/CT6568. Dieser ist einzigartig und wurde europaweit bisher noch nirgends nachgewiesen.

Mittlerweile wurde der Ausbruchsstamm auch in einem Lebensmittel des verdächtigten Betriebs nachgewiesen, informiert die AGES auf ihrer Homepage. Dieses Lebensmittel wurde in jenem Wiener Lokal verwendet, das bei den Befragungen der erkrankten Personen angegeben wurde.

Lebensmittelaufsicht sperrt Betrieb vorläufig

„Auf Basis der neuen Erkenntnisse wurde dem Betrieb eine dauerhafte Sanierung mit vorübergehendem Produktionsstopp vorgeschrieben“, teilte Dr. Christina Riedl von der Abteilung Veterinärangelegenheiten und Lebensmittelkontrolle beim Amt der NÖ Landesregierung  mit.

Die befohlene Sanierung beinhaltet die Reinigung und Desinfektion mit nachfolgendem Leerstehen und vollständiger Abtrocknung der Räume und Gerätschaften. Nach einer neuerlichen behördlichen Überprüfung werden „seitens der zuständigen Fachabteilung die weiteren Entscheidungen getroffen“, berichtete Dr. Riedl abschließend.

Wissen: Listerien kommen überall vor

Bei den Listerien handelt es sich um eine Familie von Bakterien mit zehn Spezies. Eine davon, Listeria monocytogenes, ist der Erreger der Krankheit Listeriose. Die Listeriose tritt zwar selten auf, nimmt aber oft einen schweren Verlauf, der stationärer Behandlung bedarf und mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden ist.

Vorkommen: Listerien sind in der Umwelt weit verbreitet, z. B. in Abwässern, in der Erde und auf Pflanzen. Lebensmittel tierischer Herkunft wie Rohmilch und Rohmilchprodukte sowie rohes Fleisch, aber auch Fleisch- und Fischprodukte wie aufgeschnittene, abgepackte Wurst und Räucherfisch können Listerien enthalten. Aus pasteurisierter Milch hergestellte Produkte wie Schmier- oder Weichkäse können während der Herstellung kontaminiert werden.

Erregerreservoir: Tiere können den Erreger zwar ohne zu erkranken in sich tragen, es kann aber auch zu symptomatischen Verläufen kommen (z. B. durch Listerien verursachte Fehlgeburten bei Wiederkäuern). Lebensmittelverarbeitende Betriebe können ein Reservoir für diese Erreger darstellen, in deren Folge (weiter-)verarbeitete Nahrungsmittel kontaminiert werden. Auf Grund ihrer Fähigkeit zu Wachstum auch bei niedrigen Temperaturen vermehren sich Listerien sogar im Kühlschrank; daher können kontaminierte Lebensmittel nach Lagerung im Kühlschrank hohe Keimzahlen enthalten.

Infektionsweg: Listerien werden hauptsächlich durch den Verzehr von kontaminierten tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln aufgenommen. Sehr selten findet auch eine Weiterverbreitung durch Übertragung von Mensch zu Mensch (Krankenhausinfektionen von Neugeborenen) sowie durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren (Hautinfektionen) statt.

Quellen: EFSA, AGES

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