Nach einer positiven Entwicklung seit Anfang 2024 habe sich die Lage am Milchmarkt zuletzt deutlich verschlechtert, erklärte LK-Präsident Franz Waldenberger. Hauptursachen seien hohe Anlieferungsmengen und geopolitische Unsicherheiten, die sich auf Märkte und Preise auswirkten. „Das massive Auf und Ab von Preisen fordert die bäuerlichen Betriebe zusehends“, so Waldenberger. Milchproduktion sei von langfristigen Investitionen geprägt und brauche stabile Rahmenbedingungen. Im Jahresdurchschnitt 2025 lag der Milchpreis laut Landwirtschaftskammer bei 54,06 Cent netto pro Kilogramm. In den ersten Monaten 2026 sank der Durchschnitt auf rund 46 Cent. Im Mai lagen die Auszahlungspreise je nach Molkerei nur noch bei etwa 42 bis 43 Cent pro Kilogramm.
„Die höheren Preise der vergangenen Jahre waren dringend notwendig, um Einkommen zu sichern und Investitionen zu ermöglichen. Umso stärker wiegt der aktuelle Rückgang der Auszahlungspreise“, betonte Waldenberger.

Steigende Kosten belasten Betriebe zusätzlich
Neben den sinkenden Erlösen setzen laut Landwirtschaftskammer vor allem steigende Energiepreise die Betriebe unter Druck. Höhere Kosten bei Treibstoffen, Futtermitteln und Logistik belasteten die gesamte Wertschöpfungskette. Die Kammer verweist darauf, dass sich internationale Entwicklungen unmittelbar auf den heimischen Milchmarkt auswirken. Eine Abkopplung vom EU- und Weltmarkt sei nicht möglich.
EU bleibt bedeutender Exporteur
Die EU bleibt weltweit größter Exporteur von Milchprodukten. Österreich exportierte 2025 Milchprodukte im Wert von rund 1,95 Mrd. Euro. Wichtigste Absatzmärkte sind Deutschland und Italien. Die Landwirtschaftskammer betont die Bedeutung stabiler Handelsbeziehungen und funktionierender Exportmärkte. Gleichzeitig verweist sie darauf, dass Produktionsstandards bei Importen konsequent kontrolliert werden müssten.
In Bezug auf Milchimporte aus der Ukraine sieht LK-Präsident Franz Waldenberger derzeit keine unmittelbare Gefahr für den heimischen Markt. Laut Landwirtschaftskammer würden aktuell keine Milchprodukte aus der Ukraine nach Österreich importiert. Insgesamt hat die EU im Jahr 2025 rund 40.000 t Milchprodukte aus der Ukraine importiert. Gleichzeitig exportierte die EU etwa 64.000 t Milchprodukte in die Ukraine. Daraus ergebe sich weiterhin ein deutlicher Handelsüberschuss zugunsten der EU.
Auch die Diskussion um Lebensmittelpreise und Mehrwertsteuer beschäftigt derzeit die Branche. Mehrwertsteuer auf Lebensmittel sinkt ab Juli auf 4,9 %
Oberösterreich weiterhin Nummer eins
Mit rund 1,2 Mio. Tonnen Milch bleibt Oberösterreich das wichtigste Milchbundesland Österreichs. Rund ein Drittel der heimischen Milchproduktion stammt aus Oberösterreich. Die Zahl der Milchviehbetriebe sinkt jedoch weiter. Österreichweit gab es 2025 noch rund 20.800 Milchviehbetriebe, in Oberösterreich knapp 5.000. „Trotz der Strukturentwicklung bleibt Österreich im internationalen Vergleich ein Land mit kleinstrukturierter Landwirtschaft“, erklärte Kammerdirektor Karl Dietachmair.
Mehr Herkunftstransparenz gefordert
Die Landwirtschaftskammer fordert mehr Transparenz bei der Herkunft von Milchprodukten. Konsumenten könnten mit ihrem Einkauf die regionale Wertschöpfung stärken. „Wir brauchen höchstmögliche Transparenz in Sachen Herkunft und Qualität“, sagte Waldenberger mit Blick auf Herkunftskennzeichnung und Qualitätsprogramme.
Kommentare